Harsche Worte der Kritik

Fünf Kameraden wurden befördert (v. l.): Andreas Brandt, Niels Raue, Roger Kowallik, Moritz Bussmann und David Kaiser. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)
 
Ortsbrandmeister Ingmar Franke lobte die geleistete Arbeit der Feuerwehr, sparte jedoch nicht mit Kritik, da sich nach seinen Berechnungen nur noch etwa zwei Prozent der Thönser in der Feuerwehr aktiv engagieren. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Ingmar Franke bemängelt geringe Bereitschaft zum Feuerwehr-Ehrenamt in Thönse

THÖNSE (bgp). Ortsbrandmeister Ingmar Franke sprach deutliche Worte in seiner Begrüßung zur 127. Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Thönse. So scheint es laut seiner Ausführungen um das Engagement in der Feuerwehr nicht zum Besten bestellt zu sein. Die Kritik betraf allerdings nicht die Thönser Feuerwehr selbst, sondern die Einwohner des Ortes, unter denen sich offenbar kaum noch jemand findet, der die Feuerwehr aktiv unterstützen möchte oder kann.
Franke startete ein Rechenexempel, um die Not zu verdeutlichen: "Wir sind knapp 1 800 Einwohner in Thönse, davon sind wir nur 38 aktive Kameraden. Wenn man sich das einmal prozentual ausrechnet, sind das knapp zwei Prozent der Bürgerinnen und Bürger aus unserer Ortschaft." Fünf der Aktiven seien nur am Wochenende vor Ort, da sie beruflich oder wegen des Studiums abwesend seien. Insgesamt seien 293 Thönser Mitglied in der Feuerwehr, das seien immerhin siebzehn Prozent, relativierte Franke seine Ausführungen.
"Doch was ist mit den anderen?" stand als großes Fragezeichen im Raum. Auf das Ehrenamt angesprochen, reagierten die meisten mit der Aussage, keine Zeit und zu viel zu tun zu haben, so der Ortsbrandmeister. Die Thönser Feuerwehr gehe schwierigen Zeiten entgegen, denn schon jetzt sei es schwer, bei Alarmierung am Tage genügend Feuerwehrkameraden zur Verfügung zu haben, da kaum noch jemand seine Arbeitsstelle im Ort habe.
Die Feuerwehr unterstütze auch gerne Veranstaltungen wie die Blutspende oder den Laternenumzug mit vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern: „Aber ein kleines Dankeschön nach dem Umzug wäre schon nett den Kameraden gegenüber“, warb Ingmar Franke um mehr Wertschätzung.
Rund 4 900 Stunden leistete die Freiwillige Feuerwehr Thönse im Jahr 2017, allein 1593 wurden davon in der Jugendfeuerwehr absolviert. Die Aktiven mussten für einen Brandeinsatz an einem PKW ausrücken und eine Brandsicherheitswache durchführen. Zwölf Mal wurde die Thönser Wehr zu technischen Hilfeleistungen alarmiert. Ein Wasserschaden an der Engenser Straße, aber vor allem der Sturm Xavier brachte viel Arbeit zur Sicherung der Einsatzorte mit sich.
Angesichts dieser Ausführungen schloss sich Stadtbürgermeister Axel Düker mit seiner Rede an. Natürlich müsse die Feuerwehr alarmiert werden, wenn ein Notfall vorläge, jedoch nicht für Kleinigkeiten. Die allgemeine Zunahme der technischen Hilfeleistungseinsätze im Stadtgebiet zeige auch, dass die Feuerwehr immer schneller gerufen werde, selbst wenn die Sache anders zu regeln wäre.
Ein herabgefallener Ast könne sicher auch einmal von einem Gartenbau-Unternehmen beseitigt werden. Die Freiwillige Feuerwehr sei keine „Vollkasko-Versicherung“, so Düker. „Der Bogen darf nicht überspannt werden und vor den Stunden, die hier geleistet werden, kann ich nur den Hut ziehen“, führte er aus. Die Stadt wolle mit guter Ausstattung und Ausbildung der Aktiven ihren Beitrag dazu leisten, dass die Feuerwehr auch für die Zukunft gut aufgestellt sei. Schließlich sei sie für die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger ebenso wie aus dem kulturellen Leben nicht mehr wegzudenken.
Aber auch Grund zur Freude hatte der Ortsbrandmeister. Die im Block durchgeführten Wahlen wurden schnell und einstimmig durchgeführt: Jürgen Franke wird Schriftwart und Kassenwart. Thomas Voss übernimmt das Amt des Gerätewartes, Carsten Hüsing wird Sicherheitsbeauftragter. Ortsjugendfeuerwehrwart wird Lars Bode, während Andreas Brandt Gruppenführer II und Atemschutz-Gruppenführer wird. Björn Schimkewitsch wurde zum Gruppenführer I gewählt.
Acht Kameraden hatten ihre Lehrgänge in 2017 erfolgreich beendet und bekamen dafür ihre Urkunden überreicht. Im Punkt Beförderungen erhielten David Kaiser und Moritz Bussmann die Ernennung zum Feuerwehrmann, Niels Raue und Roger Kowallik zum Oberfeuerwehrmann. Andreas Brandt freute sich über die Beförderung zum Löschmeister. Peter Zwallinna setzt sich seit langem für die Alterskameraden ein und organisiert viele Veranstaltungen für sie. Dafür wurde er zum „Feuerwehrmann des Jahres“ gewählt.