Immer wieder „Facebook“ und virtuelle Welten

Geehrt (v.l.) durch Brandschutzabschnittsleiter Horst Holderith (ganz links): Eckardt Büchtmann (40 Jahre), Günter Hennigs (50 Jahre) und Wilhelm Lueg (60 Jahre). (Foto: Svenja Steinseifer)

Freiwillige Feuerwehr Thönse thematisiert Nachwuchs und virtuelle Welten

THÖNSE (svs). „Hier wird Kameradschaft gepflegt. Im Zuge virtueller Welten, wie „Facebook“, nimmt sie ab.“ Für den stellvertretenden Ortsbürgermeister von Thönse, Andreas Krüger, ist Nachwuchsförderung sein persönliches Steckenpferd. Dem stellvertretenden Ortsrandmeister Ingmar Franke sind zwei Dinge wichtig: Blutspender und Nachwuchs. „Da geht noch was!“
„Die Feuerwehr wird immer mehr als Dienstleister gesehen“, beschreibt der stellvertretende Stadtbrandmeister Ingo Motl die Veränderung in der Entwicklung der Einsatzzahlen, „was früher Nachbarschaftshilfe war, lässt man jetzt die Kameraden erledigen.“ Insgesamt sechs Mal rückte die Freiwillige Feuerwehr Thönse im Jahr 2011 zu Brandeinsätzen aus, davon ein Großbrand. Fünf Mal zu technischen Hilfeleistungen „Thönse liegt mit seinen Einsätzen nicht im Trend“, sagt Motl, „hier funktioniert die Nachbarschaftshilfe noch!“
Aber wie alle anderen Wehren muss sich auch Thönse der Herausforderung „Nachwuchs“ stellen. „Den klassischen Quereinsteiger mit 20 oder 30 Jahren gibt es nur noch selten, wenn überhaupt noch“, weiß Motl, „und auch die Tagesalarmbereitschaft nimmt durch berufliche Pflichten ab.“ Die insgesamt 4384 geleisteten Stunden der Freiwilligen Feuerwehr bezeichnet er als „erheblich“. „Diese Zahlen sagen alles“, betont Motl. Sowohl für den stellvertretenden Stadtbrandmeister als auch für den stellvertretenden Bürgermeister der Stadt, Jörg Heuer, sind die vielfältigen Möglichkeiten der Ablenkung ein Grund für den Nachwuchsmangel. „Immer wieder Facebook“, sagt Motl. „Jede Minute, die die Jugendlichen von diesen virtuellen Welten wegkommen und etwas Sinnvolles tun, zählt“, betont Jörg Heuer. Insgesamt 1736 Übungsstunden leistete die Jugendfeuerwehr im Jahr 2011.
„Die Feuerwehr gefährdet sich selbst und das freiwillig, zumindest hier bei uns auf dem Land“, sagt Heuer, „das ist nicht selbstverständlich.“ 475.000 Euro aus dem Haushalt 2012 spricht er der Feuerwehr zu. Zwei Fahrzeuge, technische Geräte für 40.000 Euro und 15.000 Euro für die Löschwasserversorgung sind geplant. „Die Feuerwehr kann sich im Großen und Ganzen nicht beschweren!“
Dennoch richtet Brandschutzabschnittsleiter Horst Holderith „ein paar mahnende Worte“ an Rat und Verwaltung: „Das sind 475.000 Euro für die Sicherheit ihrer Bürger in ihrer Kommune. Gemessen an den Einwohnerzahlen erscheint mir das doch sehr gering.“ Der Herausforderung „Nachwuchs“ begegnet Holderith mit Kinderwehren. „In Engensen funktioniert das gut. Die Einrichtung von Kinderfeuerwehren ist meine persönliche Mission in diesem Jahr.“
Einen erheblichen Anteil der geleisteten Dienste nimmt auch die Weiterbildung ein. „Es muss sein, um mit den immer besser werdenden technischen Systemen Schritt halten zu können“, weiß Motl und auch die Arbeit in der Jugendfeuerwehr will gelernt sein. „Wir sind teilweise besser ausgebildet als Pädagogen“, betont Stadtjugendfeuerwehrwart Michael Gilles. Für Brian Green hat sich das Engagement gelohnt. Der Jugendfeuerwehrwart erhielt die Ehrennadel der deutschen Jugendfeuerwehr in Bronze und überreichte Gunnar Prüßmann die Leistungsspange der Jugendfeuerwehr.
Ebenfalls geehrt wurden die Förderer Günther Heiß, Gerd-Max Nelke, Rolf Türk und Wolf von Hammerstein für 25 Jahre. Karl-Hugo Gornick erhielt die Urkunde für 50 Jahre. Auf eine 40-jährige Mitgliedschaft im Landesfeuerwehrverband können Eckardt Büchtmann und Reinhard Hasselbach zurückblicken. Günter Hennigs und Hans-Jürgen Lahmann erhielten die Ehrung für 50 Jahre. Eine besondere Ehrung für 60 Jahre Landesfeuerwehrverband gab es für Wilhelm Lueg. Befördert wurden Kerstin Müller (Oberfeuerwehrfrau), Thomas Voß und Carsten Peters (Oberfeuerwehrmann), Lars Bode (Hauptfeuerwehrmann), Carsten Hüsing (1. Hauptfeuerwehrmann), Björn Schimkewitsch (Löschmeister) und Jörg Wöhler (Oberlöschmeister).
Ingmar Franke, stellvertretender Ortsbrandmeister Thönse, blickt insgesamt auf ein „unruhiges Jahr 2011“ zurück, „auch durch die Erkrankung des Ortsbrandmeisters Rüdiger Klose“. Denn eigentlich hätte er nur einen Job auf der Versammlung gehabt: Jörg Wöhler den Pokal für den Feuerwehrmann des Jahres zu überreichen. So betonte er zwei Dinge. Blutspenden und Nachwuchs. Insgesamt 310 Mitglieder zählte die Freiwillige Feuerwehr Thönse am 31. Dezember 2011. „Das hört sich gut an“, sagt Franke, „aber da geht noch was.“