Fuhrberg: Ortsrat ist gegen Container am Grasbruchweg

Die planierte Fläche wird Parkplatz der Containeranlage. Im Hintergrund die ehemalige Brennerei. Die Container und das Versorgungsgebäude kommen rechts an den Waldrand.

Unterbringung von Flüchtlingen: „Uns gehen überall die Unterkünfte aus“

FUHRBERG (hhs). Burgwedels Sozialamtsleiterin Christiane Concilio brachte es auf der Ortsratssitzung in Fuhrberg auf den Punkt: „Uns gehen die Unterkünfte aus!“ Bis Ende März muss die Stadt zusätzlich zu den schon bei uns lebenden 480 Flüchtlingen weitere 134 aufnehmen. Wie viele dann noch hierher kommen, weiß niemand auch nur ungefähr zu sagen. Von einer Verdoppelung der Anzahl bis Jahresende ist die Rede. Insider halten auch eine Vervielfachung für möglich, jeder denkt daran, niemand spricht es offen aus.
In dieser ambivalenten Situation hat die Verwaltung nach neuen Wegen der Problemlösung gesucht und auch gefunden. In einer nichtöffentlicher Sitzung hatte der Stadtrat vor Weihnachten beschlossen, in Fuhrberg am Grasbruchweg hinter der ehemaligen Brennerei 30 Container zur Unterbringung von 90 Flüchtlingen anzumieten. Das interessierte die Fuhrberger sehr. Ortsbürgermeister Heiner Neddermeyer konnte sich über knapp 200 Besucher bei der Ortsratssitzung freuen.
Stadtkämmerer Christian Möhring berichtete über die Entwicklung dieser Lösung: Er hatte im Herbst erfahren, dass der Spargelhof Heuer für den Bereich der ehemaligen Brennerei in Fuhrberg am Grasbruchweg einen Bauantrag für eine Containeranlage zur Unterbringung von Erntehelfern gestellt hatte. Möhring erkannte die Möglichkeiten und fragte bei Jörg Heuer, Mitglied des Stadtrats und stellvertretender Bürgermeister Burgwedels, ob sich die Stadt an dieses Bauvorhaben anhängen könnte mit Containern, wie Heuer sie für seine Erntehelfer plane.
Um es kurz zu machen, der Bauantrag wurde verändert: Neben den beantragten 90 Containern für 270 Erntehelfer kann er dort nun weitere 30 Container für 90 Flüchtlinge aufstellen. Der Stadtrat hat mit ihm einen Mietvertrag über zehn Jahre geschlossen.
Jörg Heuer stellte aber klar: Dort plane er nur 30 Container für Erntehelfer. Er habe im Bauantrag das Höchstkontingent beantragt, damit ihm nicht „Salamitaktik“ vorgeworfen werden könne, wenn er später noch den ein oder anderen Container dort aufstellen müsse. Eine Vermischung von Containern für Flüchtlinge und Erntehelfern werde es nicht geben. Wenn die Erntehelfer in ihre Heimat zurückkehren, dürfen deren Container nicht zur Unterbringung von Flüchtlingen genutzt werden.
Möhring führte weiter aus, für die 30 Flüchtlingscontainer werde ein Sozialarbeiter und ein Sicherheitsdienst vorgesehen. Als Betreiber denke man an das DRK oder den Arbeiter Samariter Bund. Der Grasbruchweg soll in diesem Bereich eine Beleuchtung erhalten. Der Sicherheitsdienst und das Betreuungspersonal werden rund um die Uhr vor Ort sein.
Heike Schöttker von der SPD erklärte, sie halte den Standort für kritisch, freute sich aber darüber, dass die Fuhrberger nicht gegen Flüchtlinge eingestellt sind und auch nicht gegen Container.
Hermann Wöhler, Ortsratsmitglied von der CDU, lehnte das Projekt ab: „Die Stadt sollte dieses so nicht tun“, sagte er. Die Unterbringung von Erntehelfer sei in Ordnung. Er befürchte aber, dass es zu Gegensätzen dort kommen werde, weil die einen dort arbeiten dürfen, die Flüchtlinge aber nicht. „Das kann so nicht funktionieren“, befürchtete Wöhler und brachte die Wiederbelebung des „Tannenecks“ ins Gespräch. Damit habe man schließlich von 1992 bis 95 gute Erfahrungen gemacht. Christiane Concilio wollte das Tanneneck nicht als Alternative zulassen: „Uns gehen die Unterkünfte aus. Wir müssen schauen, dass wir das Vorhaben am Grasbruchweg schnell hinbekommen“, gab sie zu bedenken.
Die Besucher der Sitzung äußerten ihren Unmut über die späten Informationen über dieses zu diesem Projekt. Man hätte sie früher informieren sollen, nicht erst wenn schon alles in trockenen Tüchern sei. Es gebe in Fuhrberg bessere Lösungen als am Grasbruchweg, gab Elke Hackelberg zu bedenken.
Elisabeth Scheffler, die in Fuhrberg Flüchtlinge betreut, hielt die Unterbringung von Muslimen in unmittelbarer Nähe eines Schweinestalls für ungeschickt und forderte eine intensive Suche nach besser geeigneten Lagen zum Beispiel an der Dorfstraße. Einige Besucherinnen formulierten persönliche Ängste vor der großen Zahl der Flüchtlinge. Manfred Dworak hielt es für unklug, die Flüchtlinge nicht gleichmäßig auf die Ortschaften zu verteilen.
Prof. Dr. Hans Wöbse zog ein positives Fazit: Er freue sich, dass die Fuhrberger die Unterbringung der Flüchtlinge innerhalb der Ortschaft keinesfalls ablehnen. „Aber sie sollte dann auch optimal sein“, sagte er.
Der Ortsrat forderte abschließend, die Verwaltung solle die bis Ende März zugewiesenen 134 Flüchtlinge nach Möglichkeit anderweitig unterbringen und sie möge die formulierten Einwände umgehend umsetzen. Angesichts des Zeitdrucks sollen am Grasbruchweg allerdings einige Container aufgestellt werden.