Hospizarbeit – berührend menschlich

Zum Jubiläum gab es Blumen für die Ehrenamtlichen des Hospizdienstes Burgwedel-Isernhagen-Wedemark. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)
 
Hannelore Keilholz (l.) und Bärbel Wille gaben Einblick in die einfühlsame Sterbebegleitung. Der Hospizdienst bildet die Ehrenamtlichen in speziellen Kursen für diese Tätigkeit aus. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Sterbebegleiter kümmern sich einfühlsam um Menschen im letzten Lebensabschnitt

GROSSBURGWEDEL (bgp). Der Ambulante Hospizdienst für Burgwedel, Isernhagen und die Wedemark beging am vergangenen Freitag sein zehnjähriges Jubiläum mit einer Feier im Amtshof. Musikalisch taktvoll begleitet wurde die Feierstunde von Solisten des Johann-Strauß-Orchesters, das dem Hospizdienst ihren Auftritt zum Jubiläum geschenkt hatten.
Die Koordinatorin des Hospizdienstes, Ute Rodehorst, verglich dessen Entwicklung mit dem Verlauf des menschlichen Lebens: „Am Anfang waren wir in der Pubertät, jetzt sind wir erwachsen geworden.“ Der einstmals aus sieben Personen entstandene Hospizdienst habe mittlerweile neunundvierzig Haupt- und Ehrenamtliche. Rodehorst schlug den Bogen zum würdigen Ende eines Lebens, dessen intensive Begleitung das Herzstück der Arbeit des Hospizdienstes ist. Seit nunmehr zehn Jahren kümmern sich ausgebildete Begleiter einfühlsam um Sterbende und deren Angehörige. „Wir kommen als Fremde und gehen als Freunde“, beschrieb sie die intensive Beziehung der Begleiter zu den betreuten Menschen.
Superintendent Holger Grünjes würdigte das außerordentliche menschliche Engagement der Helfenden und verwies auf die christliche Nächstenliebe, die den betroffenen Menschen dadurch zuteil werde: „Gott hat keine Hände, nur die des Menschen. Die Ehrenamtlichen des Hospizdienstes bringen den Trost in dieses Haus." Der Hospizdienst sei aus dem Kirchenkreis nicht mehr wegzudenken. Dabei bezog sich Grünjes nicht nur auf die Arbeit der Sterbebegleiter an sich, sondern hob auch deren Außenwirkung positiv hervor: „Die Diskussion um Menschen in der Sterbesituation wird durch den Hospizdienst in die Gesellschaft hineingetragen.“

Zehn Jahre menschliche Wärme

Die Bundestagsabgeordnete und parlamentarische Staatssekretärin Caren Marks lobte: „Zehn Jahre Hospizdienst sind zehn Jahre menschliche Wärme für den letzten Lebensabschnitt.“ An der Entwicklung des Hospizdienstes könne man sehen, wie „aus einer Idee eine Aufgabe entsteht“. Die Mitarbeitenden setzten ihre Kraft für Schwächere ein und seien „ein Fels in der Brandung“. Marks erwähnte die Verabschiedung des Hospizgesetzes im Bundestag vor zwei Jahren, mittels dessen ein flächendeckender Ausbau der Hospizbewegung vorangebracht und „Sterben als Teil des Lebens" anerkannt werde.

„Wir schenken Zeit“

Bärbel Wille und Hannelore Keilholz sind ehrenamtliche Mitarbeiterinnen des Hospizdienstes für Burgwedel, Isernhagen und die Wedemark. Sie befinden sich in einem Netzwerk aus Pflegediensten, Ärzten und Palliativdiensten, mit denen ihre Institution intensiv zusammenarbeitet, dieses seien weitere Möglichkeiten aus dem Fundus: „Wir sind keine Profis, wir leisten ideelle Hilfe und schenken der Familie Zeit.“ Oft werde sich aus dem Umfeld nur nach dem Wohl des Kranken erkundigt und selten die Angehörigen gefragt: „Wie geht es Dir?“ Auch diese müssten mit der Situation zurechtkommen und bräuchten mal eine Pause, berichteten Wille und Keilholz aus ihren Erfahrungen. Während sich die Ehrenamtlichen um den Kranken kümmern, haben die Angehörigen Zeit für sich. Das könne ein Frisör- oder Kinobesuch sein, ein Buch zu lesen oder einfach nur einmal zu schlafen, sei für viele schon eine Erholung. Die Zeit einer Begleitung sei jedoch begrenzt, irgendwann müsse man Abschied nehmen, sagte Wille. Die sterbenden Menschen blieben möglichst in ihrer vertrauten Umgebung und weder sie noch ihre Angehörigen würden in der schweren Zeit allein gelassen werden: „Wir bleiben bis zum Ende“, bekräftigten die beiden Sterbebegleiterinnen.
Nach einer Begleitung sei es notwendig, eine Pause zu machen, da wieder neue Kraft gesammelt werden müsse. Dafür können die Ehrenamtlichen auf eine mittlerweile gut aufgestellte Infrastruktur zurückgreifen, die ihnen mit Supervisionen und regem Austausch hilft, sich zu sammeln und sich nach der Pause auf die nächste Begleitung einzustellen. „Man kann auch mal Nein sagen“, merkte Wille an. Es sei sehr wichtig, achtsam zu sein und auch auf sich selbst zu schauen: „Halten wir es aus, wie weit können wir gehen?“ Die Person, die zu betreuen ist, müsse auch zu den Begleitern passen. Das sei bisher immer gut gelungen, da die Koordinatorinnen ein „gutes Händchen“ dafür hätten, lobten Keilholz und Wille. Beide hoben die wichtige Komponente „Humor“ für die Arbeit mit Sterbenden hervor, denn es gehe in den Gesprächen durchaus auch fröhlich zu. Dem schloss sich das Musikensemble um István Szentpáli von ganzem Herzen an und spielte zum Abschluss die „Humoresque“ No. 7 von Antonin Dvořák.