Kleinburgwedeler feiern ausgelassen Schützenfest

Schützenchef und Ortsbürgermeister vorneweg geht es zur Musik der Celler Knappen am Sonntag zuerst zum Schützenkönig Andreas Koernig, der sich nun über die 19. Schützenscheibe am Giebel freuen kann. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Die Vorderladerschützen des Schützenvereins Kleinburgwedel ehren jeden Vereinskönig mit drei Schuss Salut. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Große Resonanz: deutlich mehr Gäste zum Kommersabend

KLEINBURGWEDEL (hhs). Es war ein Schützen- und Volksfest in Kleinburgwedel, wie man es nicht alle Jahre in der Ortschaft feiern kann: drei Tage Kaiserwetter zum Feiern, keine Wolke am azurblauen Himmel über Kleinburgwedel bei den Umzügen.
Das gibt es nicht alle Jahre. Schützenchef Volker Speckmann konnte wirklich zufrieden sein. „Wenn es zu heiß ist, dann marschieren wir etwas langsamer und ziehen die Uniformjacken aus“, flachste er. Und manchmal erbarmt sich dann auch ein Feuerwehrmann und sorgt mit einem Sprührohr für Erfrischung.
Heiß und schweißtreibend war es, aber die Kleinburgwedeler Schützen können auf ein rundum gelungenes Schützenfest zurückblicken. Das habe sich schon am Kommersabend deutlich gezeigt, freute sich Volker Speckmann. Gut zwanzig Essen mehr als in Normaljahren konnte man verbuchen. Das sorge für einen zufriedenen Festwirt. 20 Essen mehr, das ist eine Steigerung, von der viele andere Schützenvereine nur träumen können.
Und viele Gäste beim Kommers, das wünscht sich schließlich jeder Schützenverein, wenn das Fest große Beachtung bei den Mitbürgerinnen und Mitbürgern findet. Eine weitere Ursache für die positive Resonanz in der Bevölkerung, so der Schützenchef, sei mit ziemlicher Sicherheit die außerordentlich gute Zusammenarbeit nicht nur von Schützenverein, sondern aller Vereine mit dem Kleinburgwedeler Ortsrat um Ortsbürgermeister Jürgen Schodder.
Das war auch bei den beiden Umzügen zu spüren. Schon am Samstag reihten sich viele Kleinburgwedeler in die Marschierenden ein und begleiteten diese zum kleinen Ständchen am Seniorenheim Lindenriek und weiter zum Scheibenannageln bei Kinderkönigin Sophie Follmann und Jugendkönigin Anne-Sophie Lehmann.
Der Sonntag begann für die Teilnehmer des Kleinburgwedeler Volks- und Schützenfestes mit einem Zeltgottesdienst, den Pastor Andreas Böger gestaltete. Anschließend begann der Umzug zum Ausbringen der Schützenscheiben für Schützenkönig, Schützenkönigin und Bürgerscheibe, „Junges-Volk“ König und natürlich die Humorscheibe, eine Kleinburgwedeler Spezialität, die seit weit mehr als 50 Jahren immer wieder einen hohen Spaßfaktor hat für alle Beteiligten.
Musikalisch begleitet von den Celler Knappen hatten es die Schützen nicht weit zu ihrer ersten Station an diesem Morgen – ein beinahe schon jährlicher Halt: Die Adresse lautet Wallstraße 28, wo bis Sonntagmorgen 18 Königsscheiben an der Wand prangten. Jetzt, ab Sonntagmittag, sind es 19, denn Andreas Koernig ist der Schützenkönig 2014 des Schützenvereins Kleinburgwedel.
Es war heiß und stickig in der Mittagszeit und die Kolonne der Marschierenden suchte unter den hohen Eichen an der Wallstraße den Schatten.
Die Vorderladerschützen, die jedem König mit drei Schuss Salut ehren, hatte sich auf dem Hof gegenüber aufgestellt und walteten dort ihre Amtes. Der Rest verlief zügig: Die kostümierten Scheibenannagler machten keine langen Sprüche hoch oben von der Leiter. Als die Scheibe hing, wurde sie mit Korn getauft und ein Teil der Gäste gleich mit.
Dann ließen sie ihren Schützenkönig „hoch leben“. Dreimal wurde Andreas Koernig hoch in die Luft geworfen, dann war die Prozedur bei der Affenhitze vorbei. Schließlich bat der Vorsitzende des Schützenvereins Volker Speckmann die Celler Knappen um einen Königswalzer. Koernigs Ehefrau Silke stand schon bereit und los ging es. Die beiden drehten einige Runden im Dreivierteltakt im Garten unter großem Applaus der Umstehenden. Den Abschluss bildeten die drei Schuss Salut. Dann genossen alle die kühlen Getränke, bis es weiterging zu Nils Stobinski, dem König „Junges Volk“.
Auch dorthin war es nur ein kurzer Weg, kaum hundert Meter weiter auf das Nachbargrundstück. Das Procedere wurde ebenso zügig abgearbeitet wie bei den Koernigs. Speckmann hob in seiner kurzen Ansprache noch einmal hervor, dass Nils Stobinski seinen Titel mit dem sagenhaften Teiler 6 erlangt hat. Letzte Station an diesem Sonntag war bei Damenkönigin Ilse Spaeth, die auch die Bürgerkönigsscheibe errungen hatte. Auch hier lief alles seinen traditionellen Gang und so hätten sich die hitzegeplagten Umzugsteilnehmer eigentlich zurück zum Festplatz, zu Kaffee und Kuchen, Bier, Bratwurst, Brause aufmachen können, wenn da nicht noch eine Kleinburgwedeler Spezialität bevorgestanden hätte: die Humorscheibe.
In Kleinburgwedel gibt es eigens dafür ein Humorkomitee, das sich im Laufe des Jahres in vielfachen Sitzungen an etwaige komische Situation eines Schützenmitgliedes erinnert. Dieser oder diese erhält dann in Form einer kurzen Laudatio seine Scheibe zu Hause, ohne vorher davon zu erfahren. Erst wenn Festumzug auf der Rückkehr zum Festplatz plötzlich links oder rechts vom kürzesten Weg abbiegt, „dann klingelt es bei den Humorkönigen“, dass sie nun an der Reihe sind.
In diesem Jahr stand die Überraschung für Horst Szymczak an. Hier hatte das Humorkomitee erinnert, dass Szymczak immer hilfsbereit ist und gern bei Festen kellnert. Vor etwa 15 Jahren habe er nachts auf dem Heimweg eine Pause eingelegt auf dem Dorfplatz nach „so einer Kellnerei“ und seine Jacke über ein Spielgerät gehängt. Dort habe die einsame Uniformjacke dann noch am nächsten Morgen gehangen …