Haben sie schon mal im Dunkeln geküsst?

Die Schlangen-Diva Celina Python übernahm, gelenkt durch Heike Michaelis, die Rezitation der erotischen Gedichte, mit gespitzten Lippen und rotem Haar, eine ganz besondere Versuchung. (Foto: Anna Kentrath)

Ladybirds lockten zahlreiche Besucher zu erotischer Lyrik und Jazz in den Amtshof

GROSSBURGWEDEL (ak). „Sex sells“, längst hat die Werbung für sich entdeckt, dass nackte Haut und aufreizende Blicke Verkaufszahlen steigern. Doch kann bei einem Überangebot sexueller Inhalte in den Medien wirklich noch ein Reiz entstehen, sind wir beim Thema Erotik abgestumpft und unempfänglich? Wie reizvoll knisternde Erotik sein kann, nicht in bildlicher, sondern sprachlicher Form, bewies das Duo Ladybirds vergangenen Mittwochabend im Amtshof, organisiert von der Bücherei Großburgwedel unter dem provokativ lockenden Titel „Lass mich deine Backen packen“. Kaum ein Platz blieb frei im großen Saal des Amtshofes und die ungestellte Frage hallte durch den Raum: Was erwartet uns bei diesem Titel?
Die beiden Musikerinnen Heike Michaelis und Janina Hacker eröffneten ihr musikalisch-dichterisches Programm mit einem Schlager von Evelyn Künneke aus dem Jahr 1942: „Haben Sie schon mal im Dunkeln geküsst“? Raffiniert und frech wie dieser Liedtext, der weiter fragt, „wissen sie denn nicht wie schön so was ist…“, ging der Abend weiter.
Irritation im Publikum als ein weiterer Gast angekündigt wurde: Miss Celina Python. Denn kaum einer wollte glauben, was dann kam, eine Handpuppe, genauer gesagt, eine giftgrüne Stoffschlange mit roten wulstigen Lippen, einer ebenso flammenden Wallemähne, gewandet in ein Leopardenkleidchen, das, für diese Tierart doch eher nicht zu erwarten, ein kleines Dekolleté offenbarte. Eine Klappmaulpuppe, wie es in der Ankündigung hieß, die eigentlich eher im Kindertheater zu erwarten wäre, dann jedoch nicht mit diesem dichterischen Angebot, das sie für das Publikum bereithielt. „Hast du die Lippen mir wund geküsst“, rezitierte die Schlangenpuppe Heinrich Heine ebenso wie „Das Herz sitzt über dem Popo“ von Joachim Ringelnatz.
Celina Python war für die Gedichtparts an diesem Abend zuständig, sparte nicht am lasziven Augenaufschlag, soweit das bei einer Schlangenpuppe möglich ist, und amüsiert das Publikum mit ihrem sehnsüchtigen Seufzen, dem Zurückwerfen ihres roten Haares und der ein oder anderen süffisanten Nebenbemerkung. Eingebettet wurde die erotische Lyrik in passende Musikbeiträge von Schlager bis Pop, gewürzt mit einer ordentlichen Portion Swing und Jazz. „Jazz ist meine Leidenschaft“, bekundete auch Celina Python mit einem herzhaften Seufzen, „dieser Groove, dieser Bass, diese Vibrationen.“
Ob Gesang, Klavier, Vibraphon auf Seiten von Heike Michaelis oder E- und Kontrabass bei Janina Hacker, das Duo Ladybirds sorgte auch musikalisch für ein abwechslungsreiches Programm, ein buntes Klangbild, das inhaltlich immer das Thema Erotik streifte, aber bitte mit einer ordentlichen Portion Gefühl.
Der Abend zeigte ganz klar das Besondere der Erotik, dass was sie thematisch von rein sexuellen Darstellungen abgrenzt - nämlich den Humor. Die Ironie, das Augenzwinkern durchzog ganz klar das Programm der Ladybirds, ob in der erotischen Lyrik oder den Gesangsbeiträgen. Die unterhaltsame Mischung zeigte, wie reizvoll richtige Erotik ist, sei es im „Dunkeln zu küssen“ oder die „Backen zu packen“.