Jäger, Falknerin und Feuerwehr retten Bussard aus Güllesilo

Bussardfang im Güllesilo: Stephan Schmitz hat das vollkommen verdreckte und verklebte Tier mit sicherem Griff aus der Gülle gerettet. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Erste Dusche: Stephan Schmitz und Artur Büchtmann versuchen mit der Handspritze, den Bussard vorsichtig zu säubern. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Vogel ist wieder freigelassen und bei bester Gesundheit

THÖNSE (hhs). Am vergangenen Samstag rief ein früher Spaziergänger bei Artur Büchtmann, ein Jagdpächter in Thönse an. Aufgeregt berichtete er, im Güllesilo am Weg nach Oldhorst sitze ein Bussard. Der komme nicht hoch, weil er sich beim Flügelschlagen vollkommen mit dem stinkenden Schlick verdreckt habe.
Büchtmann sah sich die Lage vor Ort an: Das Güllesilo war bis knapp über den Boden leer, der Vogel saß offenbar erschöpft auf einem Haufen eingetrockneter Gülle. Als der Bussard den Jäger erblickte, begann er wieder mit den Flügeln zu schlagen und herum zu springen. Er landete in der noch flüssigen Gülle. Es war ein Bild des Jammers. Dem Jagdpächter war klar, hier konnte man allein nichts ausrichten, eine lange Leiter musste her und ein paar Männer. Er rief bei der Feuerwehr an und beim Jagdaufseher Stephan Schmitz. Die Feuerwehr kam mit Einsatzfahrzeug, Wasser und Leiter, der Jagdaufseher mit Kescher und Wathose.
Schnell war die Leiter hinunter gelassen. Stephan Schmitz griff zum Kescher, kletterte runter, der Bussard entkam dem Kescher ein paar Mal und flatterte, dass die Gülle spritzte. Dann hatte der Jagdaufseher den Vogel gegriffen. Die Jagd in der stinkenden Brühe war vorbei. Oben angekommen wurde der Bussard vorsichtig mit Wasser abgespritzt. Das gefiel ihm nicht, musste aber sein. Nun war guter Rat gefragt: Das Tier schien erschöpft und keinesfalls in einem Zustand zu sein, dass man es ohne Risiko wieder fliegen lassen konnte.
Claudia Mithöfer, Obfrau für Greifvogel- und Eulenschutz der Jägerschaft Burgdorf, wurde zu Hilfe gerufen. Sie nahm den Bussard mit nach Hause „Ich habe den verdreckten Vogel mindestens sechs oder sieben Mal gewaschen, nur mit lauwarmem Wasser“, erläuterte sie ihr Vorgehen später. Dann habe sie den Bussard an einen warmen Ort gebracht und ihm tröpfchenweise mit einer Spritze Flüssigkeit, Wasser mit Glukose, eingeflößt. „Das sollte auf keinen Fall ein Laie machen, denn bei Greifen sitzt die Luftröhre unter der Zunge. Und wenn da Flüssigkeit hineingelangt, war's das ...“. Am Abend stand der Vogel das erste Mal wieder und machte auf den ersten Blick einen kräftigen Eindruck.
Ursprünglich wollte Claudia Mithöfer den Bussard noch am Samstagabend wieder freilassen, entschied sich aber dagegen. „Das Gefieder war noch nicht ganz sauber, so blieb er über Nacht und musste noch ein paar Duschen und Vollbäder über sich ergehen lassen“.
Unterdessen habe sie etwas artgerechtes Futter besorgt und dem Vogel angeboten. „Er hat auch gefressen und am nächsten Morgen lag dort auch ein Gewölle. Das ist eigentlich immer ein gutes Zeichen, dass sich der Zustand des Tieres stabilisiert hat“. Tagsüber hat sie dem Bussard dann noch Flüssigkeit und weitere Nahrung zugeführt. „Ich wollte ihn am Abend nicht mit leerem Magen freilassen, damit er nicht gleich am nächsten Morgen Beute machen musste“, begründete Claudia Mithöfer ihr Vorgehen. „Am Abend habe ich ihn in Thönse in der Nähe des Güllesilos wieder freigelassen, an einer Baum- und Buchreihe mit angrenzendem gemähten Grünland. Dort hat er beste Chancen auf Mäuse“. Der Vogel habe sich gleich zu Fuß von dannen gemacht in die Büsche. „Der konnte noch nicht wieder fliegen. Das ist ganz normal, wenn man Greife gewaschen hat. Sie müssen ihr Gefieder selbst putzen. Das tun sie nicht in Gefangenschaft. Dazu haben sie zuviel Stress.
Am nächsten Morgen herrschte dann Gewissheit: Dem Bussard geht es inzwischen gut. Jagdpächter Artur Büchtmann berichtete, er habe ihn mehrmals auf einem Misthaufen sitzen gesehen.