Große Resonanz auf das erste Zuckerfest in Burgwedel

Aufforderung zum Tanz: Quosy Mohmmad spielt auf seiner selbstgebauten arabischen Flöte. (Foto: Renate Tiffe)
 
Das Büfett ist reichhaltig bestückt mit Kuchen und bunten Torten mit Zuckerperlen. (Foto: Renate Tiffe)

Interkulturelles Miteinander am Ende des Fastenmonats Ramadan

GROSSBURGWEDEL (ti). Kinder, ganz viele Kinder aller Altersstufen liefen aufgeregt und teilweise in Festkleidung umher auf dem Platz an der Hannoverschen Straße 49, der an den Busbahnhof am Schulzentrum angrenzt. Im Hintergrund traf Raida Mohammed mit den Frauen vom Interkulturellen Miteinander an den Tischen letzte Vorbereitungen für das Zuckerfest, das Muslime traditionell am Ende des Fastenmonats Ramadan feiern.
Immer mehr Gäste trafen ein, am Ende waren es wohl an die 100 Menschen aus Syrien, der Türkei, Pakistan, Mexiko, Russland, Polen, die jetzt in Burgwedel ansässig sind - und viele Alteingesessene dazu. „Warum hast du Deine Kinder nicht mitgebracht“, wurde Bürgermeister Axel Düker von einem Mitschüler seines Sohnes gefragt.
Der druckste ein wenig herum, schrieb aber bereitwillig seinen Namen auf ein sorgfältig zusammengefaltetes Papier – Autogrammsammeln wie bei einem Fußballstar. Düker blieb lange, kannte viele und fühlte sich sichtbar wohl.
Unterdessen begann Quosy Mohmmad auf seiner selbstgebauten arabischen Flöte zu spielen, Klänge, die denen eines schottischen Dudelsacks ähnelten. Und wie durch einen Zauber bildete sich ein großer Kreis von Tanzenden, vor allem Frauen und Kinder.
Überquellend mit Speisen aus den verschiedenen Ländern und reichhaltig bestückt mit Kuchen und bunten Torten mit Zuckerperlen standen die beiden Buffets bereit. Nicht zu vergessen Kulija, die speziellen Kekse mit den feinen Gewürzen zum Zuckerfest, die gereicht wurden..
Im Fastenmonat Ramadan, der sich nach dem Mond richtet, dürfen gläubige Muslime bis zum Sonnenuntergang nicht essen und nicht trinken, auch nicht rauchen. Viele halten das auch hierzulande durch, meint Gazala Sedik. Am Abend komme man dann in der Familie zusammen, trinke zuerst Wasser und wende sich dann dem Essen zu. „Es gibt besonders gute Speisen, nicht wie normal“.
Am Ende steht dann das Fastenbrechen, das drei Tage lang gefeiert wird. Die Familien kommen zusammen. Die Kinder haben einen Tag schulfrei. „Wir gratulieren uns. Das Zuckerfest ist wie Weihnachten“, sagt die gebürtige Syrerin, die schon 14 Jahre in Burgwedel lebt.
Die Kinder bekommen Geschenke, oft auch Geld. In ihren Herkunftsländern konnten sie es auf den Jahrmärkten ausgeben, die gleichzeitig stattfanden. Das Gleiche gilt für das Opferfest, das zweite große Fest des Islam. „Und Weihnachten muss es auch Geschenke geben, wie bei den anderen Kindern in der Schule“, seufzt die dreifache Mutter lächelnd. Die Kinder wissen Bescheid: „Wir haben unsere Feste und Ihr habt Eure, so wie wir unsere Religion haben und Ihr habt Eure“.
Gazala Sedik lebt gern in Großburgwedel. „Es ist wie in einem Dorf. Man kennt sich und man hilft sich.“ Eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen des ersten Zuckerfestes in Burgwedel. Raida Mohammed hatte die Idee, das Fest aus den Familien in die Öffentlichkeit zu tragen. Dass es eine solche Resonanz finden würde, hat aber selbst sie nicht erwartet. Auch Neuankömmlinge aus den Kriegsgebieten feierten mit. Sie habe schon viele Rückfragen bekommen, ob im nächsten Jahr wieder so ein Fest stattfinden könne, sagt sie. Warum nicht?