Hauke Jagau: Selbst noch nicht positioniert in der Klinikfrage

Hauke Jagau (v.l.), Barbara Schulte und Dr. Matthias Bracht antworteten auf die Fragen aus dem Publikum. (Foto: Renate Tiffe)
Burgwedel: KRH Klinikum Großburgwedel |

Ein Beitrag von Renate Tiffe: Infoveranstaltung in Burgwedel in sachlicher Atmosphäre

GROSSBURGWEDEL (ti). Die Zukunft des Krankenhauses in Großburgwedel beschäftigt die Bürger in hohem Maße und nicht nur dort. Die Aula des Gymnasiums war fast gefüllt mit einem erwartungsvollen Publikum aus allen Bereichen der Gesundheitsversorgung, von Politik und interessierten Bürgern, als die Region Hannover nun schon zum wiederholten Mal zu einem Informationsforum einlud. Soll ein Neubau her oder bleiben die Kliniken in Burgwedel und Lehrte für den Nordosten der Region erhalten, war die Frage, die alle bewegte. Die Veranstaltung brachte wenig Neues dazu.
Gleich zu Anfang ergriff Regionspräsident Hauke Jagau, der auch Vorsitzender des Aufsichtsrates des Klinikums Region Hannover (KRH) ist, die Gelegenheit zu einer Klarstellung wegen eines Berichts in dieser Zeitung. Er selbst habe sich in der Klinikfrage noch nicht positioniert, betonte er und bekräftigte, dass ihn bisher noch keine Variante überzeugt habe. Es seien noch zu viele Fragen offen.
Mit einem Plädoyer für einen Neubau mit noch unbekanntem Standort hätte sich Jagau glatt in den Gegensatz zu seiner Partei, der SPD, gebracht. Diese hatte am gleichen Tag als die Aufsichtsratssitzung stattfand, beschlossen, sich für den Erhalt beider Standorte in Großburgwedel und Lehrte einzusetzen. Bekannt ist, dass die CDU schon seit Beginn der Diskussion um die Zukunft der Kliniken diesen Standpunkt vertreten hatte.
Was folgte, brachte für die Zuhörenden nicht mehr viel Neues, weil die Version mit den vier Varianten schon seit Tagen auch in den Printmedien abgehandelt worden war. Auch dass der vom KRH eingesetzte Prüfungsausschuss die Variante 1 mit dem Neubau sozusagen auf der Grünen Wiese empfohlen und die Geschäftsführung sich dem angeschlossen hatte, wussten alle, die sich mit dem Thema beschäftigen.
Dr. Matthias Bracht, in der Geschäftsführung für den Medizinbereich zuständig, erklärte nun im einzelnen die Methodik, wie der Prüfungsausschuss zu seinen Ergebnissen gekommen war. Damit sollte klar gemacht werden, dass die Entscheidungen nicht „im stillen Kämmerlein“ getroffen werden. Am Ende stand die Grafik, die einen Vorteil für den Neubau, die Variante 1, brachte. Aber er war nicht auffallend groß gegenüber der Variante 4. Für die Festlegung der Expertengruppe habe nicht die Schließung zweier Krankenhäuser im Vordergrund gestanden sondern die bessere Qualität der Gesundheitsversorgung und die Attraktivität der Arbeitsplätze, stellte er heraus.
In der anschließenden Diskussion bekannte Burgwedels Bürgermeister Axel Düker, dass er mit der Bewertung „ganz zufrieden“ sei. Er hatte sich schon am Wochenende erfreut gezeigt über den Beschluss seiner Partei in Hannover. Irritierend für die Versammlung war, dass keinerlei Angaben zur Finanzierung gemacht wurden. Barbara Schulte, die Finanzchefin in der Geschäftsleitung, warb um Verständnis dafür. Jagau teilte mit, dass für beide Varianten Chancen für eine Förderung, wenigstens von 50 Prozent, durch das Land bestehen. Es komme im Augenblick auch noch gar nicht auf die Höhe an. Das Siloah habe 200 Millionen Euro gekostet, verfüge aber über 100 Betten mehr.
Dagegen wandte sich der Regionsabgeordnete Rainer Fredermann. Er vertrat die Meinung, dass die Kosten sehr wohl eine Rolle spielen, wenn am Ende die Regionsversammlung zu entscheiden habe. Es sei nicht alles machbar, was wünschenswert ist. Eine Rüge von Bracht zog sich der CDU-Politiker zu, als er Kritik am Siloah übte. Das sei unverantwortlich. Schon vorher war aus der Zuhörerschaft das böse Wort von der Gesundheitsfabrik gefallen. Es sei darüber nachzudenken, so Bracht, ob bei schwerer Krankheit nicht doch eine hochspezialisierte Klinik vorgezogen werde. Von der Planung bis zur Umsetzung eines Neubaues wie auch immer rechnet das KRH mit 6 bis 8 Jahren.