Geradezu ein Heimspiel für Hauke Jagau – aber...

Hauke Jagau erläuterte auf der SPD-Mitgliederversammlung noch einmal das Sanierungskonzept „Medizin 2020“. (Foto: Renate Tiffe)

… auch die Burgwedeler SPD will die Frauenklinik erhalten

KLEINBURGWEDEL (ti). Einen schweren Stand hatte der Regionspräsident in den letzten Tagen und Wochen, als es darum ging, das Sanierungskonzept „Medizin 2020“ für das Klinikum Region Hannover (KRH) in der Öffentlichkeit zu vertreten. Geradezu ein Heimspiel war es da für Hauke Jagau, als er in der SPD-Mitgliederversammlung im Kleinburgwedeler Schützenhaus seine Sicht der Dinge darlegen konnte. Es gab genügend Trostpflaster und eine ruhigere Diskussion, in der die Belange vor Ort ausgiebig zur Sprache kommen konnten.
Bereits im Vorfeld hatten die Burgwedeler Sozialdemokraten in einen „Offenen Brief“ ihre Vorstellungen zur Krankenhaus- Situation mitgeteilt.
Darin ging es vor allem um den Erhalt der Frauenklinik, in der die Geburtshilfe und die Frauenheilkunde eine Einheit bilden. Es handele sich in diesem Fall um eine Einrichtung der Daseinsvorsorge, in welcher nicht allein die Kostenfrage ausschlaggebend sein dürfe, wurde argumentiert.
Hauke Jagau erläuterte den gegenwärtigen Stand von „Medizin 2020“, dem Konzept, das von 18 Mitarbeitern, Ärzten, Pflegern, und Kräften aus der Verwaltung erarbeitet worden ist. Es entspreche den heutigen Anforderungen im Gesundheitswesen, in dem es zunehmend Schwierigkeiten bei der Grund- und Regelversorgung gebe und in Akutfällen, beispielsweise bei Herzinfarkt und Schlaganfall, eine technische Ausstattung verlange, die in Burgwedel und Lehrte nicht machbar sei. Dafür sollte der Aufsichtsrat des KRH am vergangenen Freitag den Prüfauftrag erteilen. Über diesen Gegenstand werde zur Zeit politisch diskutiert. Über Zwischenstände werden die Bürgermeister und die Öffentlichkeit informiert, kündigte er an.
Dass die Äußerungen in der Öffentlichkeit sich in der Zwischenzeit fast ausschließlich um Krankenhausschließungen und die Standortfrage drehten, komme viel zu früh, meinte Jagau. Unglücklicherweise sei auch die Geburtshilfestation in Burgwedel mit einbezogen worden. Ja, es gebe Zahlen, nach denen sich solche Stationen erst ab 1000 Geburten im Jahr wirtschaftlich tragen.
Das treffe für keine der vier Entbindungskliniken in der Region zu, von denen Burgwedel die kleinste sei. Der gleiche Vorsorgegedanke, der für die anderen drei Kliniken gelte, müsse aber auch im Nordosten der Region Gültigkeit haben. Auf die spätere klare Frage von Elke Seitz, ob die Geburtshilfe vor Ort bleibt, kam allerdings – immer noch - ein eher gequältes „Ja“.
Deutlich sagte der Regionspräsident dagegen, dass ihm der Neubau eines Krankenhauses am liebsten wäre, weil nur so eine echte Qualitätsverbesserung zu erreichen sei - auch wenn es gefühlte Verlierer gäbe. Wichtiges Ziel bleibe, das Klinikum in kommunaler Trägerschaft zu halten. Die Politik müsse die Kraft aufbringen, zukunftsgerichtete Entscheidungen zu fällen.
Mit der öffentlichen Trägerschaft hänge allerdings auch die Kommunikationspanne zusammen. Bei privaten Trägern hätte es die bisherige Diskussion nicht gegeben, mutmaßte Achim Papenburg. Er gab zu bedenken, dass für den Standort Burgwedel, um den sich derzeit noch alle reißen, auch andere Probleme anliegen: der SüdLink, die Y-Trasse. Es sei zuviel, wenn dann noch das Krankenhaus aufgegeben werde. Achim Lücke brachte es auf den Punkt: viele haben schon Angst, dass Burgwedel an Attraktivität verliert, als Wohnort und bei den Arbeitsplätzen. Kirchturmspolitik solle dennoch nicht betrieben werden, was die Standortfrage angehe. Da schaltete sich Parteivorsitzende Joachim Roediger ein. „Wir müssen hier auch Kommunalpolitik machen. In zwei Jahren sind Neuwahlen. Was wir brauchen, sind attraktive Vorschläge“. „Wir stehen als Sozialdemokraten in der Verantwortung und wir haben die Chance, es gemeinsam zu schaffen“, fügte Burgwedels Bürgermeister Axel Düker hinzu. Es sei logisch, dass jeder Ort sich für sein Krankenhaus starkmache, resümierte Hauke Jagau und stellte gleichzeitig in Aussicht, dass es für die Finanzierung hohe Chancen gebe.