Historische Kutsche machte am „Alten Posthof“ Station

Mit Verspätung traf der „hannoversche Kurfürst“ huldvoll winkend in der historischen Postkutsche in Engensen ein. (Foto: Renate Tiffe)

Zahlreiche Schaulustige begrüßten den „Kurfürsten Georg Ludwig“

ENGENSEN (ti). In Hannover wird in diesem Jahr das 300-jährige Jubiläum der Personalunion mit England, in der der hannoversche Kurfürst Georg Ludwig als Georg I in London zum König gekrönt wurde, groß gefeiert. So hat sich u.a. gestern für gut 14 Tage noch einmal ein Königsdarsteller in einer Kutsche auf den historischen Weg nach London begeben. Ein wenig Glanz strahlte im vor hinein auch auf Burgwedel ab. Die Kutsche mit Wilhelm Lilje, alias Kurfürst Georg Ludwig, machte am „Alten Posthof“ in Engensen Station.
Ganz zufällig dürfte die Wahl nicht auf den Burgwedeler Ortsteil gefallen sein. Dort, sozusagen auf halbem Weg hatten sich im ausgehenden 17. Jahrhundert die Welfenherrscher aus Celle und Hannover im Posthof zu ihren häufigen Hauskonferenzen getroffen, und letztendlich einige der Voraussetzungen für die Personalunion geschaffen. Die historische Postkutsche heutzutage, gezogen von einem Vierspänner, mit der der lange Weg bis Den Haag zurückgelegt werden soll, war aus Eschede gekommen. Zeit also für einen Halt für die Pferde.
Die hatten allerdings unterwegs schon gezeigt, dass beim Reisen wie anno dazumal es mit den Ankunftszeiten nicht so genau genommen werden darf. „Die Pferde wollen nicht immer so“, verkündete Post-Wirt Friedhelm Stein um Viertel nach drei und bat um zwei Stunden Geduld. Von den Engensern, die in Scharen herbeigeströmt waren – etwa 200 schätzte Stein – zog es die Hälfte vor, wiederzukommen, während die anderen es sich unterdessen bei schönem Wetter im Biergarten gut gehen ließen. Gesprächsstoff gab es schon einmal mit dem „Hauptmann der Kurfürstlichen Kavallerie“ als der sich Erhard Schreiber vorstellte. Er ist Mitglied der Hannoversch-Britischen Gesellschaft, die die sog. Krönungsreise mit initiiert hat, und wusste viel von deren Organisation zu erzählen. Nicht langweilig war es auch für die drei Damen mit dem auffallenden Kopfschmuck, die eigens aus Springe angereist waren. Eine von ihnen war Kostümbildnerin an der Staatsoper und hatte für die barocke Ausstattung des Kurfürsten gesorgt. Die Damen waren nicht gut zu sprechen auf Georg Ludwig. War er es doch, der seine Frau nach der Scheidung wegen der Königsmarck-Affäre 30 Jahre lang als „Prinzessin von Ahlden“ hatte schmachten lassen.Wo er selbst doch seine Mätressen hatte!
Und dann war es tatsächlich soweit. Huldvoll in die Menge am Straßenrand winkend näherte sich der Fürst mit seinem Tross dem Engenser Posthof. Kameras wurden gezückt.“Wir begrüßen den Kurfürsten und künftigen König von England“, ließ Stein verlauten. Die Kinder drängten sich heran, eine Dame mit großem Strohhut deutete einen Hofknicks an. Viele wollten sich mit „Ihrer Hoheit“ fotografieren lassen. „Es ist schon etwas Besonderes“, sinnierte einer aus „dem Volk“. Engensen hatte sein Top-Ereignis.
Ursula Stein dagegen hatte Mühe, den Vielbegehrten ins Stübchen am Biergarten zu lotsen, für eine Unterschrift ins Gästebuch und für eine kurze Tasse Kaffee mit Kuchen zur Stärkung. Zwischen Tür und Angel lobte der englische Journalist David Long aus dem Gefolge die Aktion der Hannoversch-Britischen Gesellschaft. Die Engländer wüssten nicht viel über Deutschland, meinte er, und was sie zu wissen glauben sei meistens schräg.
Die Zeit drängte. Der Zug durch die Heinrich-Wöhler-Straße in Großburgwedel stand noch an und dann das Nachtlager in Isernhagen, wo Hubertus Wolters für das „Pferdehotel“ zuständig war. Schließlich mussten alle gut ausgeruht sein für den prunkvollen Reisestart am 1. Mai in Hannover.
Die Pferde scharrten schon mit den Hufen, ein kurzer Händedruck von Stein zum Abschied, der Kurfürst blickte von seinem hohen Sitz hinter dem Kutschbock auf „das Volk“ hinab, winkte und entschwand mit seinem Tross. Der Kutsche des Holländers Ton Kruithof, der für die Organisation in seinem Land zuständig ist, hatte sich Helmut Döpke aus Neuwarmbüchen angeschlossen. Uwe Dankert aus Großburgwedel in seinem Landauer, gezogen von vier Altoldenburger Rappen, transportierte die Damen der Isernhagener Gesellschaft. Den Schluss bildete der Engenser Reiterverein mit dem Sulky, von einem Mini-Shetty gezogen.