Frauen frühstücken für mehr Integration

Raida Mohammad am Büfett mit Gästen des internationalen Frauenfrühstücks. (Foto: Renate Tiffe)

Interkulturelles Frauentreffen in der Seniorenbegegnungsstätte

GROSSBURGWEDEL (ti). Es war eine Art Testveranstaltung. Etwa dreißig Frauen, je zur Hälfte hier geborene Burgwedelerinnen und Mitbürgerinnen mit Migrationshintergrund, trafen sich in der Senioren-Begegnungsstätte zum gemeinsamen Frühstück. Vorbereitet worden war das – zugegeben eher festliche Büfett – von der Kurdin syrischer Herkunft, Raida Mohammad. Weitere Frühstücks-Treffen mit jeweils anderen landestypischen Essen sollen einmal im Monat folgen.
Die Idee kam von der Initiatorin von Kunst und Kultur für Kinder (KuK), Regina Gresbrand. Sie sei, so berichtete sie, durch die Zusammenarbeit mit Kindern ausländischer Herkunft viel in deren Familien gekommen und habe die Gastfreundschaft dort erlebt. Der Gedanke lag nahe, diese Erfahrungen weiterzutragen. Warum soll jeder sein eigenes Süppchen kochen, habe sie sich gefragt und in der Gleichstellungsbeauftragten Annegret Kurth und der Leiterin der Seniorenbegegnungsstätte, Elke Coordes, schnell Verbündete gefunden. Damit kam die Stadt Burgwedel mit ins Projekt. Sie trug die Kosten für das Frühstück und wird es, wie zu hören war, auch künftig tun.
Die Syrerin Raida Mohammad ist vor 13 Jahren mit ihrem Mann und zwei kleinen Kindern nach Burgwedel gekommen. Von Beruf Lehrerin hat sie bei der Pestalozzi-Stiftung eine Ausbildung zur Sozialassistentin angeschlossen und ist jetzt in der Grundschule Großburgwedel und für die Jugendhilfestation tätig. Möglicherweise ist sie eine Ausnahmeerscheinung, was die Integration angeht. Aber positive Vorbilder können bekanntlich viel bewirken. Ihr wurde die Aufgabe anvertraut, für das Büfett zu sorgen. Und damit konnte eigentlich nichts mehr schief gehen.
Das Frühstück war reichhaltig und vielseitig, viel Selbstgemachtes war dabei, Salate, Soßen, Eingelegtes auch Schnittkäse und die speziellen Joghurtbällchen. „Wir machen unsere Sachen im Sommer und „verstecken“ sie dann für den Winter in Gläsern in einem Raum in Langenhagen“, erläuterte Mohammad. Die orientalischen Gewürze lockten. Es war ein vegetarisches Frühstück - für alle ein Genuss.
Annegret Kurth, die vorher in Berlin-Kreuzberg lebte, und der das Stimmengewirr aus aller Welt vertraut war, hatte mehr im Sinn. Sie hatte eine Weltkarte aufgehängt, auf der alle Frauen ihren Geburtsort festnadeln konnten. Europa war am dichtesten vertreten, der Nahe Osten - Türkei, Syrien, der Libanon - war ein weiterer Schwerpunkt. Eine Frau kam aus Nigeria mit wenig Deutschkenntnissen, um die sie sich sichtlich bemühte.
Die Frauen sollten von sich erzählen und von ihren Ländern. Für Raida Mohammad kein Problem, hatte sie aus Burgwedel doch nur Gutes zu berichten. Sie habe Angst vor der fremden Kultur gehabt, gestand sie, aber hier war alles anders. Jedes Lächeln, jedes „Hallo“ habe dazu beigetragen, sich wieder heimisch zu fühlen. Viele haben ihr geholfen. Sie forderte die Frauen fremder Herkunft auf, mehr aus ihren Wohnungen herauszukommen: „Rausgehen, gucken, was hier läuft, auch um dem Männerdruck zu entgehen.“
Im – spontan arrangierten Interview – hakte Kurth nach. Warum ist sie aus Syrien geflohen? Sie sei nicht in der arabischen Partei gewesen und konnte als Lehrerin überhaupt nichts sagen. Ihr fehlte die Luft zum Atmen. Das wollte sie nicht für ihre Kinder. Über die Türkei kam die Familie nach Deutschland. In Syrien sei von Demokratie nur geredet worden. „Die Realität war die Armee, Soldaten und der Präsident.“ Hier könne sie Demokratie erleben. Sie sei stolz auf den Widerstand in Syrien. Aber jetzt sei Deutschland ihr Land.
Angela Brix, Ex-SPD-Ratsfrau, fand die Atmosphäre beim Frauenfrühstück überwältigend. Sie hätte sich allerdings mehr Frauen fremder Herkunft gewünscht und meint, dass die Veranstaltung offener gehandhabt werden müsste. Anmeldungen sollten trotzdem sein. Immerhin sei ein Anfang gemacht.
Beeindruckt zeigte sich auch Dr. Isa Huelsz. Das Frühstück sei ein richtiger Ansatz, um die Frauen aus den Häusern zu holen. Um dem Anspruch „interkulturell“ gerecht zu werden, müsse aber noch viel getan werden, äußerte die frühere Ratsfrau und FDP-Vorsitzende in Burgwedel.
Das nächste Frauenfrühstück findet als französisches Frühstück am 21. März von 9.00 bis 10. 00 Uhr in der Senioren-Begegnungsstätte statt.