„Ich möchte Danke sagen“

„Mama Regina“ Gresbrand (links) überreichte als Anerkennung an ihre „Burgwedeler Jungs aus Afghanistan“ einen Kalender. Alle haben mittlerweile ihre Ausbildungen begonnen, der fehlende achte junge Mann arbeitete am Tag des Herbstfestes und konnte nicht teilnehmen. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)
 
Regina Gresbrand (l.) bedankte sich bei ihrem Ehemann Udo, der ihr seit vielen Jahren bei der ehrenamtlichen Arbeit tatkräftig zur Seite steht. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Regina Gresbrand verabschiedete sich aus der Leitung des IKM-Treffs

GROSSBURGWEDEL (bgp). „Vom ersten Moment an war hier in diesen Räumen eine wunderbare Stimmung“, resümierte Regina Gresbrand, die sich mit vielen ehrenamtlichen Helfern um den Aufbau des vor rund zwei Jahren eröffneten IKM-Treffs in der Von-Alten-Straße gekümmert hatte.
„Das lag an allen, die hier hergekommen sind“, erklärte sie im Rahmen eines bunten Herbstmarktes, der dort am vergangenen Sonnabend stattfand. Die Feier war als Dankeschön an die Helfer gedacht, deren Leistung damit öffentliche Anerkennung fand. Gleichzeitig verabschiedete sich Regina Gresbrand aus der Leitung des Interkulturellen Miteinander, das zukünftig von einem Team unter Beteiligung des Helfernetzwerkes Burgwedel, geführt werden soll.
Das Regenwetter verhinderte zwar eine geplante Kinder-Kunstaktion im Außenbereich, aber die „Allee der Anerkennung“ für die ehrenamtlichen Helfer verfehlte auch im voll besetzten IKM ihre Wirkung nicht.
„Wie ein Rad aus einer Radnabe und vielen Speichen besteht, konnten sich ganz viele Gleichgesinnte hier einbringen, die mit ihren Möglichkeiten das Ihre dazu beigetragen haben“, hob Gresbrand in ihrer Rede hervor. Finanziell sei es schnell gegangen, ein erster Aufruf in der Zeitung im Juni 2015, dass mit 10 Euro monatlich die Arbeit ein Jahr lang unterstützt werden könne, brachte viele Spender auf den Plan. Später hätten rund sechzig Leute 120 Euro im Monat eingezahlt und damit die Miete finanziert.
„Dann fanden sich ganz viele, die tatkräftig mit angefasst haben“, ließ Gresbrand die Entwicklung von der Nähstube zum Treffpunkt mit einem sehr vielfältigen Angebot Revue passieren. Handarbeiten, Kaffeestube, Deutschkurse, Ausflugsangebote und noch viele andere Dinge hätten die ehrenamtlichen Helfer, unter ihnen auch viele Migranten, auf die Beine gestellt.
Deutlich wurde auch, dass viele der geflüchteten Menschen gerade durch den IKM-Treff mittlerweile vor Ort Fuß gefasst haben. Voller Stolz rief „Mama Regina“, wie Gresbrand von vielen ihrer Schützlinge liebevoll genannt wird, ihre „Burgwedeler Jungs, die aus Afghanistan kommen“ nach vorne. Afghanistan sei ein sehr großes Land, in dem in manchen Gegenden ein Schulbesuch gar nicht oder sehr schwach ausgeprägt möglich sei, betonte sie.
Die vorgestellten acht jungen Männer hätten keinen Anspruch auf einen Integrationskurs gehabt. Sie seien jedoch in den IKM-Treff gekommen und hätten dort Deutsch gelernt. Unter ihnen sei von Analphabeten bis hin zu sechs oder sieben Jahren Schulbildung alles dabei gewesen. Mittlerweile seien ihre Deutschkenntnisse so gut, dass sie alle einen Ausbildungsplatz bekommen hätten. „Ich kann davor nur den Hut ziehen“, sagte Gresbrand anerkennend und wies darauf hin, dass viele der jungen Männer trotz schwebender Asylverfahren den Mut aufgebracht hätten, Verantwortung für sich zu übernehmen.
Ortsbürgermeister Rolf Fortmüller überreichte mit herzlichen Dankesworten ein Präsent an Regina Gresbrand. Michael Kranz vom Verein für Kunst und Migration lobte zum Abschied ihr außerordentliches Engagement für die Flüchtlingsarbeit. Sie sei dabei manchmal durchaus unbequem gewesen, hob er mit einem Schmunzeln hervor.
Eine ihrer bezeichnenden Eigenschaften sei es, dass sie Ungerechtigkeit nicht ausstehen könne. „Da kannst Du quer gehen“, bemerkte Kranz und bat sie darum, der Leitung um Stephan Nikolaus-Bredemeier bei Bedarf mit ihren Erfahrungen zur Seite zu stehen. Dieser stellt sich mit dem neuen Team am 18. November 2017 in der Zeit von 10.00 bis 18.00 Uhr zum „Tag der offenen Tür“ im Interkulturellen Miteinander vor.
Regina Gresbrand (l.) bedankte sich öffentlich bei ihrem Ehemann Udo, der ihr seit vielen Jahren bei der ehrenamtlichen Arbeit tatkräftig zur Seite steht.