„Ich gehe davon aus, dass Geburtshilfe am Standort bleibt“

Prof. Jekabs Leititis, ärztlicher Leiter des Klinikums Großburgwedel, Barbara Schulte, Geschäftsführerin des KRH, und Hauke Jagau, Regionspräsident, auf dem Podium (v.l.n.r). Sie hatten es nicht leicht an diesem Abend mit dem Burgwedeler Publikum. (Foto: Hans Hermann Schröder)

250 Besucher bei Infoveranstaltung zu „Medizinstrategie 2020“

GROSSBURGWEDEL (hhs). „Ich gehe davon aus, dass die Geburtshilfe am Standort Großburgwedel bleibt“, schmetterte Regionspräsident und Aufsichtsratsvorsitzender des KRH Hauke Jagau es den 250 Besuchern in der Sporthalle des Schulzentrums entgegen. Die Veranstaltung hatte zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht richtig begonnen. „Außerdem ist der Standort Großburgwedel unverzichtbar, wenn der Aufsichtsrat sich gegen die Zusammenführung der beiden Kliniken Lehrte und Großburgwedel entscheidet“, setzte der Regionspräsident noch „eins obendrauf“. Die Burgwedeler zollten dem nur geringen Applaus, so perplex waren sie über das soeben Gehörte.
Erst jetzt schritt man zur Rollenverteilung für diesen Abend. Auf dem Podium saßen Prof. Jekabs Leititis, der ärztliche Direktor des Klinikums Großburgwedel, Barbara Schulte, Geschäftsführerin des KRH und Hauke Jagau. Für die Koordinierung der Fragen des Publikums hatte man einen Moderator eingekauft, der sich im Verlauf des Abends als Katastrophe erwies. Der Mann sammelte zwar Fragen im Publikum, paraphrasierte diese aber solange, bis sie mit der Ausgangsfrage kaum noch etwas zu tun hatten. Außerdem versäumte er es, die zum Teil langatmigen doppelten Ausführungen von Barbara Schulte und Hauke Jagau in Grenzen zu halten. Das Publikum monierte das heftig, allerdings ohne dass es eine Verbesserung der Moderation gegeben hätte.
Zunächst referierte Barbara Schulte die Eckpunkte der „Medizinstrategie 2020“. Anschließend vertiefte Hauke Jagau seine Anfangsbemerkungen: Die Regionsfraktionen der Grünen und der SPD diskutieren gegenwärtig das Problem mit der Geburtenklinik im Klinikum Großburgwedel. Nach Jagaus Einschätzung wollen die beiden Regionsfraktionen den Standort Großburgwedel aus Gründen der Daseinsfürsorge erhalten. Es gehe in Großburgwedel und in Lehrte auch nicht zwingend um Krankenhausschließungen. Aber Schließungen müssten auch als Option diskutiert werden.
Ziel sei es, diese beiden Klinken zukunftssicher zu machen. In Springe sei das anders, weil dort niemand angesichts der geringen Kapazitäten wirtschaftlich arbeiten kann. Dort werde es in Zukunft keine stationären Behandlungen geben. Hochwertige medizinische Leistungen gebe es dort ambulant. Im Weiteren soll folgende Zielstruktur in den Häusern des KRH entstehen: Klinikum Nordstadt mit Trauma-Schwerpunkt, Siloah mit onkologischer Ausrichtung, Neustadt mit Geburtshilfe für westliche Region, Gehrden mit stationärer Medizin, Laatzen mit Schwerpunkt Endoprothetik. Für Großburgwedel und Lehrte gelte es, nun einen Prüfauftrag vom KRH-Aufsichtsrat zu erhalten über eine Zusammenlegung in einem Neubau mit bis zu 500 Betten. Werde dem zugestimmt, sei die Schließung der beiden alten Häuser zwingend. Dann müsse der Standort für den Neubau gesucht werden. Spricht sich der Aufsichtsrat dagegen aus, bleiben die alten Häuser bestehen.
Im weiteren Verlauf entwickelten die Besucher zwei wesentliche Fragenbereiche: Zunächst ging es um die Wirtschaftlichkeit des Klinikums Großburgwedel. Im gesamten Klinikum Region Hannover habe sich ein Defizit von 20 Millionen Euro „entwickelt“, Das könne die Region nicht jedes Jahr ausgleichen, so Jagau. Es müssten demnach Rahmenbedingungen geschaffen werden, die zu wirtschaftlicher Arbeit führen. In Großburgwedel herrsche nun Baustopp, weil die Erweiterung des Hauses langfristig nicht zu Wirtschaftlichkeit führen werde. „Wir müssen so aufgestellt sein, dass die Kunden zu uns kommen und wir 2017 kein Defizit mehr haben“, so Jagau.
Es folgte die Frage aus dem Publikum, wer dieses Defizit verantworten habe. Die Antwort von Jagau und Schulte überbrückte einen Zeitraum von knapp zehn Minuten, ohne dass auch nur ein Name gefallen war. Unruhe kam auf unter den Besuchern, die in dem berechtigten Zwischenruf gipfelte: „Ich muss an dieser Vorgehensweise Kritik üben, weil dass, was Sie hier vortragen, uns langweilt“.
Zweiter großer Fragenkomplex war die Zukunft von Geburtshilfe und Frauenklinik in Großburgwedel. In Bezug auf die geburtshilfliche Klinik hatte Jagau mit seiner Eingangsbemerkung schon „etwas Dampf aus dem Kessel gelassen“, wie es ein Besucher ausdrückte. Hier griff Prof. Leititis in die Diskussion ein und erklärte, die Patientenzufriedenheit im Klinikum Großburgwedel sei höher als in den anderen Häusern.
Allerdings sei es auch so, dass nur etwa die Hälfte der schwangeren Frauen aus dem Einzugsbereich in der hiesigen Geburtshilfe entbinden. Frau Dr. Klatt, die Leiterin der Geburtshilfe, gab zu bedenken, es könne nicht nur um die Kinder gehen, es gehe auch um die Frauen. Deswegen müsse man auch die Frauenklinik hier erhalten. Das wurde auch vom ehemaligen Chefarzt der Klinik, Prof. Riedel, unterstützt. Die Geburtsklinik allein reicht nicht, die Frauenklinik muss sein“, sagte er und führte dazu eindringliche Beispiele an.
Den Besuchern reichte es jetzt. Als Hauke Jagau in Zusammenhang mit der Geburtshilfe von „Produktionsbedingungen“ sprach, platzte jemandem der Kragen: „Erst das Theater mit aha und jetzt der Umbau der Krankenhausstruktur. Wir Bürger haben das Vertrauen in die Region verloren. Sie haben zwar ein Strategiepapier, aber Sie haben keinen Plan!“
Am Schluss stand nur noch eine Frage im Raum: „Warum wollen Sie die Krankenhäuser Burgwedel und Lehrte schließen, die als Einzige kein Defizit verursachen? Warum werden die bestraft, die gut wirtschaften?“ Die Frage blieb unbeantwortet.
In der kommenden Woche findet am Dienstag, den 25. November in Lehrte im Kurt-Hirschfeld-Forum, Burgdorfer Straße 16, eine weitere Informationsveranstaltung statt. Davor wird der DGB gegen Krankenhausschließungen in Lehrte demonstrieren. Am Freitag, den 28. November, soll der Aufsichtsrat des KRH über die Medizinstrategie 2020 entscheiden, ehe das Thema am 16. Dezember abschließend in der Regionsversammlung diskutiert wird.