Kann auch bei uns das kostbare Wasser knapp werden?

Per Handzeichnungen erläuterte die Expertin der Wasserwirtschaft, Hilke Gerdes, die Bodenschichtungen über dem Grundwasser. (Foto: Renate Tiffe)

Seminar der Landfrauen zu einem Thema mit vielen Auflagen

GROSSBURGWEDEL (ti). Es erscheint uns so selbstverständlich: Wasser ist einfach da, in bester Qualität und ausreichender Menge. Wie viel Aufwand es erfordert, dass dies auch so bleibt, davon konnten sich die Mitglieder des Landfrauenvereins Burgwedel bei ihrem alljährlichen Seminar ein Bild machen, das sich diesmal mit einem unserer wichtigsten „Lebensmittel“, dem Wasser, befasste.
Für den ersten Teil des Seminars, das aus drei Veranstaltungen bestand, hatten sich die Landfrauen mit Hilke Gerdes eine höchst kompetente Fachfrau herangeholt. Sie gehört zum „Team Wasserschutz“ in der unteren Naturschutzbehörde der Region, kannte sich in der Wasserwirtschaft aus und wusste viel zum Grundwasser und dessen Schutzbestimmungen zu sagen.
Mit Handzeichnungen erklärte die studierte Wasserwirtschaftlerin Entstehung und Verlauf der Bodenschichtungen im hiesigen Bereich, in dem vier Wasserwerke mit ihren Brunnen ansässig sind. EU-Richtlinien bestimmen das Handeln der Wasserbehörde, für die als Richtschnur ein absolutes Verschlechterungsverbot gilt, d.h. Güte und Menge müssen immer gleich bleiben. Das erfordert ständige Kontrollen des Grundwassers und der Oberflächengewässer und auch der Entnahmemengen. Dabei wird dem Trinkwasser die Priorität zugemessen, dann folgen die Maßnahmen für den Naturschutz und zuletzt werden die Bedürfnisse der Landwirtschaft und anderen Nutzer berücksichtigt. Immer weniger Wasserrechte werden erteilt, sagte Hilke Gerdes. Mit einiger Sorge werde die derzeitige lange Trockenperiode betrachtet. Normalerweise tragen die Wintermonate von November bis April zur Grundwasserneubildung bei.
Die Gefährdungen durch die Nutzung müssen so gering wie möglich gehalten werden. In Wasserschutzgebieten gilt die größte Aufmerksamkeit der Düngung und dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Die Landwirtin Regina Knips konnte einiges dazu berichten. Das Wort „Gülletourismus“ zum Vermeiden einer Überdüngung war ihr nur zu geläufig. Um den Nitrateintrag zu vermindern sollen die Landwirte im Herbst so wenig Stickstoff ausbringen wie möglich. Die Wasserwerke bieten dazu Beratung an. Immer strenger werden auch die Vorschriften für die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln. Wasser, so heißt es, hat ein langes Gedächtnis. Der früher etwas leichtfertige Umgang, auch in Hausgärten, zeigt sich jetzt nach mehr als 20 Jahren in den Wasserproben.
Das Gleiche wie für die Gülle trifft auch für den Klärschlamm zu. Die neue Burgwedeler Kläranlage war die zweite Station des Seminars. Die Teilnehmerinnen staunten, dass es nur wenige Stunden braucht, die Abwässer aus den Ortsteilen ins Klärwerk zu befördern, wo sie binnen etwa eines Monats biologisch gereinigt werden. Und das bei einem möglichst sparsamen Energieverbrauch, wie sei erfuhren.
Wieweit die Auflagen der Wasserwirtschaft einen modernen Fischbetrieb beeinflussen - und ihn einschränken - davon hörten die Landfrauen Genaueres auf dem Forellenhof in Hellendorf. Es war der dritte Veranstaltungsort des Seminars mit insgesamt 23 Teilnehmerinnen. Wieweit sich die Wasservorschriften auf die Qualität der Fische auswirken, davon konnten sich die Frauen anschließend beim Probieren und Kaufen überzeugen. Die Qualität der Forellen sei so gut, dass sich der Weg in die Wedemark durchaus lohne, meinte eine von ihnen.