Infomarkt zur Stromtrasse Suedlink lockte Hunderte

Die Karten in kleinem Maßstab sorgten für Betroffenheit bei Landwirten, Anwohnern und Kommunalpolitikern. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Deutlich zu sehen auf der Karte: Bei Schwarmstedt springt die Trasse über die A7 nach Osten, um dann auf Höhe Kirchhorst/Stelle wieder zurück auf die Westseite zu führen. Die Gründe für den Verlauf durch Burgwedel und Isernhagen werden jetzt hinterfragt. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Präsentationen lösten Betroffenheit bei vielen Besuchern aus

BURGWEDEL/ISERNHAGEN (hhs). Am Mittwoch hatte der zukünftige Netzbetreiber Tennet, der gegenwärtig die Stromtrasse plant, mit der der Strom aus den Offshore Windkraftanlagen in den Süddeutschen Raum geleitet werden soll, zu einem Infomarkt in die Grundschule Großburgwedel eingeladen. Und die Burgwedeler und Isernhagener kamen in Scharen, um hier alle Fragen zu Suedlink zu klären. Die Aula der Grundschule war von Beginn an sehr gut gefüllt, einige hundert Besucher drängten sich vor den Schautafeln.
Mit knapp 30 Mitarbeiten aus den Arbeitsfeldern Netzbetreibung, Umweltschutz, Trassentechnik und Genehmigungsverfahren als Gesprächspartner und noch mehr Kartenmaterial, Grafiken und Zukunftsvisionen war Tennet vor Ort. Darüber hinaus hatten die Kommunen Burgwedel und Isernhagen, jede Menge Infomaterial aus den Bereichen, die ihnen besonders am Herzen lagen, zur Präsentation vorbereite.
Genau damit wurden die Schwachstellen der Präsentation des Netzbetreibers kompensiert. Ein Novum, wie Markus Lieberknecht, Pressesprecher des Netzbetreibers zugab. So gut vorbereitetes Material habe es bei den inzwischen fünf durchgeführten Infomärkten von Tennet in anderen von der Stromtrasse betroffenen Gemeinden noch nicht gegeben. Aber 22 Infomärkte stehen noch an auf den verbleibenden 600 Trassenkilometern.
Die meisten Besucher formulierten ein „ungutes“ Gefühl, wenn sie den Verlauf der Trasse durch ihre Heimat zum ersten Mal im kleinen Maßstab auf der Karte erkannten: Dicht läuft sie an Kirchhorst und Stelle vorbei, um südlich wieder die A7 zu queren. Bedrohlich auch die Situation für die Menschen in Kleinburgwedel, Wettmar und Thönse und weiter in Oldhorst. Hier sind Friedhöfe betroffen und der einzige natürliche Laubmischwald in der Stadt Burgwedel, der Raden.
Auch die ausgewiesenen Naturschutzgebiete auf dem Kartenmaterial haben die Planer von Tennet nicht davon abgehalten, ihre Trasse ohne Rücksicht auf Verluste mitten durch Trünnenmoor, Oldhorster Moor und Altwambüchener Moor zu ziehen. Wasserschutzgebiete bleiben unberücksichtigt, ebenso große geschlossene Waldgebiete. Und genau hier ist den beiden Kommunen Isernhagen und Burgwedel zu danken, dass beide in ihren Beiträgen zum Infomarkt Schwerpunkte im Bereich Umwelt- und Naturschutz gesetzt hatten.
Im Vorfeld des Infomarktes hatten viele Mitbürgerinnen und Mitbürger in einer unterirdischen Verlegung der Kabel eine Möglichkeit gesehen, die Trasse hinnehmen zu können. Den meisten wurde diese Illusion genommen: Der Graben dafür müsste etwa 40 Meter breit sein, um jeweils zehn Kabelstränge von jeweils 30 Zentimeter Durchmesser aufzunehmen. Die gewaltige Breite ergebe sich, weil die Kabel wegen der Hitzeentwicklung in großem Abstand nebeneinander verlegt werden müssten, hieß es auf Nachfrage. Die Tiefe des Grabens liege bei etwa zwei Meter.
Man stelle sich die notwendigen Erdbewegungen vor, um nur einen Kilometer Trasse „unter Tage“ zu bringen: 80.000 Kubikmeter sind es für einen Strang. Und wollte man einen Strang auf ganzer Länge, etwa 800 Kilometer, vergraben, wären 64.000.000 Kubikmeter Boden zu bewegen. Diese Mengen lassen die Bereitschaft des Netzbetreibers, unterirdische Trassen anzulegen, gegen Null gehen.
Tennet machte es sich einfach: Wer offenen Auges in den Eingang gelangte, sah dort eine Sammlung von Parametern, die suggerierten, dass die Notwendigkeit der Suedlink Trasse nicht mehr diskutiert werden müsse, das habe die Politik schon erledigt. Zweiter Punkt: Es gehe nur noch um das „Wie“, der dritte Punkt, der die Mitbürgerinnen und Mitbürger aber am meisten interessierte, das „Wo“ tauchte in diesen Parametern nicht auf. Und das konnte für die meisten nur bedeuten, dass die Trasse genau dort verlaufen wird, wo sie auf den Karten im Informationsmaterial eingezeichnet sind.
Ein ganz wesentlicher und häufig getätigter Einwand war der nach grundsätzlich anderen Trassenverläufen. Der Blick auf die Karten zeigt: Die Trasse springt in Höhe Schwarmstedt über die A7 nach Osten, schneidet dort alles an vorhandenen wichtigen Biotopen und Naturschutzgebieten auf ihrem Weg nach Süden bis Kirchhorst/Stelle, um dort wieder zurück auf die Westseite der A7 zu springen.
Das Verspringen der Trasse nach Osten mache keinen Sinn, warfen viele Besucher der Veranstaltung ein. Westlich der A7 gebe es kaum besonders geschützte Landschaftsbestandteile und noch in Autobahnnähe eine Bahntrasse. Dort sei die Suedlink-Trasse sicherlich einfacher zu vermitteln, gaben sie zu bedenken. Zudem sei der Verlauf westlich der A7 deutlich kürzer.
Den beiden Bürgermeistern Axel Düker und Arpad Bogya wollte der von Tennet geplante Trassenverlauf auch nicht einleuchten und sie meldeten Erklärungsbedarf an. Rainer Fredermann, der hiesige CDU-Landtagsabgeordnete, hat in diesem Zusammenhang eine schriftliche Stellungnahme bei Tennet angemahnt.
„In welchem Abschnitt des Verfahrens befinden wir uns jetzt eigentlich?“, fragte ein von der Trasse betroffener Landwirt in die Runde. „Wir sind erst am Anfang und sammeln weiter Anregungen“, antwortete Markus Lieberknecht, Pressesprecher des Netzbetreibers. Eineinhalb Jahre werde es noch dauern, bis die Korridore feststehen. Dann werde mit dem Bau begonnen. Immerhin soll das Megaprojekt in 2022 den Offshore-Strom nach Bayern bringen, „vollkommen gleichgültig, ob die den brauchen oder nicht“, gab ein Ortsbürgermeister Burgwedels zu bedenken.
Alles in allem war der Informationsmarkt eine gelungene Veranstaltung. Tennet hat sich um Versachlichung bemüht und immer wieder zugesichert, dass man die Einwände und Anregungen ernst nehmen und in die weiteren Planungen einfließen lassen werde. Alle Fragen dieses Nachmittags, die nicht beantwortet worden sind, will Tennet in den kommenden Tagen beantworten. Das sollte abgewartet werden, um weiterhin in einem produktiven Dialog zu bleiben.