Gesetz zum Schutz der Frauen besteht zehn Jahre

Gleichstellungsbeauftragte, Polizei und Vertreterinnen des Frauennotrufs Langenhagen trafen sich zum Gespräch in Burgwedel. (Foto: Renate Tiffe)

Häusliche Gewalt – immer eine Straftat

GROSSBURGWEDEL (ti). Jedes Jahr am 25. November wird der internationale Tag gegen häusliche Gewalt begangen. Aus diesem Anlass trafen in Großburgwedel die Gleichstellungsbeauftragten von Großburgwedel, Isernhagen und der Wedemark, Vertreterinnen des Frauennotrufs in Langenhagen sowie den Leiter des Burgwedeler Polizeikommissariats und dessen Kollege aus der Wedemark zu einem Pressegespräch zusammen.
Turnusgemäß eingeladen hatte Anne Kurth, die Großburgwedeler Gleichstellungsbeauftragte, die im Juni ihr Amt angetreten und jetzt zum ersten Mal einen öffentlichen Auftritt hatte. Sie wies auf die Dringlichkeit des Themas hin. Nach der Statistik sei jede vierte Frau körperlicher oder sexueller Gewalt ausgesetzt. In der Region Hannover würden jedes Jahr etwa 4000 Fälle bekannt, darunter 1500 im ländlichen Umkreis. Das seien extrem viel, mit steigender Tendenz. Ein öffentliches Gespräch wie dieses solle vor allem Frauen Mut machen, sich zu melden, wenn sie in Not sind, sagte Frau Kurth.
Günter Heller vom Burgwedeler Polizeikommissariat ergänzte, dass im Bereich Burgwedel, Isernhagen, Wedemark im Jahr 2010 50 bis 60 Fälle polizeilich gemeldet worden sind. Er stellte klar, dass nach dem Gesetz von 2001 alle Fälle von Gewalt als Straftaten anzusehen sind. Vorher wurden die Übergriffe als Körperverletzung gewertet und nur in schweren Fällen angezeigt. Die Frauen hätten sich nicht getraut, den Täter zur Verantwortung zu ziehen. Es gab eine große Dunkelziffer, die sich deutlich verringert habe. Jetzt sei die Polizei in der Lage, aufgrund der Gefahrenprognose vor Ort den Opferschutz vorzunehmen. Das Betretungsverbot für den Täter sei erweitert worden. Es habe sich ein strukturiertes Netzwerk von Beratungs- und Betreuungsstellen entwickelt. In der Präventionsarbeit treffe sich in Burgwedel zweimal im Jahr der Runde Tisch. Erster Ansprechpartner in Notfällen sei jetzt meist der Frauennotruf in Langenhagen.
„Wir kümmern uns um die Frauen, beraten, welche Maßnahmen zur Stabilisierung zu ergreifen sind“, erläuterte Antoaneta Slavova. Einstweilige Anordnungen gingen heute schnell. Es gebe therapeutische und Gruppenangebote für Alleinstehende. Oft wünschten die Frauen eine Paarberatung. Wichtig zu vermitteln sei, dass Frauen sich nicht schämen müssten. Ihr Selbstbewusstsein sei so weit unten, dass sie sich nicht selten selbst die Schuld geben, meinte Meike Uphoff. Besonders schwer haben es oft ältere Frauen, wusste Isernhagens Gleichstellungsbeauftragte Mona Achterberg aus Erfahrung. Nach langen Beziehungen sei ihre Abhängigkeit, vor allem auch in finanzieller Hinsicht enorm. Da sei die Hemmschwelle oft noch größer.
Als besondere Problematik wurde das Stalking bei dem Gespräch nicht ausgelassen. Heller verwies auf die Flyer in der Dienststelle der Polizei, die über die Rechtssituation aufklären. „Niemals antworten, jeden Kontakt vermeiden“, riet dazu Frau Slavova.
Man müsse die Entwicklung weiter beobachten, auch was das Stalking betrifft, resümierte Anne Kurth und bewertete das Gespräch als fruchtbar. Nach wie vor sind auch die Gleichstellungsbeauftragten erste Anlaufstelle für die Frauen.