In die Würmsee-Planungen scheint Bewegung zu kommen

Heinz Visel von den Grünen wies dezidiert nach, dass vor Jahren ein Bebauungsplan für den Lahberg unter vergleichbaren Bedingungen, wie sie am Würmsee jetzt vorhanden sind, verabschiedet worden ist.
 
Das Interesse der Würmsee-Anlieger war groß. Kein Stuhl blieb frei in der Eingangshalle der Grundschule Kleinburgwedel.

Breites Meinungsbild durch neue Befragung der Anwohner

KLEINBURGWEDEL (hhs). Am Dienstag dieser Woche hatte der Planungsausschuss der Stadt zu einer öffentlichen Sitzung nach Kleinburgwedel in die Grundschule geladen. Es wurde eine stark beachtete Sitzung, der Grund dafür Tagesordnungspunkt 3, die Auswertung der frühzeitigen Öffentlichkeits- und Behördenbeteiligung in Sachen Würmsee.
Ganz pünktlich konnte man nicht beginnen: Die beiden geladenen Gäste, Prof. Axel Priebs, Erster Regionsrat und dort zuständig für Umwelt und Bauen, und Martina Zang, Leiterin der Bauaufsicht bei der Region Hannover. Und natürlich waren gut einhundert Besucher in die Grundschule gekommen.
Michael Keller vom gleichnamigen Planungsbüro führte eingangs aus, die Stellungnahmen seien umfangreich und man könne sie in zwei Bereiche teilen: Ein großer Teil beschreibe die private Situation der Betroffenen, ein anderer gebe Anregungen zur Planung selbst. Der entscheidende Punkt sei, eine Gruppe wolle das Wochenendwohnen dort erhalten, eine andere, größere, zöge die Ausweisung als Wohngebiet vor. Es gehe also um die Frage Dauerwohnrecht oder nicht? Bisher ist man immer von „nicht“ ausgegangen.
Axel Priebs gab in Bezug auf Dauerwohnrecht zu bedenken: „Wenn man hier ein Wohngebiet festsetzen würde, dann wohnen hier in ein paar Jahren andere Leute als jetzt“. Es gehe doch wohl eher darum, Übergangsregeln zu finden, die erträglich sind. Er könne sich ein Wohnrecht am Würmsee vorstellen für alle, die älter sind als 65 Jahre und hier dann bis zu ihrem Ableben wohnen dürften. Eine Übergangszeit könnte die Härten für jüngere Anwohner mildern. Vieles sei denkbar und könnte mit Verträgen geregelt werden.
Schließlich gab Heinz Visel von den Grünen zu bedenken, dass es sich bei allem um Menschen handele, die am Würmsee ihr Zuhause haben. Sein Bemühen zum Verstehen aller sei gescheitert. Visels Fazit: „Wir müssen eine eigene Lösung entwickeln“.
Drei Stichworte gab er zu bedenken: Zunächst Dauerwohnen: Seit 1990 sei auch im Bebauungsplan bekannt und somit formuliert, dass am Würmsee Dauerwohnen häufig vorkomme. Auch gebe es dort eine dem Dauerwohnen entsprechende Infrastruktur mit öffentlicher Versorgung, Post, Elektrizität, Müllabfuhr, Wasser und Abwasser.
Drittens und Letztens zum Problem der Splittersiedlung. Visel verwies auf den Lahberg, wo vor Jahren eine vergleichbare Situation im Nebeneinander von Wochenendwohnen und Dauerwohnen festgestellt worden sei und seit Jahren gut funktioniere: „ Wenn wir das wollten, könnten wir aus der Begründung für den B-Plan Lahberg im Jahr 2000 direkt einen B-Plan Würmsee abschreiben“, so Visel. „Für mich konzentriert sich nach diesen drei Stichpunkten die Lösungsfindung auf die folgende Frage“, fuhr Visel fort, „die wir meiner Ansicht nach als erstes entscheiden müssen: Wollen wir, dass die jetzt am Würmsee Wohnenden dort bleiben können und dass am Würmsee auf Dauer Menschen wohnen?“
Weil das Wohl der Bürger und ihr Vertrauen in die Politik ein sehr hohes Gut sei, halte er es für richtig, die Linie so zu ziehen, dass Menschen auf Dauer am Würmsee wohnen können und der neue B-Plan entsprechend gestalte werde.
Anschließend stellte Hans-Joachim Rödiger von der SPD einen Antrag, der schon im Vorfeld angekündigt war: Es solle eine Befragung aller Anwohner des Würmsees durchgeführt werden, was sie bevorzugen, Wohngebiet oder Wochenendwohngebiet. Zur Begründung sagte Rödiger: „18 Anwohner haben sich im bisherigen Verfahren in ihren Eingaben geäußert. Was aber ist mit den anderen 33?“
Nach einigen Diskussionen stimmte der Planungsausschuss dafür, der Verwaltung einen Prüfauftrag zu geben, wie die Befragung aussehen könnte, dann solange den Antrag der Verwaltung zurückzustellen und drittens das Verfahren um den Würmsee weiterzuführen.
In der anschließenden Einwohnerfragestunde brachte es jemand auf den Punkt: „Alle, die dort wohnen, wollen doch nichts anderes, als dass das so bleibt. Dort ist unser Zuhause. Wir wollen hier wohnen bleiben, das ist unbenommen“.