Integration durch Bildung

BNW-Geschäftsstellenleiterin Marta Schüring (v. l.) und Thomas Lohmann (Sprecher der Geschäftsführung) begleiteten Caren Marks, Bedri Özdemir und Marco Brunotte durch die Räume der Bildungseinrichtung. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

SPD-Politiker besuchen Bildungswerk der niedersächsischen Wirtschaft

BURGWEDEL (bgp). Hoher Besuch hatte sich in der vergangenen Woche beim Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft (BNW) angesagt. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Caren Marks und der SPD-Landtagsabgeordnete Marco Brunotte erkundigten sich auf ihrem Gang durch die Bildungseinrichtung bei den Teilnehmern nach deren beruflichen Zielen und Wünschen. In einem Dialog nahmen die Politiker Stellung zu Fragen und Anregungen aus der Runde.
Das BNW ist ein Bildungsdienstleister mit großer Nähe zur niedersächsischen Wirtschaft und steht enger Kooperation mit den örtlichen Jobcentern. Flächendeckende Fortbildungen an 57 Standorten ermöglichen den Teilnehmern, ihre Fähigkeiten entlang ihrer beruflichen Biografie auszubauen, um sich möglichst gut im Arbeitsmarkt zu etablieren. Wichtiger Bestandteil der Arbeit des BNW sind auch Integrationskurse für Migranten und geflüchtete Menschen, die neben Sprachkompetenzen allgemeine Kenntnisse über Deutschland erwerben, um später in eine Ausbildung oder einen Beruf einsteigen zu können.
Ein Teilnehmer aus Algerien schilderte den Politikern das Dilemma, das er mit vielen Bekannten teilt. Er habe zunächst in Algerien studiert und später im französischen Toulon gearbeitet. Leider sei sein Asylantrag in Deutschland abgelehnt worden, sagte er und fuhr fort: „Viele von uns sind gut ausgebildet, doch wir dürfen nicht arbeiten, obwohl wir es wollen.“ Caren Marks konnte den jungen Mann wenigstens in einem Punkt beruhigen: Obwohl es noch der Entscheidung des Bundesrates bedarf, ob Algerien als sicheres Herkunftsland gelte, hätten Flüchtlinge während einer Qualifikation wenigstens ein Bleiberecht für diese Zeit.
„Ein Freund von mir hat einen Ausbildungsvertrag unterschrieben, hat er damit nicht bessere Chancen auf Anerkennung?“, wollte ein weiterer Teilnehmer wissen. Die Bundestagsabgeordnete erklärte, dass ein Asylverfahren unabhängig von einem Ausbildungsvertrag erfolge und verwies auf das Bleiberecht. Eine junge Mutter aus dem Iran lebt seit über zwei Jahren mit ihren beiden Kindern in Deutschland. Sie habe als Englisch-Lehrerin in ihrer Heimat gearbeitet und würde gerne an einer Schule tätig sein, doch das sei schwierig, bedauerte sie.
Probleme mit einem Dolmetscher schilderte eine junge Frau aus Aserbaidschan. Sie habe bemerkt, dass ihre Worte von einem Dolmetscher während eines Anhörungsverfahrens falsch übersetzt worden seien. Aufgefallen sei ihr das jedoch erst beim Lesen des Protokolls. Daraufhin räumte Caren Marks ein, dass gerade während der Flüchtlingskrise akuter Personalmangel im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) geherrscht habe und im Zuge dessen sicher mancher Dolmetscher oder Entscheider eingestellt worden sei, der möglicherweise nicht über ausreichende Qualifikationen verfüge. Dolmetscher seien jedoch sehr wichtig, um die richtige Entscheidung treffen zu können, betonte Marks. „Da gibt es auf jeden Fall Mängel“, hielt sie fest und versicherte, dass dort „nachjustiert“ werden müsse.
Im Qualifizierungskurs für Berufseinsteiger fragte eine junge Frau die beiden Politiker nach Tipps für den beruflichen Erfolg. Entwicklung eigener Talente, kritische Reflexion und Offenheit hob die Bundestagsabgeordnete hervor. Marco Brunotte sieht ebenso wie Caren Marks in der politischen Arbeit auch persönliche Erfüllung und ermunterte die Runde: „Bleiben Sie nicht stehen und seien Sie neugierig!“