Fritz Karl begeisterte als "Rächer der Würstelmänner" im Amtshof Großburgwedel

Fritz Karl (r.) und "Die Oberösterreichischen Concert-Schrammeln" (v. l.): Peter Gillmayr (1. Violine), Kathrin Lenzenweger (2. Violine), Guntram Zauner (Kontragitarre) und Andrej Serkov (Schrammelharmonika) begeisterten mit ihrer Mischung aus Caféhausliteratur und Wiener Musik. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)
Burgwedel: Amtshof |

Ein Beitrag von Bettina Garms-Polatschek - Wiener Charme mit Schrammel-Orchester traf den Nerv der Gäste

GROSSBURGWEDEL. Der bekannte Theater- und Fernsehschauspieler Fritz Karl und "Die Oberösterreichischen Concert-Schrammeln" spielten jetzt vor ausverkauftem Haus im Amtshof. Mit einer "Wiener Melange" aus Schrammelmusik und szenischer Lesung zogen sie das Publikum vollends in ihren Bann.
Fritz Karl erwies sich als brillanter Vorleser mit einem Querschnitt aus rund hundert Jahren Österreichischer Caféhaus-Literatur. Bei der Auswahl der Texte für sein Programm "Zorro - Rächer der Würstelmänner" hatte Karl eine glückliche Hand, sie passten haargenau auf das Genre des blasierten Wiener Bürgertums zum Fin de Siècle, dem sich auch die Musik der Gebrüder Schrammel zeitlich zuordnen lässt.
Die Kurzgeschichten und Gedichte spiegelten humoristisch aufgearbeitetes Alltagsgeschehen wie etwa in einem Wiener Pfandhaus oder am Würstelstand wider. Die gefühlvollen musikalischen Einsätze der Oberösterreichischen Concert-Schrammeln versetzten die Abendgäste mit der ursprünglichen Mischung aus Polkas, Walzern und Märschen in die Atmosphäre des Wiener Heurigenbezirks Grinzing und verliehen dem Abend große Authentizität.
Der vordergründige Wiener Charme täuschte nicht über die feinsinnige Beobachtungsgabe der gewählten Autoren hinweg, deren Texte sowie Gedichte von Fritz Karl mit brillant akzentuierter Sprache, Mimik und Gestik professionell umgesetzt wurden.
"Der Kapellmeister" von Anton Kuh ließ den Schauspieler zu Höchstform auflaufen, schilderte die Kurzgeschichte doch das Leidwesen eines Dirigenten, der Mühe hatte, seine Musiker auf hohem Niveau zusammenzuhalten. Karl ließ ein komplettes Orchester vor dem geistigen Auge des Publikums entstehen, um am Ende als Kapellmeister, der unter Qualen ein langes Dirigat hinter sich gebracht hat, erleichtert in sich zusammen zu sacken.
Beeindruckend waren die leisen Zwischentöne mit humorvoller Dramatik und feinen Gesten, die das Gesamtbild dieser gelungenen Veranstaltung abrundeten. Findige sprachliche Wendungen und Wortklaubereien wie: "Die Hitze zog eine gewisse Knappheit der Konversation nach sich" brachten das Publikum zum Schmunzeln. So schien die Wiener Literatur im Dreivierteltakt genau den Nerv getroffen zu haben.
Der donnernde Applaus zeugte von großer Begeisterung, welche nach Zugaben verlangte, die vom Ensemble und Fritz Karl gerne gewährt wurden. "Beseligt von Grammatik und Wein" zogen die Gäste von dannen, zufrieden über einen musikalisch und literarisch gelungenen Abend: "Welcher Fremdling könnte sich solcher Wohlreden entziehen?"
Bettina Garms-Polatschek