Großes Spiel vor wenig Publikum

Das Kuss Quartett begeisterte mit einem hochklassigen Konzert (v. l.): Jana Kuss (Violine), Oliver Wille (Violine), Mikayel Hakhnazaryan (Violoncello) und William Coleman (Viola). (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Das international bekannte Kuss Quartett gastierte im Amtshof

GROSSBURGWEDEL (bgp). Am Mittwochabend fand das Burgwedeler Sommerkonzert mit dem Kuss Quartett im Amtshof statt. Es mag an der Urlaubszeit oder am abendlichen Fußballprogramm gelegen haben, dass sich nur rund sechzig Gäste zu dem Konzert einfanden.
Schade war dieses jedoch nur für jene, die dem hochklassigen Musikereignis ferngeblieben waren. Das Berliner Ensemble ist international unterwegs und hat schon in großen Häusern wie der Carnegie Hall in New York oder der Londoner Wigmore Hall gespielt. Dem entsprechend begeisterten sie in Burgwedel mit Werken von György Kurtág (Op. 28, Officium breve) und Ludwig van Beethoven (Streichquartette Op. 18/1 und 131).
Jana Kuss (Violine), Oliver Wille (Violine), William Coleman (Viola) und Mikayel Hakhnazaryan (Violoncello) fanden sich 2002 zum Kuss Quartett zusammen. Die beiden Gründungsmitglieder Jana Kuss und Oliver Wille sind bereits seit 25 Jahren musikalische Weggefährten. Gemeinsam mit den Musikern Coleman und Hakhnazaryan sind sie Pioniere der konzeptuellen Präsentation von Kammermusik, entwickeln aus der Musik heraus neue Perspektiven und gewinnen damit ein weitläufiges kulturell interessiertes Publikum.
Für manchen mag die präzise Interpretation des „Officium breve“ von György Kurtág ungewohnte Klänge beschert haben, doch vor dem Hintergrund der Erläuterungen des Stückes durch Violinist Oliver Wille erschienen diese nachvollziehbar. So bestach der „Meister der Aphorismen“ mit einem kanonischen Mittelteil in Anlehnung an den Komponisten Anton Webern sowie gegen Ende des Stückes mit dem Anklang von zwölf Zitat-Takten einer Streicherserenade seines ungarischen Freundes Endre Szervánszky. Das Stück ist bei einer Gesamtlänge von kaum 12 Minuten in 15 Kürzest-Sätze aufgeteilt.
Der Applaus des Publikums nach Verklingen der letzten Töne des Allegro (Op. 131) von Ludwig van Beethoven am Schluss des Konzertes war reichlich und zeugte von der beeindruckenden Leistung des Streicherquartetts. Die Interpretationen begeisterten Konzertbesucher Wolfgang Lanitz ganz besonders: „Großartig, mit welcher Meisterschaft das Kuss Quartett zusammenspielt, wie die oftmals schwierigen Passagen fast spielend leicht in technischer Perfektion gemeistert werden“.