Gewaltprävention: Wenn Worte statt Fäuste fliegen ...

Ab Februar wird die Gewaltprävention nicht nur in den Grundschulklassen, sondern auch für die Sekundarstufe I der Pestalozzi-Schule ein neues Schulfach sein. (Foto: Pestalozzi-Stiftung)

Erfolgreicher Faustlos-Unterricht an der Pestalozzi-Schule

BURGWEDEL (r/bs). Faustlos“ – so nennt sich ein Fortbildungsprojekt des Heidelberger Gewaltpräventionszentrums HPZ, das zusammen mit dem Bündnis für Kinder Erziehern und Lehrkräften deutschlandweit Unterstützung und Curricula bietet für das Erlernen eines gewaltlosen Kita- und Schulalltags. Die Lehrer der Pestalozzi-Schule Burgwedel ließen sich auf das Projekt ein und drückten jetzt für die Fortbildung einen Tag lang noch einmal die Schulbank.
„Das ist Holger. Holger ist gerade auf dem Weg nach Hause. Doch hinter ihm gehen zwei Kinder, die ihn ärgern wollen.“ Die Lehrerin zeigt auf ein Foto, das drei Kinder auf einem Bürgersteig zeigt. Gebannt schauen die Kinder auf das Bild. „Was glaubt Ihr, wie Holger sich fühlt? Wie sieht er aus?“ „Ängstlich“, ruft ein Schüler. „Und was könnte Holger tun, wenn die anderen Kinder ihn jetzt ärgern und hänseln?", fragt die Lehrerin. Ein Mädchen antwortet: „Den anderen ganz fest sagen: Hört mal, ich möchte das nicht. Lasst mich in Ruhe.“
So oder so ähnlich wird künftig auch der Faustlos-Unterricht in der Sekundarstufe I in der Pestalozzi-Schule Burgwedel ablaufen. Einmal pro Woche werden die Schülerinnen und Schüler dabei in dem neuen Unterrichtsfach lernen, wie man ohne Gewalt die eigenen Gefühle ausdrücken und sich ohne Schlägereien durchsetzen kann.
„In der Primarstufe haben wir mit diesem Unterrichtskonzept bereits 2013 sehr gute Erfahrungen gemacht“, erklärt Bernard Siegl, Schulleiter der Pestalozzi-Schule. „Die Kinder konnten zuvor zum Beispiel nicht ihre Gefühle ausdrücken. Wenn man sie fragte, wie es ihnen geht, dann sagten sie entweder „Gut“ oder „Nicht so gut“.
Heute sagen sie: Ich bin traurig, wütend – oder ich bin enttäuscht, weil das und das war. Das hat uns überzeugt. Daher wollten wir Faustlos nun auch für die Sekundarstufe I als regelmäßigen Unterrichtsstoff etablieren.“ Doch nicht nur die Sicht auf die eigenen Gefühle schult „Faustlos“, sondern auch das Verständnis für die Gefühle und Gedanken anderer Kinder.
Annika Lange und Marie Narten, die beide die Faustlos-Fortbildung absolvierten, versprechen sich von dem Präventionsunterricht eine große Hilfe. „Gerade nach den großen Pausen gibt es ja oft Streitereien“, so Lange, „Ich fühle mich jetzt besser gewappnet, diese dann auch im Unterricht zu klären und zu helfen, dass sie beim nächsten Mal nicht mehr eskalieren.
Dabei helfen Schülern auch Reflektionsfragen. Also: Wie habe ich mich eigentlich verhalten? Was habe ich dazu beigetragen, dass ein Streit eskalierte?“ „Und die Kinder lernen auch, die Ereignisse in die richtige Reihenfolge zu bringen“, ergänzt Marie Narten, „Sie lernen, für sich selbst also zu verstehen, wie es überhaupt zu dem Streit gekommen ist.“