Hundegeläut, Hörnerklang und reiterliches Können

Letztes Hindernis vor der Pause: Hier wurde jeder gelungene Sprung von den Zuschauern gebührend mit Applaus honoriert. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Die Hundemeute kommt mit fröhlichem Geläut auf der künstlichen Duftspur. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Beeindruckende Impressionen in herbstlicher Landschaft

THÖNSE (hhs). Es war die 13. Reitjagd hinter der Hundemeute, die der Hof Feldmann und die Reitgemeinschaft Roggenhof in diesem Jahr rund um die Ortschaft Thönse veranstaltet haben. Die Organisation läuft nach all den Jahren wie am Schnürchen, was keinesfalls heißen soll, dass alles nun weniger Arbeit bereitet.
Der Aufwand ist ungeheuer hoch, das Risiko für Pferd und Reiter auch, das Einzige, was sich vielleicht etwas verändert hat, ist eine gewisse Gelassenheit bei den Veranstaltern, die schon fast professionell die Jagd durchorganisieren.
Mit den Reitjagden ist das so eine Sache: Viele Reiter halten sich fern, weil das Risiko des Geländeritts in unbekannter Umgebung zu hoch ist. Pferde mit Erfolgen auf Turnieren sieht man kaum, allenfalls aus dem Vielseitigkeitsreiten. Pferde, die an diesen Reit- oder Schleppjagden teilnehmen und auch ihre Reiter müssen gut trainiert sein. So ein Ritt im Gelände stellt hohe Anforderungen an die Kondition und an das Zusammenspiel von Mensch und Tier.
Gestartet wird in verschiedenen „Feldern“, Gruppen von Pferden und Reitern unterschiedlichen Könnens, und dann geht es los hinter der Hundemeute her, ein unglaubliches Schauspiel und akustisches Erlebnis, wenn Hörnerklang, Wiehern der Pferde und das Geläut der Hunde sich miteinander vermischen und Kilometer weit in die Landschaft hallen.
Die Veranstalter vom Hof Feldmann und der Reitgemeinschaft Roggenhof hatten in diesem Jahr sogar zwei Hundemeuten zur Jagd geladen. Zum einen die bekannte Niedersachsenmeute unter Master Camill Freiherr von Dungern. Diese Meute bestehend aus Foxhounds ist seit Jahren Stammgast in Thönse.
Erstmals zu Gast war die Böhmer Meute mit den „Harriern“, den Hasenhunden von der britischen Insel. Da gibt es immer einen Moment, der für alle etwas kniffelig werden kann: die Zusammenführung der beiden Meuten: Stimmt hier die Chemie zwischen den Tieren nicht und achten die Master nicht auf Disziplin, dann kann es schnell zu einer Massenbeißerei kommen, und die Reitjagd ist vorüber, ehe sie richtig begonnen hat. In Thönse ging alles gut, Friede herrschte zwischen den Tieren und das Spektakel konnte beginnen.
Für die Besucher standen mehr als zehn Schleppergespanne zur Verfügung, die meisten mit zwei Anhängern, von denen aus die Jagd prima zu beobachten war. Beinahe klammheimlich machte sich ein Reiter davon, der zwei seltsame aussehende Gerätschaften links und rechts am Pferd hatte: Das war der Schleppenleger, der Reiter, der die Duftspur für die Hunde legte.
Und als dieser einige Zeit verschwunden war, ging alles sehr schnell: 84 Reiter saßen in den Sätteln, die Hundemeuten wurden aufgeregt, sie wussten genau, dass nun ein paar Stunden mit ganz hohem Spaßfaktor auf sie zu kamen. Dann ein unüberhörbares Kommando von Camill von Dungern. Die Hundemeute setzte sich vorn in Bewegung, die Reiterinnen und Reiter schlossen auf Richtung freie Landschaft. Dann gab von Dungern den Meuten freien Lauf, mit harmonischem Geläut nahmen die Tiere die Verfolgung des Schleppenlegers auf. Ein paar Augenblicke warteten die drei Felder noch, und dann ging es mit Sicherheitsabstand zur Meute „in wilder Jagd“ hinterher, über Stock und Stein, Hecken und Gräben ...
Auf halber Strecke rund um Thönse wurde die Jagd wie immer unterbrochen, Pause für Menschen und Tiere. Es war ein malerischer Ort, die Weiden unter den hohen Eichen nahe Großburgwedel. Drei Sprünge waren hier einzusehen, es gab Wasser für Pferde und Hunde und die ortsüblichen Getränke für die Reiterinnen und Reiter. Genau wurde darauf geachtet, dass die richtige Reihenfolge eingehalten wurde: erst die Tiere, dann die Menschen. Die Parforcehornbläser versetzten Teilnehmer und Zuschauer in die Zeit der höfischen Jagden zurück mit ihren Fanfaren und Signalen. Eine gute halbe Stunde lang war Zeit zum Verschnaufen, dann ging es in die zweite Hälfte der Jagd, wieder zurück nach Thönse, in einem lang gezogenen Bogen südlich um die „Thönser Seenplatte“ herum.
Am Ende traf die wilde Jagd wieder auf dem Hof Feldmann ein. Nur ein leichter Unfall ist zu vermelden. Eine Reiterin nahm einen leichten Bogen zu schnell im Galopp. Mensch und Tier rutschten aus und stürzten. Leichte Blessuren, sagte der anwesende Arzt, nichts Schlimmes demnach. Dann wurde die Reitjagd beendet mit dem Großen Halali. Als dessen letzte Töne verhallten, kamen die Hunde zu ihrem Recht. Pansen gab es für alle beim sogenannten Cureè. Danach waren Reiter und Gäste zum gemeinsamen Essen geladen, und hier konnte man die gesamte Jagd noch einmal erleben, in den Erzählungen der Reiterinnen und Reiter …