Imkerverein Burgwedel feierte seinen 75. Geburtstag

Landwirtschaftsminister Christian Meyer, links im Bild, erhielt nach seinem bemerkenswerten Festvortrag vom Vorsitzenden des Imkervereins Horst Schäfer ein kleines Honigpräsent. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Der Imkerverein Burgwedel-Isernhagen machte mit seinem eigenen Honigstand Werbung in eigener Sache. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Landwirtschaftsminister Christian Meyer hielt die Festrede

GROSSBURGWEDEL (hhs). Der Imkerverein Burgwedel-Isernhagen feierte an diesem Sonntag seinen 75. Geburtstag. Der Vorsitzendes Horst Schäfer und sein Team hatten sich eine Menge einfallen lassen, diesen Anlass gebührend zu gestalten.
Die Stadt Burgwedel hatte die Aula und das Außengelände zur Verfügung gestellt, die Jägerschaft Burgdorf und der NABU Burgwedel-Isernhagen unterstützten mit ihren Präsentationen das Naturschutzanliegen der Imker, auf dem Außengelände, ebenso eine Gärtnerei, die sich seit Jahren in der Beratung für Bienenweidepflanzen einen Namen gemacht hat, und Ingo Lau, der zeigte, wie in alter Zeit die klassischen Bienenkörbe geflochten wurden.
Ein vielversprechendes Entree, das die Besucher schon darauf vorbereitete, was die Organisatoren anlässlich ihres Jubiläums Beeindruckendes auf die Beine gestellt hatten. In der Vorhalle zunächst eine Verkaufspräsentation mit allem Drum und Dran, was der hiesige Imker braucht: Bienenstöcke, Schutzkleidung, Werkzeug zur Honiggewinnung und vieles mehr.
Gleich dahinter die Präsentation historischer Utensilien, die den Imkern in alter Zeit bei der Honigernte geholfen hat. Michael Gorecki, ehemals Vorsitzender des Imkervereins Burgwedel Isernhagen, hat das meiste davon zusammengetragen. Und schließlich die Selbstdarstellung der hiesigen Imker: der Stand mit dem Honigsorten-Quiz, der bei den Freunden der süßen Leckerei für gewaltigen Eindruck sorgte.
Doch Präsentationen und Historisches waren nur die eine Seite dieser Veranstaltung. Die andere bestand aus Information und Schulung der Mitglieder, wie es Horst Schäfer, Vorsitzender des Imkervereins, bei der Begrüßung der gut 200 Gäste in der Aula betonte. Schulung sei immer ein ganz wichtiger Vereinszweck gewesen und deswegen könne man die Vorträge in der Aula auch als Fortbildungsmaßnahmen für die Imkerinnen und Imker auffassen. Der Verein wende sich sowohl an das Fachpublikum als auch an Interessierte. „Wir wollen mit unserem Angebot einfach nur neugierig machen“, so Schäfer. Zur Freude der Gäste spielte dann das Hornquartett der Niedersächsischen Staatsoper.
Burgwedels Bürgermeister Dr. Hendrik Hoppenstedt hob in seinem Grußwort die 75 Jahre in den Mittelpunkt: Das sei eine relativ lange Zeit für das Bestehen eines Vereins. Ihn freue es besonders, dass es seit 2004 den Vorständen gelungen sei, die Zahl der Vereinsmitglieder zu verdoppeln. Dann gab sich der Bürgermeister hintergründig. Obwohl Imkerei als Massentierhaltung gelte: In dreierlei Hinsicht gebe es Grund, neidisch auf den Verein zu sein: Honig sei ausgesprochen lecker, zum Zweiten sei er rein vegetarisch und drittens sei bei den Bienen auch das Problem von Frauen in Führungspositionen eindeutig gelöst.
Nun begrüßte Horst Schäfer den Niedersächsischen Landwirtschaftsminister Christian Meyer, der einen Festvortrag hielt über Bedeutung der Imkerei in Niedersachsen. Der Minister hatte sich intensiv auf das Thema vorbereitet und er vermochte es, auch das Fachpublikum unter den Zuhörern zu fesseln.
Nach Rindern und Schweinen sei die Imkerei drittwichtigster Bereich der Massentierhaltung. Wie viele Imker es in Deutschland gebe, sei schwierig zu sagen, sicher sei nur, dass 3% aller Imker Vollerwerbsimker seien. Das unterstreiche die hohe Bedeutung privaten Imkerei. Die Imkerei sei immer mit der Landwirtschaft verbunden gewesen. Ihr volkswirtschaftlicher Nutzen liege weniger in der Produktion des leckeren Honigs als vielmehr in der unglaublichen Bestäubungsleistung der Immen. Wenn man für den Imkerverein Burgwedel Isernhagen 700 Bienenvölker rechne, dann läge der volkswirtschaftliche Nutzen bei gut zwei Millionen Euro. In Deutschland würden jährlich 100.000 Tonnen Honig verzehrt, aber nur etwa 20.000 Tonnen davon würden von Deutschen Imkern produziert, der Rest werde importiert. Hier gebe es noch eine Menge Bedarf an einheimischer Imkerei.
Imkerei sei immer Teil der bäuerlichen Nutzung gewesen, Honig und Wachs wurden zur Generierung von Steuereinnahmen genutzt. Erst im 19. Jahrhundert sei die Imkerei zum Objekt der Wissenschaft geworden. Man habe die Zusammenhänge zur Bestäubung entdeckt und die Imkervereine zur Schulung der Imker ins Leben gerufen. Seit 1927 bestehe das Bieneninstitut in Celle. Heute wisse man, dass Bienen eine große Bedeutung haben als Weiser und Bioindikator.
Das große Bienensterben 2008 am Oberrhein habe gezeigt, dass der Schutz von bestäubenden Insekten mit zu den wichtigsten Aufgaben in der Landwirtschaft gehöre. Gefährlich seien insbesondere die Neonikotine, die als Beizmittel für Saatgut benutzt werden und in den Boden eingearbeitet werden. Die Landwirtschaft habe sich damals sicher gefühlt, weil die Saat unter die Erde kam. Dennoch sind Gifte beim Vorgang des Säens auf Nachbarflächen verweht und haben das Bienensterben eingeleitet. Ende dieses Jahres werden diese Gifte für zwei Jahre vom Markt genommen.
„Wir wollen Niedersachsen erblühen lassen“, kündigte Christian Meyer an. Es werde ein landesweites Bienenprogramm aufgelegt, bei dem Blühstreifen oder Bienenstreifen als Maßnahme zu Vogel-, Grundwasser- und Bienenschutz viel stärker als bisher gefördert werden. Die Landschaft solle weiter vernetzt werden mit biologischer Vielfalt. Er wünsche sich ein verschönertes Landschaftsbild. Die Imker würden darin eingebunden, indem sie bestimmen, wo die Blühstreifen entstehen sollen. „Keine Düngung und kein Pflanzenschutz, dann gibt es Geld“, brachte es Meyer auf den Punkt. Auch bei der Produktion von Biogas solle man umdenken: Um der allgemeinen Vermaisung vorzubeugen, regte er die Nutzung von Blumen- und Wildpflanzenmischungen an. Die böten gegenwärtig zwar noch etwas geringere Erträge als Mais, aber das könne man über leichte Veränderungen im Energie-Einspar-Gesetz regeln, beendete Christian Meyer seinen Vortrag. Und dafür gab es tosenden Beifall.
Unterdessen hatten im Foyer schon die Besucher die Stände umlagert: Man probierte den Honig, schaute beim Kinderschminken zu oder beim Kerzenziehen draußen. Michael Gorecki gab die Erklärungen in der Ausstellung historischer Imkergeräte. Es war für jeden Geschmack etwas dabei, und wer den Bienen bei der Arbeit zusehen wollte, der konnte an einer Führung teilnehmen zum nahe gelegenen Bienenstand des Imkervereins.