Großes Interesse an einem alten Kunsthandwerk

Dicht umringt war der Stand, an dem die technischen Möglichkeiten einer neuen Nähmaschine vorgeführt wurden. (Foto: Renate Tiffe)
 
An Verkaufsständen gab es genügend Gelegenheit, „neues Material“ zu beschaffen. (Foto: Renate Tiffe)

Drei Tage lang Patchwork-Ausstellung im Isernhagenhof

Isernhagen FB (ti). Zum fünften Mal hat die Quilt-Gruppe Isernhagen ihre Arbeiten im Isernhagenhof ausgestellt – ein schöner Rahmen für die Präsentation eines alten Kunsthandwerks, eines Kulturgutes, das bewahrt und auch gezeigt werden muss. Das Publikumsinteresse war größer denn je. „Ein Riesenerfolg“, freute sich die Sprecherin der Gruppe Renate Krupka. An allen drei Tagen seien viel mehr Besucher (meist Besucherinnen) gekommen als erwartet.
17 Jahre besteht die Quilt-Gruppe jetzt, eine Zahl, die mehrfach in der Ausstellung auftauchte, mal versteckt, in einem kleinen Bildteppich aus Margeritenblüten, mal als schlichte Ziffer in der klassischen Patchwork-Technik zu sehen. Zu sehen gab es unendlich viel. Etwa 200 Stücke wurden vorgestellt: Wandteppiche, Tages- und Zierdecken in großen und kleineren Formaten, nach der traditionellen Patchwork-Art gearbeitet und auch in freier Technik. Schön, dass viele Arbeiten mit einem Titel benannt wurden.
Die Kunst, alte Stoffe in einem neugeschaffenen Stück zu bewahren – nichts anderes bedeutet Patchwork – ist ein aufwendiges, auch zeitaufwendiges Nähwerk. Viele Gedanken fließen in die Arbeit mit ein, die sich in manchen der Ausstellungsstücke als kleine Geschichten widerspiegeln.
Etwa wenn ein handapplizierter Wandteppich „Der lange Weg nach Mexiko“ heißt. Roswitha Fertig hat die Geschichte ihres großen „Deutsch-Amerikanischen Ufo-Quilts“ mit den „Dresdner Teller“ genannten Rosetten auch schriftlich dargestellt. - Viele florale Muster sind vertreten mit Titeln wie „Sommergarten 20082 oder „Roter Mohn“. Eine Gastausstellerin aus Borkum ist anwesend, um den Blick der Quilterinnen auf das freie Gestalten zu weiten. „Traumhäuser“ heißt eins ihrer Motive.
Quilts bitte nur mit den Augen berühren“ wird auf zahlreichen Kärtchen immer wieder gewünscht, eine leise Mahnung, deren Erfüllung manchmal schwerfällt. Claudia Heber und Christiane Willeke haben deswegen eigens einen Wandteppich hergestellt, über dem groß die Aufforderung „Touch me“ steht. Die blauen Quadrate, jeweils in einer anderen Patchwork-Technik gefertigt, laden extra zum Anfassen ein.
Auffallend viele Besucherinnen machen Fotos von den Ausstellungsstücken.
Auffallend auch die große Zahl der jungen Besucherinnen. Patchwork scheint ein Kunsthandwerk mit Zukunft zu sein. Immer wieder werde die Frage gestellt, wo man das Nähwerk lernen kann, berichtet Renate Krupka. Die Isernhagener Gruppe ist eine Gemeinschaft von 25 Frauen, die weit über dieses Stadium hinaus ist. Kurse in der Volkshochschule werden derzeit nicht angeboten.
Keine Ausstellung ohne ideenreiches Beiprogramm, ganz abgesehen von der verlockenden Kaffeetafel, zu der im Foyer des Isernhagenhofes eingeladen wurde. An anderer Stelle gab es vielfältige Anregungen zum kunsthandwerklichen Weitermachen. An einem Tisch wurden Anleitungen zum Falten einer Hexagon-Blüte vermittelt, offenbar eine sehr begehrte Technik.
Dicht umringt war der Stand, an dem die technischen Möglichkeiten einer neuen Nähmaschine vorgeführt wurden. Auf einem Flohmarkt boten die Isernhagener Quilterinnen ihre Restbestände an Stoffen an. An Verkaufsständen im Hintergrund gab es genügend Gelegenheit, „neues Material“ zu beschaffen.
Und natürlich gab es eine Tombola, mit einem großen weißgrundigen Wandteppich als Hauptgewinn - eine Gemeinschaftsarbeit der Isernhagener Quilterinnen, zu der jede von ihnen mehrere bunte Sterne beigetragen hat. Der Erlös der gesamten Veranstaltung geht an den Ambulanten Kinderhospizdienst der Region Hannover, an JuKi in Kirchhorst und an KuK, die Kulturinitiative für Kinder in Burgwedel.