Freya Klier berichtete über ihre Jugendzeit in der DDR

Freya Klier (stehend) schilderte anschaulich ihre Kindheit und Jugend unter der SED-Herrschaft, während die Schülerinnen und Schüler gebannt zuhörten. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Hautnaher Geschichtsunterricht mit bekannter Bürgerrechtlerin

GROSSBURGWEDEL (bgp). Hautnahen Geschichtsunterricht zum Thema "Eine Jugend in der DDR" erlebten die Schülerinnen und Schüler des 10. Jahrgangs des Gymnasiums Großburgwedel. Die DDR-Bürgerrechtlerin Freya Klier schilderte in einem Vortrag eindrucksvoll die Auswirkungen staatlicher Kontrolle auf ihre Kinder- und Jugendzeit unter der SED-Herrschaft.
In Zusammenarbeit mit der Konrad-Adenauer-Stiftung hatte das Gymnasium Großburgwedel die heute in Berlin lebende Autorin und Filmregisseurin vor dem Hintergrund des 25. Jahrestages der Deutschen Einheit in die Schule eingeladen. Initiator Bernward Schlossarek vom Gymnasium Großburgwedel betonte die Intention der Veranstaltung, Gefahren einer Diktatur aufzuzeigen. Die anwesenden Schülerinnen und Schüler gaben sich sehr interessiert und hörten gebannt zu, als die Bürgerrechtlerin von den Repressalien des politischen Systems der DDR berichtete.
Schon früh bekam Freya Klier den Druck des SED-Regimes zu spüren, mit dem bereits Kinder durch "Gehirnwäsche" systemkonform gemacht werden sollten. Bedingt durch die Inhaftierung des Vaters wurde sie von den Eltern getrennt und mit ihrem Bruder einem Kinderheim überstellt. Die Geschwister wurden in verschiedenen Gruppen untergebracht und sahen sich nur noch selten.
Fortan musste die Dreijährige mit ihren Leidensgenossen "Väterchen Stalin" huldigen und wurde dahingehend indoktriniert, "Feinde des Friedens" als Eltern zu haben. Als die Familie später wieder vereint war, nahm der Druck durch das Regime kein Ende. Der Bruder wurde als Jugendlicher verhaftet, weil er mit Freunden verbotene Musik hörte, sie selbst kam nach einem Fluchtversuch über den Hafen in Rostock mit dem Urteil "Versuchte Republikflucht" in Haft.
Klier berichtete den Jugendlichen aus einer Zeit, in der nahezu alles verboten war und die staatliche Kontrolle den Menschen zusetzte. Beispielsweise seien selbst Frisuren junger Männer dem System unterworfen worden, denn Langhaarige wurden zwangsweise zum Friseur gebracht und bekamen in erniedrigender Weise die Haare geschnitten. Das sei heute undenkbar, verdeutlichte Klier ihren jungen Zuhörern die Wichtigkeit demokratischer Strukturen.
Haftstrafen aus nichtigen Anlässen seien an der Tagesordnung gewesen, Gerichtsverfahren wurden ohne Zeugen abgehalten. Die Urteile wurden nur mündlich verkündet, um zu verhindern, dass schriftliche Gerichtsurteile in den Westen gelangten. Die Unfreiheit der Menschen habe ein massives Ansteigen der Suizidrate verursacht, besonders unter den jungen Menschen, unterstrich die Bürgerrechtlerin die Auswirkungen der Diktatur.
Freya Klier gelang die Gratwanderung, autobiographische Schilderungen mit einem wesentlichen Teil deutscher Geschichte zu verbinden. Sie erläuterte ihren jungen Zuhörern anschaulich, wie sehr sich die staatliche Kontrolle und Indoktrination auf das Leben der Menschen in der DDR ausgewirkt habe.
Eine Schülerin fragte, ob ihr dieses als Kind bereits bewusst gewesen sei, woraufhin Klier einräumte, dass die Wirksamkeit der frühkindlichen "Gehirnwäsche" bei ihr dazu geführt habe, als 12-jährige den Vater über dessen Verstöße gegen die Prinzipien der Partei zu belehren, doch je älter sie geworden sei, desto mehr habe sie mitbekommen, was im Land vor sich ging.
Bei den Menschen sei das Bewusstsein ebenfalls gewachsen, daraus sei die Bürgerrechtsbewegung entstanden: „Die Mauer wurde wegdemonstriert“. Freya Klier gab den jungen Menschen im Hinblick auf die vielen noch existierenden Dikaturen am Schluss etwas mit auf den Weg: „Es gibt noch viel zu tun für Euch".