„Gott wartet nicht“

Erst nach der Geburt Jesu spüren Maria und Josef den Frieden Gottes auf Erden.

Gedanken zu Weihnachten von Superintendent Holger Grünjes

„Für mich ist Heiligabend der schönste Abend im ganzen Jahr“, erzählte mir neulich eine Schülerin mit glänzenden Augen. Ehrlich gesagt: Mir geht es genau so. Ich freue mich auf diesen Abend! Zuerst der Gottesdienst mit vielen bekannten und neuen Gesichtern, dann die Bescherung im Kreise meiner Lieben. Schließlich ein besinnlicher Abend unter dem Weihnachtsbaum und am Ende des Tages die wunderbare Christmette um 23.00 Uhr in Burgwedel.

Aber bis dahin ist noch jede Menge zu tun. Es soll ja perfekt werden. Morgens noch mal schnell über den Markt (heute nur bis 12 geöffnet!), dann noch ein paar Kleinigkeiten für die Lieben besorgen, um Mittag auf ein Glas Sekt zu einem Freund – der Arme hat an Heiligabend Geburtstag – dann wird es höchste Zeit. Ich muss mich auf den Gottesdienst vorbereiten, noch einmal alles durchgehen.
Ach, es ist jedes Jahr dasselbe. An Heiligabend bleibt noch jede Menge Kleinkram zu erledigen. Es ist und bleibt stressig, auch wenn ich es mir anders vornehme. So richtig besinnlich wird es erst am Abend. Bis jetzt hatte ich deshalb immer ein schlechtes Gewissen. Das perfekte Weihnachten soll ja ganz anders sein, ohne Stress und Rennerei. Und es bleibt die grundsätzliche Frage: Wie können wir eigentlich Weihnachten feiern im Angesicht dieser Welt? Ist unsere Besinnlichkeit nicht verlogen?

Die Antwort auf meine Fragen und Zweifel finde ich in der Weihnachtsgeschichte. Sie sagt mir: Gott wartet nicht, bis alles perfekt ist. Die Welt von Maria und Josef ist kein Deut besser als unsere, im Gegenteil. Kaiser Augustus befiehlt und sie müssen nach Bethlehem. Gott wartet nicht, bis ihre Welt in Ordnung ist. Gott wartet auch nicht, bis die beiden zur Ruhe kommen. Das erste Weihnachten ist alles andere als perfekt. Unruhe und Stress dauern bis zur letzten Minute. Erst nach der Geburt Jesu spüren Maria und Josef den Frieden Gottes auf Erden. Möge dieser Frieden an Heiligabend in unsere Kirchen und Wohnzimmer einziehen.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Weihnacht und ein segensreiches Jahr 2017.

Ihr
Holger Grünjes
Superintendent