Heißer Boogie Woogie brachte das Blut in Wallung

Nicht nur der Pianist Jörg Hegemann kam ins Schwitzen beim rhythmischen Boogie Woogie. (Foto: Anna Kentrath)

„Jörg Hegemann Boogie Trio“ fesselte mit schnellen Rhythmen

GROSSBURGWEDEL (ak). Warm war es an diesem Sommerabend, aber heiß sollte es werden im Amtshof in Großburgwedel, denn das „Jörg Hegemann Boogie Trio“ brachte mit schnellen Rhythmen das Blut in Wallung. In der Reihe „Kultursommer 2012“ der Region Hannover wartete auf die Besucher dieses Abends ein besonderer musikalischer Leckerbissen, Boogie Woogie, der keinen Zuhörer kalt lassen konnte und Begeisterung in die Gesichter der Zuschauer zauberte.
Die Grundzutaten dieses gelungenen Konzertes waren einfach: Ein Klavier, ein Kontrabass, ein Schlagzeug. Dazu die drei Musiker Jörg Hegemann (Piano), Reinhard „Django“ Kroll (Bass) und Jan Freund (Drums). Eine klare Sache, keine Schnörkel, kein Firlefanz, denn das war einfach nicht nötig, sobald Jörg Hegemann in die Tasten griff, war es um das Publikum geschehen.
Rhythmisch versiert schlug die linke Hand den Takt an, während die rechte sich selbstständig zu machen schien, mit akrobatisch anmutender Raffinesse über die Tasten wirbelte, trillerte, schnelle Tonfolgen erklingen ließ, mal laut und wild, mal leise und fordernd. Obwohl sich Hegemann offensichtlich nicht vom seinem Klavierschemel erhob, schien er ständig mit seinem ganzen Körper in Bewegung zu sein, die Beine stampften den Rhythmus, der Oberkörper bog und neigte sich immer den wilden Läufen auf dem Klavier folgend, schier willenlos der Musik ergeben.
Faszinierend dieser Boogie Woogie, eine wilde Mischung aus Blues, Ragtime, Jazz und Swing, die über den Zeitraum von fast 100 Jahren nichts an Aktualität eingebüßt hat, generationsübergreifend begeistern kann. Im Publikum sah man schnell die Wirkung, erst nur ein zartes Mitklopfen der Hand auf dem Knie, dann ein rhythmisches Zucken der Füße und nicken des Kopfes. Bereits nach dem ersten Stück brandete lautstarker Applaus durch den Saal. Zwischen den einzelnen Songs führte der Pianist Jörg Hegemann in die Welt der Boogie Woogie auch erzählerisch ein, berichtete von den Anfängen in New Orleans und Chicago, verwies auf die frivole Geschichte, wie etwa die Bordell-Pianisten und kam schließlich zu den 1930er Jahren in Chicago, die es ihm persönlich besonders angetan hätten. Schlager und Gassenhauer wurden hier mit den richtigen Rhythmen ausgestattet zum schmissigen Boogie Woogie, auch heute noch gut zu hören, wie „You are my sunshine“ und “When You and I Were Young, Maggie”.
In nichts nach stand aber auch die Eigenkomposition von Jörg Hegemann „Wall Street Diver“, eine musikalische Reise durch die Höhen und Tiefen des Aktienmarktes, an dem sich der Pianist kurzfristig und erfolglos versuchte, eh er gänzlich den Weg des Berufsmusikers einschlug, wie er scherzhaft zum Besten gab. Mit einem humorvollen Augenzwinkern ging es nach einer Stunde in die Pause, danach sollten dann die „schnellen Stücke“ folgen, des Sakkos hatte sich Hegemann aber schon nach Stück Nummer 3 entledigen müssen.
Eine ältere Dame nutze die Pause und gab dem Pianisten kurzentschlossen die Hand, nicht etwa, um sich vorzeitig zu bedanken, sondern um einmal zu fühlen, was Besonderes an diesen Händen sei, dass sie dem Klavier solch eine unglaubliche Virtuosität zu entlocken vermochten. „Den Boogie Woogie eben…“ wollte man schlicht und einfach darauf antworten, der immer noch die heißeste Musik ist, die man auf dem Klavier spielen kann.