Gedenkfeier für die Opfer von Krieg, Terror und Gewalt aller Völker am neuen Mahnmal

Trotz Regens waren mehr Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur Gedenkfeier am neuen Mahnmal gekommen als in den Vorjahren. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Kranzniederlegung und Nationalhymne schlossen die Gedenkfeier auf dem Friedhof Großburgwedel würdevoll ab. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Ortsbürgermeister Fortmüller gab seiner Hoffnung auf Versöhnung Ausdruck

GROSSBURGWEDEL (hhs). Vergangenen Sonntag war Volkstrauertag und für Großburgwedel war dieser wie die beiden in den Jahren zuvor von ganz besonderer Bedeutung: Vor drei Jahren war das damals gerade neu geschaffene Mahnmal eingeweiht und wenige Tage später zerstört worden.
In den beiden folgenden Jahren fand die Gedenkfeier beim zerstörten Mahnmal statt und in diesem Jahr an einem vollkommen neu gestalteten und konzipierten Mahnmal. Es war erst ein paar Tage vor dem Volkstrauertag fertiggestellt worden. Im Rahmen der Diskussionen der Neukonzeption im politischen Raum hatten alle Parteien in den Gremien Einigkeit bewiesen.
Dem entgegen allerdings waren Teile der Inschrift bis zuletzt inhaltlich von den Bürgerinnen und Bürgern kontrovers diskutiert worden. Die Burgwedeler Nachrichten haben darüber ausführlich berichtet. Befürchtungen allerdings, die Burgwedeler würden wegen dieser Auseinandersetzung der Gedenkfeier fern bleiben, haben sich nicht bewahrheitet. Sie kamen in größerer Zahl als in den Jahren zuvor.
Ein unvermutet großer Anteil der Besucher der Gedenkfeier war schon eine knappe halbe Stunde vor deren Beginn auf dem Friedhof gekommen. Man betrachtete das neue Mahnmal und verglich es mit dem jüngst zurückgebauten des Künstlers Peter Lechelt. Das muss man als legitim betrachten, wenn auch von der Sache her als etwas unfair: Kunstwerke haben eine Aura, die in ihrer Einzigartigkeit und Wirkung auf den Betrachter begründet ist.
Darüber verfügt das neue Mahnmal nach Meinung vieler Besucher offenbar nicht. Was die Gäste störte, das war die Ansicht der Rückseiten der beiden Stelen am Hauptweg zu der Anlage. Die sind unbeschrieben und ungestaltet und damit kahl. „Hier korrespondiert nichts mit dem zufällig vorbei kommenden Besucher“, urteilte ein älterer Soldatenkamerad. Auf den Einwand, genau dieses könne ja auch zum Betreten und Beschauen der Gedenkstätte führen, entgegnete er: „Das sieht von hinten aus wie die Schaltkästen von Telekom oder e.on“. In dieser Beziehung sollte man wirklich noch einmal über Verbesserungen nachdenken, und wenn es eine Bepflanzung sei. Mit dieser Meinung stand er am Sonntagmorgen nicht allein im Regen.
Die Gedenkfeier lief nach bewährter Tradition ab. Nach dem Gottesdienst in St. Petri kamen viele Gottesdienstteilnehmer, darunter die Mitglieder des Ortsrats und des Stadtrats sowie der Ortsbürgermeister im gemeinsamen Marsch zum Friedhof. Hier hielt Ortsbürgermeister Rolf Fortmüller eine Gedenkrede, die gekennzeichnet war von seiner Hoffnung auf Versöhnung. Zunächst erinnerte er an die kontroversen Debatten um das neue Mahnmal, insbesondere auch an den Text der Informationsebene, den viele Burgwedeler nicht hinnehmen wollten, weil sie dahinter eine Pauschalverurteilung von Soldaten vermuteten. Er halte den Text nach wie vor für richtig und sehe in ihm die Aufforderung an die Nachkriegsgeneration sich zu fragen, wie sie sich denn verhalten hätte.
„So wie wir Tage und Momente des Innehaltens brauchen, benötigen wir auch Orte des Mahnens und des Erinnerns, damit das, was geschehen ist, nicht vergessen wird. Erinnern fordert Sichtbarmachen. Erinnern muss konstruktiv sein, um aus der Vergangenheit Lehren für die Zukunft zu ziehen. Und genau dafür ist dieser Ort hier, er bring all' diese Dinge zum Ausdruck und ist gedacht fürs Mahnen, Gedenken und Erinnern“. Zum Schluss äußerte der Ortsbürgermeister den Wunsch, dass sich diejenigen Menschen wieder Zusammenfinden, die bei den vielen Debatten um das Mahnmal auseinandergegangen sind. „Ich bin der Überzeugung, dass dieses im Interesse der Toten wäre“.
Pastor Andreas Böger erinnerte daran, dass die St. Petri-Gemeinde und die Kommune Großburgwedel diesen Ort schon immer als Ort des Gedenkens und Mahnens gesehen haben. Eine kollektive Verurteilung von Soldaten sehe er nicht in der kritisierten Formulierung. „Schuld ist immer nur individuell zu bemessen. Mit der kollektiven Verantwortung leben wir Deutschen heute noch“. Die Gedenkfeier fand ihren Abschluss mit der Kranzniederlegung und der Nationalhymne.