Krimiautor Max Bentow stellte „Das Hexenmädchen“ vor

Silvia Besener von der Bücherei Großburgwedel stellte ihrem Publikum den erfolgreichen Autor Max Bentow vor. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Kein großes Interesse an der Lesung des Bestsellerautors

GROSSBURGWEDEL (hhs). Krimilesung stand auf dem Programm am Mittwochabend im Amtshof. Max Bentow, erfolgreicher Krimiautor aus Berlin, las aus seinem neuesten Werk „Das Hexenmädchen“. Die Bücherei Großburgwedel setzte damit ihre langjährig erfolgreiche Reihe der Autorenlesungen fort.
Allerdings blieben einige Reihen im Amtshof an diesem Abend unbesetzt. Dabei hatten die Mitarbeiterinnen der Bücherei die Bühne passend zum Thema Krimilesung dekoriert: Vom Lesetisch waberte ein blutrotes Tuch gewissermaßen ein Tischbein entlang nach unten und breitete sich dort aus. Dazu noch die Laterne mit der Kerze, das erinnerte an Sherlock Holmes im nebelig-finsteren London. Das Licht gedimmt - die Atmosphäre war perfekt.
Jedes Jahr hat Bentow einen Kriminalroman veröffentlicht: 2011 „Der Federmann“, 2012 „Die Puppenmacherin“, 2013 „Die Totentänzerin“ und in diesem Jahr „Das Hexenmädchen“. Alle gelangten problemlos in die Bestsellerlisten. Silvia Besener, Mitarbeiterin der Bücherei Großburgwedel, stellte ihren Gast kurz vor: Max Bentow wurde 1966 in Berlin geboren. Nach seinem Schauspielstudium war er an verschiedenen Bühnen als Schauspieler tätig. Für seine Arbeit als Dramatiker wurde er mit zahlreichen renommierten Preisen und Stipendien ausgezeichnet.
Max Bentow lebt heute in Berlin und schreibt Kriminalromane.
Dann leitete der Autor seine Lesung ein: Einen wesentlichen Anteil am Erfolg seiner Krimis vermute er in der Konstruktion der Figur des Kommissars Nils Trojan. Der hat Angst und erlebt wiederkehrende Panikattacken. Das sei als Wesensmerkmal unter Polizisten in Mordkommissionen nicht ungewöhnlich, so Bentow.
Er habe darüber mit realen Polizeikollegen gesprochen. Panikattacken kommen danach häufig vor, seien aber absolutes Tabuthema. „Man geht nicht zur psychologischen Betreuung. Der Chef darf davon nichts wissen“.
Er habe mit Nils Trojan einen dünnhäutigen Ermittler schaffen wollen, einen sensiblen Kommissar mit harter Schale. Neben seinen psychischen Macken hat Trojan auch noch familiäre Problem. Man fragte sich unwillkürlich: Was unterscheidet diesen Mann von anderen Kommissaren und gibt es wirklich noch irgendwo einen „gesunden Ermittler“?
Dann begann Bentow zu lesen: Im Prolog entwickelte er das Bild eines Leichentuches mittels einer Schneedecke. Das Mädchen mitten darin im Wald im Nachthemd musste hinausfinden, „nicht umdrehen, weiter, vorwärts“... . Die Situation ließ einem das Blut in den Adern gefrieren. Hier im rein deskriptiven Bereich war Max Bentows Art zu lesen angemessen. Später, als er das Zwiegespräch der beiden Mädchen Ronja und Jule las, gelang ihm das nicht.
Bentow wechselt die Erzählperspektive zu einem allwissenden Erzähler, der beschreibt, wie der unbekannte Täter vorgeht. Kaum eine Erklärung dafür, warum der Täter so ist, wie er ist. Bentow geht es um die schnelle Weiterentwicklung der äußeren Handlung: Keine sprachlichen Mätzchen, die Sätze beinahe vollkommen ohne Nebensätze, fast alles nur eine Aneinanderreihung von Hauptsätzen. Das hohe Tempo steigert sich, ebenso die Spannung ...
Fazit: Alles in allem ein moderner Krimi, der die große Schar der Leserinnen und Leser polarisieren wird. Die einen werden Bentow lieben als einen modernen Autor, dessen Art zu schreiben dem Zeitgeist entspricht. Die anderen werden ihn genau deswegen links liegen lassen. Dabei vergessen Letztere aber, dass noch niemand Krimis geschrieben hat, um sich damit für den Literaturnobelpreis zu empfehlen. Es geht in diesem Genre in erster Linie um spannende Unterhaltung.