Hausrotschwänzchen brüten in einem Gartenschuh

Überraschung im eigenen Garten: Ein Hausrotschwänzchen-Paar hat sein Nest in einem Schuh gebaut und dort die Eier hinein gelegt. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Nun sind sechs Jungvögel im Nest im Schuh. Bei dem Vogel im Vordergrund sieht man deutlich, dass sich schon die Schwungfederkiele entwickeln. (Foto: Hans Hermann Schröder)

In der kommenden Woche werden die Jungvögel ausfliegen

FUHRBERG (hhs). Einen außergewöhnlichen Fall von „Schuhbesetzung“ erlebt derzeit eine Fuhrbergerin. Auf ihrer Terrasse steht ein kleiner Abstelltisch mit einer wasserfesten Tischdecke darüber, die weit herunterhängt, sodass das Paar Gartenschuhe, in das sie immer schnell hineinschlüpft, wenn sie draußen arbeiten will, nicht zu sehen ist.
Ende Mai war die Bewohnerin des Hauses ein paar Tage nicht zu Hause, und dann, als sie wieder in ihrem Garten arbeiten wollte und nach den alten Schuhen schaute, traute sie ihren Augen nicht: In einem der Schuhe hatten Hausrotschwänzchen ihr Nest gebaut und schon sieben hellblaue Eier hinein gelegt.
„Das ist der unglücklichste Platz, den sich die Rotschwänzchen aussuchen konnten“, sagte sie im Gespräch mit den Burgwedeler Nachrichten. „Im vergangenen Jahr haben sie hier in dem Vogelhäuschen gebrütet, auch nur drei Meter weit weg. Das ging gut, sie haben ihre Brut erfolgreich beendet“, sagte sie. „Aber jetzt in dem Schuh und nur knapp über dem Boden, da wird das wohl nicht gelingen“, befürchtete sie. „Hier ist soviel Wald, und es gibt eine Menge Marder, die hier nachts umherschleichen“. Dann nahm sie den Schuh kurz unter der Tischdecke und zeigte das Nest mit den sieben Eiern. Einige Fotos entstanden und dann stellte sie beides wieder zurück.
Sie beschloss, in den kommenden Tagen die Terrasse nicht all zu häufig zu nutzen.
Zwölf bis 17 Tage, im Durchschnitt 14 Tage brüten die Hausrotschwänzchen und dann füttern die Elterntiere ihren Nachwuchs in aller Regel noch einmal ebenso lange. Ende vergangener Woche rief die Naturfreundin bei den Burgwedeler Nachrichten an: „Sie sind geschlüpft“, freute sie sich. „Sechs Jungvögel sind im Nest und die Eltern füttern sie ganz fleißig“.
Wenn sie ihren Garten pflege, dann störe das die Altvögel offenbar überhaupt nicht. „Wenn ich mich auf die Terrasse setze, dann fliegen sie ohne jede Aufregung an mir vorbei und füttern die Kleinen“, freute sie sich. Sie selbst schaue nur morgens, ob die Jungen noch alle da sind. „Sechs sind es nun“, weiß sie zu berichten und vermutet, dass ein Ei offenbar den Elstern zum Opfer gefallen ist, die sich überall in den Gärten zu einer Plage für die Kleinvögel entwickeln.
Am Donnerstag dieser Woche war wieder ein Fototermin vereinbart. Der Ablauf war genauso wie beim ersten Mal. Prächtigen Nachwuchs haben die Hausrotschwänzchen produziert unter der überhängenden Tischdecke in dem Gartenschuh. Eng aneinander gedrückt sitzen sie in ihrem Nest, die Helligkeit oberhalb der Tischdecke blendet sie etwas. Einige Fotos entstehen, und dann verschwindet das kleine Wunder im Schuh wieder unter der Decke.
Hausrotschwänzchen geht der Ruf voran, dass sie sich die ungewöhnlichsten Nistplätze aussuchen und sich dann beim Brüten kaum durch Störungen aus der Ruhe bringen lassen. Sie gehören zu den Fliegenschnäppern und sollen früher ausschließlich in den Gebirgen vorgekommen sein. Dort waren sie Nischenbrüter. Seit knapp 300 Jahren haben sie ihr Verbreitungsgebiet auch auf menschliche Siedlungen ausgeweitet. Sie ernähren sich ausschließlich von Insekten, die sie meistens von einer bodennahen Warte aus erbeuten. Es wurde allerdings auch beobachtet, dass sie die kleinen Plagegeister auch im Flug erbeuten.
Die Jungen verlassen ihr Nest nach etwa zwei Wochen Fütterung, das bedeutet für den Rotschwänzchen-Nachwuchs aus dem Schuh, dass sie ihre erste Flugstunde so um die Wochenmitte machen werden. Beide Elterntiere werden ihren Nachwuchs dann noch etwa zehn Tage lang mit Futter versorgen. Hausrotschwänzchen verbringen den Winter im mediterranen Bereich. Sie sind die letzten Vögel, die uns im Herbst verlassen und die ersten, die im Frühjahr wieder zurückkommen.