Hegering Burgwedel mit neuem Vorstand

Schulterschluss auf allen drei Verbandsebenen - Landesjägerschaft, Jägerschaft und Hegering. V.l.n.r.: Hans Otto Thiele, Vorsitzender der JS Burgdorf, mit dem scheidenden Hegeringleiter Walter Heuer, dem neuen Hegeringleiter Marcus Polaschegg und Stephan Johanshon, Geschäftsführer der LJN . (Foto: Hegering Burgwedel)
BURGWEDEL/FUHRBERG (r/bs). Anhaltend hohe Wildschweinbestände, die aus Osteuropa drohende Afrikanische Schweinepest (ASP), explosionsartige Zunahmen von Marderhund, Waschbär und Nutria, die Entwicklung der Wolfspopulation und nicht zuletzt der Rückgang der Artenvielfalt in der Agrarlandschaft - neben den Neuwahlen gab es auf der Jahreshauptversammlung des Hegerings Burgwedel in Fuhrberg reichlich aktuelle Themen, die die jagdliche Praxis der Jägerinnen und Jäger bereits jetzt bestimmen und in Zukunft noch stärker bestimmen werden.
Hegeringleiter Walter Heuer begrüßte die im Heidehotel Klütz in Fuhrberg zahlreich erschienenen Mitglieder. Der 75-Jährige Landwirt blickte auf die Veränderungen von Jagd und Landschaft in den vergangenen 50 Jahren seines Jägerdaseins zurück. Das Erlegen eines Wildschweins sei in den 70er Jahren noch etwas sehr Besonderes gewesen. Damals seien pro Revier im Jahr, wenn es hochkam, 1 bis 2 Wildschweine erlegt worden. Heute bestimme diese Wildart fast ausschließlich das jagdliche Geschehen in den Revieren des Hegeringes. Einzelne Reviere würden heute bereits alleine 30 – 40 Sauen jährlich erlegen – Tendenz steigend. Eckhard Baers, Kreisjägermeister der Jägerschaft Burgdorf, bestätigte in seinem Streckenbericht diesen Trend anhand der Gesamtstrecke von 2000 Wildschweinen, und das nur auf dem Gebiet der Jägerschaft Burgdorf.
„Bei den Schäden, die wir verhindern müssen, bleibt den Revierpächtern kaum noch Zeit, sich so wie in den früheren Tagen um das Wohlergehen von Hase, Rebhuhn und Fasan zu kümmern, bedauerte Walter Heuer, der nach 36 Jahren sein Amt als Hegeringleiter zur Verfügung stellt.
Die Zeiten, in denen man sonnabends mit wenigen „Flinten“ und zwei brauchbaren Hunden auf Hühnerjagd gegangen sei, sei seit den starken Wintern in den Jahren 1978/79 und den Veränderungen in der Landschaft unwiderruflich vorbei gewesen, erinnert sich Walter Heuer, der mit 25 die Jagdscheinausbildung absolvierte.
Neben den Wildschweinen beschäftigten heute die sogenannten „invasive Arten“, also nicht heimischen Tierarten, die nach Niedersachsen einwandern und sich stark verbreiten, zunehmend die Reviere des Hegeringes. Eine Aufgabe, die in immer gößerem Umfang die Zeit der Jägerinnen und Jäger beansprucht.
Gastredner Stephan Johanshon, Geschäftsführer der Landesjägerschaft Niedersachsen, untermauerte diese Einschätzung der Entwicklungen anhand der aktuellen Erfassung von Nutria (nordam. Sumpfbiber), Waschbär und Marderhund. Doch die tatsächlich größte Gefahr für die heimischen Wildtierbestände stelle gerade der Mensch selber dar, so waren sich alle im Saal einig.
Mit der drohenden Einschleppung des Erregers der Afrikanischen Schweinepest (ASP) aus Polen werden sich die massivsten Veränderungen für die Reviere und vor allem das Agrarland Niedersachsen ergeben. Dabei würden die Schäden in der Nutztierhaltung noch nie da gewesene Dimensionen erreichen. Dagegen ist der fast mit Auftreten der Erkrankung unausweichliche „Totalausfall“ der Wildschweine als wichtige nutzbare Wildtierart nur ein sehr kleines Übel, dass viele Reviere jedoch dauerhaft entwerten wird. Erste Maßnahmenpläne für den „Ernstfall“ existierten zwar bereits, so Johanshon, aber weder viele rechtliche Aspekte und die Logistik der Probennahme im Verdachtsfall, noch die Frage der Entschädigungen für Revierinhaber oder die Finanzierung der Entsorgung einer riesigen in Niedersachsen zu erwartenden Anzahl verendeter Wildschweine, seien bislang abschließend geklärt.
Obwohl die Neuwahl des Hegeringleiters und seiner Vertretung eigentlich den formal wichtigsten Tagesordnungspunkt der Sitzung darstellte, benötigten die Mitglieder hierfür aufgrund großer Einigkeit nur wenige Minuten. Marcus Polaschegg, bereits Obmann für Naturschutz im Hegering und Leiter der Jungjägerausbildung für die Jägerschaft, tritt die Nachfolge von Walter Heuer an. Mit ihm zusammen wird Frank Segers (Wettmar), der damit Michael Kentrath (Fuhrberg) als stellvertretenden Hegeringleiter beerbt, das neue Vorstandsteam bilden. Als Schriftführer konnte Jungjäger Georg Rothe aus Burgwedel, der seinen Jagdschein nach bestandener Prüfung in diesem Frühjahr erstmals lösen durfte, gewonnen werden.
Vorsitzende der Jägerschaft Burgdorf Hans Otto Thiele, der spontan die Wahlleitung übernahm, bedankte sich bei Walter Heuer für die vielen Jahre, in denen er die Geschicke des Hegeringes verantwortungsvoll gelenkt hat. Marcus Polaschegg wünschte er eine gute Hand bei der Fortführung des Amtes und für die Bewältigung der großen bevorstehenden Aufgaben für Jagd und Jäger in den Revieren des Hegerings Burgwedel.