Glamouröse „medlz-Night“ im Burgwedeler Amtshof

Die Dresdner medlz boten ein spritziges A-Capella-Konzert, eine unterhaltsame Reise in die 2000er und 1990er Jahre, die Kinder- und Jugendzeit der vier Sängerinnen. (Foto: Anna Kentrath)
 
Thomas wurde von Bine ausgesucht, um den nächsten Ballon und somit Song auszuwählen. (Foto: Anna Kentrath)

Dresdnerinnen infizieren das Publikum mit dem A-cappella-Virus

GROSSBURGWEDEL (ak). Die Grippe hatte den Auftritt der vier Goldkehlchen der Dresdner A-Cappella-Gruppe medlz am Mittwoch vor zwei Wochen verhindert, doch vergangenen Samstagabend starteten sie frisch kuriert im Großburgwedeler Amtshof durch.
Infiziert wurden hier die zahlreichen Besucher mit dem A-Capella-Virus, denn die jungen Sängerinnen boten neben Witz und Charme vor allem eines: ein unvergessliches, musikalisches Erlebnis rund um die 1990er und 2000er Jahre.
„Hallo Burgwedel“ begrüßten die in glamouröses Gold gewandeten Dresdnerinnen ihr Publikum - „hallo medlz“ laute hierauf die richtige Antwort, wurden die Zuschauer mit einem Augenzwinkern belehrt. Auf die Gäste der medlz-Night wartete ein abwechslungsreiches Programm, eine Reise durch die Kinder- und Jugendjahre der Sängerinnen, die alle vier 1980/1981 geboren wurden. Die letzten 20 Jahre Musikgeschichte begannen in der ersten Dekade des dritten Jahrtausends, der Zeit von TV-Serien wie „Sex and the City und Desperate Housewives“, wie die quirlige Bine, Moderationstalent der medlz, die Gäste erinnerte. Nicht jeder konnte etwas mit diesen amerikanischen Serien-Highlights anfangen, doch dem ein oder anderen Song waren die Meisten schon einmal im Radio begegnet.
Der Auftakt zeigte gleich die außergewöhnlichen Qualitäten des Gesangs-Quartetts: „Jungle drum“ von Emiliana Torrini. Ein Song, der im Original durch seine Rhythmik und vor allem seinen zungenbrecherischen Text besticht, wurde von den medlz ohne instrumentale Unterstützung zu Gehör gebracht. Dass sie singen können, verwundert kaum, denn bereits als junge Mädels/medlz sangen sie im Philharmonischen Kinderchor Dresden, um sich schließlich zu der heutigen Formation zusammenzuschließen. Chorelemente waren unbestreitbar auszumachen, doch die besondere akustische Färbung erzeugten die jungen Frauen durch das Zusammenspiel mit Lauten und Klängen, die etwaige Instrumentalbegleitung ersetzten.
Die Publikumswirkung dieser Musikalität zeigte sich spätestens bei der Interpretation des Songs „freestyler“ der finnischen Breakbeat-Group Bomfunk MC's. Ein Musikstil, der in der ursprünglichen Variante ein eher jüngeres Publikum anspricht, aus dem HipHop kommend beeinflusst durch „Electronic Dance Music“, wie „Drum and Bass“ und „House“, überzeugte in der Variante der medlz generationsübergreifend das Publikum. Ein Beat, der das Blut in Wallung brachte, die elektronischen Elemente gekonnt imitiert, sodass es schwer fiel, auf den Sitzen auszuharren, während die Dresdnerinnen im wahrsten Sinne des Wortes die Bühne rockten.
Doch nicht nur musikalisch stimmte es, das Gesamtkonzept medlz garantierte beste Unterhaltung an diesem Abend. Silberne und goldene Ballons schmückten die Bühne, jedoch nicht als reine Dekoration, einige von ihnen enthielten die Songs für den vergangenen Samstagabend. So wurde das Publikum aktiv mit einbezogen, wann welcher zum Platzen gebracht und die weitere Reihenfolge bestimmt wurde. Kurz vor der Pause drehten die Dresdnerinnen den Spieß einfach einmal um und die Zuschauer mussten das Singen übernehmen. „Stellt Euch nicht so an“, lachte Bine, „ist doch gleich Pause oder was“. „Es geht bei diesem Lied nicht um Schönheit, nur um Lautstärke oder habt ihr im Stadion schon einmal jemanden schön singen hören?“ Gemeint war der Song der „Sportfreunde Stiller“ „54, 74, 90, 2010“, der zumindest in Deutschland zur WM 2010 in aller Munde war.
Begeistert stimmten schließlich viele Besucher mit ein und ernteten hierfür den anerkennenden Ausruf „Turbine Burgwedel“ von den medlz. Mit trockener Kehle freute sich das sangesfreudige Publikum schließlich auf ein kühles Getränk in der Pause, vor allem aber auf die zweite Runde danach, die „lustigen, bunten 90er Jahre“ danach, wie Bine verheißungsvoll ankündigte.