Kunstverein eröffnete spannende Ausstellung im Alten Park

Blickführung: Durch das Rad von Ingo Warnke zu den filigranen Paperstrickereien von Movana Chen. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Wie Hieroglyphen gehalten von unsichtbarem Band schaukeln die Objekte von Arno Neufeld vor den Baumkronen im Abendwind. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Zehn Künstler stellen Werke zum Thema „Kommunikation“ vor

GROSSBURGWEDEL (hhs). Der Kunstverein Burgwedel-Isernhagen hat im Alten Park an der Thönser Straße in Großburgwedel die bemerkenswerte Ausstellung „MitundohnePunktundKomma“ eröffnet.
Zehn Künstlerinnen und Künstler präsentierten sich dort mehrheitlich mit eigens für diesen Anlass und auf Großburgwedel zugeschnittenen Arbeiten. Seit Jahren sei es die erste Ausstellung, bei der der Kunstverein wieder das gesamte Areal des Alten Parks genutzt habe, freute sich der Vorsitzendes des Kunstvereins Burgwedel-Isernhagen, Stefan Rautenkranz bei der Begrüßung der rund 300 Gäste des Eröffnungsabends.
Die Arbeiten sind ganz unterschiedlicher Natur. Im vorderen Bereich des Areals an der Thönser Straße eine Installation in einem Spiel um die ersten vier Buchstaben des Alphabets, einfach in der geometrischen Form eines Dreiecks mit rotem Farbspray auf den Rasen „geworfen“.
Senkrecht wie waagerecht, von links nach rechts liest man nach einigem Hinschauen als einziges Wort „Abacadabra“, jene magische Zauberformel, mit der die Phantasie andere Wirklichkeiten schafft. Der Kunstverein hatte die Künstler aufgefordert, das Thema „Kommunikation“ zu bearbeiten.
Das war nicht immer leicht zu erkennen, und genau dieser Aspekt wirkte sich auf die Kommunikation der Besucher an diesem Abend als absolut förderlich aus: Die Besucher diskutierten miteinander in einer Intensität, wie kaum einmal zuvor bei einer Vernissage im Alten Park.
Auch der stellvertretende Bürgermeister der Stadt Burgwedel, Heinz Visel ging auf diesen Aspekt ein: Die Werke würden die Kommunikation zwischen Kunst, Park und den Menschen darin geradezu beflügeln.
Die Informationsfülle sei gegenwärtig so groß wie nie zuvor in der Geschichte der Kunst. Die Menge an Nachrichten sei beängstigend und es werde ständig schwieriger für die Menschen, miteinander in direkten -sprachlichen- Kontakt zu treten. Das gesprochene Wort habe es deswegen schwer. Dieses, so die Aufgabenstellung, sollten die internationalen Künstler bearbeiten.
Der prominenteste Gast hatte auch den längsten Anreiseweg zu bewältigen: Movana Chen war aus ihrer Heimat Hongkong gekommen, mit einem extra für Großburgwedel angefertigten Objekt, etwa drei mal vier Meter messend und zwischen Baumkronen drapiert.
Die Künstlerin schreddert Papier und strickt daraus neue Objekte. Es gehe ihr darum, die Vergänglichkeit von Identität zu zeigen. Dieser Prozess werde von ihren Objekten kommuniziert. Indem die Menschen an ihren Arbeiten selbst Hand anlegen und stricken, werden die Rezipienten selbst Teil der Kunst und der Kommunikation. Faszinierend zu beobachten, wenn Movana Chen zu ihrem gestrickten etwa 20 Meter langen Band ging, wo die Stricknadeln an dem einen Ende noch daneben lagen. Die Besucher versuchten, an diesem Band weiter zu stricken und damit selbst zu einem Teil des Ganzen zu werden.
Arno Neufeld überrascht mit ganz unterschiedlichen Arbeiten: Einmal Objekte, aufgehängt zwischen den Bäumen am Gehweg durch den Park. Er benutzt filigrane Zweige, weiß lackiert und auf eine unsichtbare Kordel gezogen. Vor dem Grün der Baumkronen erweckt es den Anschein von Hieroglyphen, die man entziffern möchte aber nicht kann. An dieser Stelle hilft allein nur Kommunikation weiter. Zum anderen die in Baumkronen gehängten geöffneten Schirme mit den weißen filigranen Zweigen, eine Allegorie vielleicht darauf, Kommunikation zu schützen.
Unübersehbar das riesige Rad von Ingo Warnke. Es besteht aus 64 einzelnen Objekten, die sich am chinesischen Buch der Wandlungen orientieren. Wer durch dieses Rad schaut, dessen Blick wird über das Band von Movana Chen hin zu deren extra für Großburgwedel geschaffenen Objekt gelenkt. Hier kommuniziert Kunst mit sich selbst.
Einen anderen Zugang zur Bedeutung von Kommunikation findet Angela Viain mit ihren giftgrünen Objekten, die Insekten ähneln. Die Kuratorin der Ausstellung Barbara Diabo schlug vor, darüber nachzudenken, warum man Insekten trotz all ihrer Anmut nicht als sympathisch empfindet: „Sie haben keine Augen und wir können nicht mit ihnen kommunizieren“, sagte sie. Das könne den Mangel an Sympathie erklären.
Es gibt noch viel zu entdecken in dieser Ausstellung im Alten Park: eine spannende Suche nach „Kommunikation“. Neben den Objekten sind auf dem Rasen kurze Texte mit Erklärungen und Hinführungen zu den Objekten zu finden. Bis zum 30. September wird diese Ausstellung im Alten Park zu sehen sein.