Gute Kinderbetreuung erfordert ein hohes Maß an Fachkompetenz

Tanja Marquardt (r.) vom Familien- und Kinderservicebüro der Stadt Burgwedel begrüßte die rund 150 pädagogischen Fachkräfte zur Eröffnung der Tagung. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)
 
Klaus Kokemoor warb für einen Blickwechsel in der Betreuung und berichtete von seinen Erfahrungen in der Beratung von Erziehungspersonal in Kindertagesstätten. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Stadt veranstaltete 11. Tagung der Burgwedeler Kindertagesstätten

GROSSBURGWEDEL (bgp). Unter dem Motto „Herausforderungen im Kita-Alltag“ veranstaltete das Familien- und Kinderservicebüro der Stadt Burgwedel eine Tagung für das Fachpersonal der Kindertagesstätten und Tagespflegestellen im Stadtgebiet. Rund 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nahmen an der Tagung teil.
Die Fachtagung fand bereits zum elften Mal statt und nahm in der Planungsphase Anregungen auf, die aus den Reihen der Kindertagesstätten an die Verwaltung herangetragen wurden. Das Programm umfasste einen Einführungsvortrag sowie verschiedene Workshops, die sich an dem Leitsatz "Herausforderungen im Kita-Alltag" orientierten.
Die Inhalte der neun Workshops wurden mit den Leitungen der Kindertageseinrichtungen abgestimmt, sodass alle Alters- und Entwicklungsstufen in der Kinderbetreuung berücksichtigt wurden. Einige Workshops, wie "Wilde Jungs und liebe Mädchen" oder "Umgang mit Nahrungsmittelallergien" befassten sich vorrangig mit den Kindern und deren Betreuungserfordernissen. In anderen Workshops wurden Entspannungstechniken, Stimmtraining und Stressmanagement vermittelt, die das pädagogische Fachpersonal in die Lage versetzen, den Kita-Alltag stressarm und möglichst entspannt zu bewältigen.
Das Angebot war ein Spiegel der Herausforderungen, denen sich das Fachpersonal in den Kinderbetreuungseinrichtungen täglich zu stellen hat. Bürgermeister Axel Düker verdeutlichte die steigenden Belastungen, denen das pädagogische Fachpersonal zunehmend ausgesetzt sei: "Die Anforderungen steigen stetig. Die Stadt möchte als Träger die Arbeitsbedingungen möglichst gut gestalten".
Die erste Stadträtin, Christiane Concilio, hob die Fachtagung der Stadt für die Burgwedeler Kindertagesstätten als große Wertschätzung der pädagogischen Arbeit hervor: "Das Angebot soll zeigen, was Sie uns wert sind".
Eine Herausforderung in den Kindertagesstätten ist die zunehmende Betreuung von Kindern mit besonderen Eigenschaften, wie eingeschränktes Sehen, Asperger-Syndrom oder Autismus. Sie benötigen individuelle Begleitung und spezifisches pädagogisches Handeln.
Klaus Kokemoor, der über viele Jahre in integrativen Einrichtungen gearbeitet hat und Kindertagesstätten bei der Arbeit mit besonderen Kindern berät, referierte über das Thema Inklusion. Ihm sei es wichtig, auf die Perspektive zu achten, unterstrich Kokemoor und regte an, Unterschiedlichkeit und Vielfalt als normal anzusehen.
Dazu gehöre es auch, Kinder, die anderen aus der Gruppe zunächst abwartend zuschauen, nicht sofort zum Mitspielen zu drängen, sondern in respektvollem Abstand zu warten, bis es von selbst die Initiative ergreift.
Individuelle Verhaltensmuster gehörten zu den Kindern und müssten eingehend berücksichtigt werden, um den Reifungsprozess zu unterstützen und zum Wohlbefinden des Kindes beizutragen. Anhand von kurzen Filmen aus dem Alltag mit besonderen Kindern in Tagesstätten, verdeutlichte Klaus Kokemoor, dass man die Kleinen mit einfachen Mitteln integrieren könne.
Die Beispiele zeigten jedoch auch, dass diese scheinbar alltäglichen Dinge im Umgang mit den Kindern ein hohes Maß an Fachkompetenz erfordern. Jeder Handlungsschritt wurde detailliert analysiert und gab Anregungen für die praktische Arbeit in den Betreuungseinrichtungen. Um die Kleinen zu integrieren, müsse man sich zunächst über die Ziele im Einklang mit den Kindern klarwerden und sich überlegen, wie man dorthin gelange.
Das erfordere einen Perspektivwechsel, Zeit und vor allem viel Geduld, erläuterte Kokemoor die Zusammenhänge. Außerdem gehöre es dazu, entsprechende Rahmenbedingungen anzubieten, wie Räumlichkeiten und ein Konzept, das zu den jeweiligen Kindern und dem Betreuungsteam passt.