Großburgwedeler gedachten der Opfer von Krieg und Gewalt

Großburgwedels Ortsbürgermeister Rolf Fortmüller hielt die Gedenkrede zum Volkstrauertag. Im Hintergrund einige Mitglieder von Orts- und Stadtrat. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Im Anschluss an die Gedenkrede wurde zu den Klängen des Liedes vom guten Kameraden der Kranz niedergelegt. Nach der Nationalhymne war die Gedenkfeier beendet. (Foto: Hans Hermann Schröder)

„Frieden ist Arbeit, ein Weg, ein Prozess“

GROSSBURGWEDEL (hhs). In allen Ortschaften der Stadt Burgwedel fanden zum Volkstrauertag Gedenkfeiern an den Mahnmalen statt. Meistens nach den Gottesdiensten am späten Vormittag. Es war nebelig und kalt an diesem Morgen, ungemütlich so zu sagen. Vielleicht ist das als ausschlaggebender Grund dafür anzusehen, dass in diesem Jahr weitaus weniger Mitbürgerinnen und Mitbürger an diesen Feiern teilgenommen haben als in den Vorjahren,
In Großburgwedel verlief diese Gedenkfeier auch eher im kleinen Kreis, gemessen an den Vorjahren. Nach dem Gottesdienst in St. Petri bewegten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Friedhof und dort warten die Musikerinnen und Musiker des Feuerwehrmusikzuges sowie einige weitere Besucher. Junge Menschen waren rar auf dem Friedhof. In den beiden vergangenen Jahren hatte das zerstörte Mahnmal auf Großburgwedels Friedhof stärker im öffentlichen Interesse gestanden.
Vielleicht ist es für junge Leute heute nicht mehr nachvollziehbar, warum so ein Tag des Innehaltens, des stillen Gedenkens an alle Opfer von Krieg und Gewalt, der Nachdenklichkeit für jeden einzelnen schon ein Stück Friedensarbeit ist.
Rolf Fortmüller, erst ein paar Tage zuvor zum Ortsbürgermeister von Großburgwedel gewählt, brachte es auf den Punkt: In den beiden Weltkriegen seien 65 Millionen getötet worden, dazu kämen weitere Millionen Vermisste und Hinterbliebene, nicht zu vergessen 35 Millionen Kriegsbeschädigte, deren Leiden bis heute nicht vorüber sind. „Millionen Tote, das ist Statistik, aber einer, dem man nahe stand, der fortgeht und nicht wiederkommt, das tut weh. ... Am Volkstrauertag blicken wir hinter die Statistik auf den Einzelnen“. Millionen Einzelschicksale, auch von Großburgwedeler Bürgerinnen und Bürgern, die ihr Leben nicht zu Ende leben durften, die nicht älter werden durften, um am Ende eines erfüllten Lebens in Frieden zu sterben.
Fortmüller zitierte dann die letzte Strophe des Liedes vom guten Kameraden und verdeutlichte daran den Wahnsinn des Krieges. „Obwohl der sterbende Freund, der Kamerad, direkt vor ihm liegt, ist es dem Soldaten nicht mehr möglich, ihm die Hand zu reichen. Er muss stattdessen nachladen, sich selbst verteidigen und zurück schießen. Ein Teufelskreis, denn indem er das tut, erzeugt er auf der anderen Seite das gleiche Leid“.
Zur Erklärung: Die Verse des Liedes stammen von Ludwig Uhland, der es in Zusammenhang zur Zeit der französischen Besetzung Deutschlands geschrieben hatte. Die Melodie hat Friedrich Silcher 1825 komponiert. In der Folge bis zum Nationalsozialismus wurde das Lied als Kriegsverherrlichung und Zeichen nationalen Aufbruchs fehlinterpretiert. Eigentlich kann man aus Uhlands Text in seiner nüchternen und dennoch bewegenden Sprache nur Aussagen zu Freundestreue und Kriegsschicksalen ableiten.
Deutschland befinde sich gegenwärtig wieder im Krieg, schlug Fortmüller den aktuellen Bogen. „Meine Damen und Herren, warum ist die Welt nach dem Ende des Ost-West Konflikts nicht friedlicher geworden. Warum gibt es immer noch Kriege? In Westeuropa ist es uns doch auch gelungen, frei und friedlich miteinander zu leben. Das zeigt: Es ist möglich, den Frieden dauerhaft zu bewahren.... Frieden lässt sich nicht herbei zwingen. Frieden ist Arbeit. Frieden ist ein Weg. Frieden ist ein Prozess“.
Im Anschluss an die Gedenkrede wurde zu den Klängen des Liedes vom guten Kameraden der Kranz niedergelegt. Nach der Nationalhymne war die Gedenkfeier beendet.