Gottesdienst im idyllischen Park beim Wichernhaus

Am Himmelfahrtstag hatten die Pestalozzi-Stiftung und die St. Petri-Kirchengemeinde zu einem gemeinsamen Gottesdienst unter freiem Himmel eingeladen. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Pastor Fitschen: „Es gibt keinen Gott verlassenen Ort“

GROSSBURGWEDEL (hhs). Zu Himmelfahrt hatten die Pestalozzi-Stiftung und die St. Petri-Kirchengemeinde zu einem gemeinsamen Gottesdienst unter freiem Himmel eingeladen. Gut 100 Mitglieder beider Gemeinden kamen. Die Pestalozzi-Stiftung hatte für das Mobiliar gesorgt, lange Bänke standen im Halbkreis vor dem festlich gestalteten Altar. In Blickrichtung rechts von diesem fielen zunächst die Notenständer in den Blick: Der Bläserkreis Wettmar hatte den musikalischen Part in diesem Gottesdienst übernommen.
Um 11.00 Uhr begann der Gottesdienst, ein gut gewählter Zeitpunkt, denn die Sonne hatte mit der Begrüßung der Gottesdienstbesucher durch den Stiftungsvorstand Pastor Claus Fitschen und Pastorin Reller einen Stand erreicht, dass sie über das hohe Dach des Wichernhauses die Freifläche des Parks und den Gottesdienst im Licht erstrahlen ließ.
„Wo sich Himmel und Erde berühren“, lautete das Thema des Gottesdienstes. In einer kurzen Lesung wurde die Situation am biblischen Himmelfahrtstag kurz und prägnant in Erinnerung gerufen. Seit seiner Auferstehung war Jesus mit seinen Jüngern zusammen. Doch bald würde er gehen müssen, wie es die Propheten vorausgesagt hatten. Jesus würde zu seinem Vater, Gott den Herrn zurückkehren. Das erfüllte die Jünger sicherlich mit Existenzängsten, die Propheten hatten zu ihrem weiteren Schicksal schließlich kaum etwas gesagt. Sie bewegte die Frage: „Wie soll die Sache mit uns weitergehen“? Jesus hatte dazu gesagt: „Wartet, bis Gott Euch die Kraft gibt“, wenn der Zeitpunkt gekommen sei, würden sie es schon in ihren Herzen spüren. Dann erhob sich ein Rauschen und Brausen und Jesus wurde vom Wind nach oben gezogen gen Himmel, wo er den Blicken der Jünger in einer Wolke entschwand.
Die Jünger hatten die Himmelfahrt Jesu hautnah erlebt, ein Erlebnis ungeahnter Tragweite, wie sich wenig später zeigen sollte. Sie standen weiterhin da, schauten zum Himmel und warteten auf ein Zeichen Gottes oder auf ihn selbst. Doch es tat sich vorerst nichts. Dann erscholl eine Stimme und rief: „Es nutzt nichts, wenn Ihr in den Himmel starrt. Ich bin überall dort, wo Ihr auch seid“.
Das war sensationell, geradezu unglaublich, denn in der Vorstellung antiker Menschen hatten Götter immer ihren Platz, ihren Wohnort oben. Dieser Gott sagt ganz einfach: „Ich bin überall dort, wo ihr auch seid“. Das heißt im Klartext: Es gibt keinen Ort, an dem Gott nicht sein will, es gibt keinen „Gott verlassenen Ort“, wir müssen nicht um die Gegenwart Gottes bitten, er ist da.
Das ist, so Pastor Fitschen in seiner Predigt am Himmelfahrtsmorgen, natürlich auch die Grundlage dafür, dass man Gottesdienste auch außerhalb des Kirchenraums veranstalten kann. Er ging sogar einen Schritt weiter und gab zu bedenken, ob man Kirchengebäude auf dieser Basis nicht mit andern Augen sehen sollte. Er selbst habe schon einmal einen Kuhstall geweiht und damit keinerlei Schwierigkeiten gehabt. „Weil es keinen Ort gibt, an dem Gott nicht sein will“.