Fotografierverbot in den städtischen Kindertagesstätten

Schiffstaufe in der Kita Kleinburgwedel Ende Januar: Selbstverständlich halten viele Eltern dieses Ereignis im Bild fest - doch damit ist es nun vorbei! (Foto: Hans Hermann Schröder)

Verwaltung will Haftungsrisiko für Bildmissbrauch minimieren

BURGWEDEL (hhs). Wohl 80 Prozent der Bevölkerung haben beinahe ständig eine Kamera dabei. Jedes Handy versetzt einen in die Lage, überall und jederzeit Fotos zu machen.
Dass Eltern ihre Kinder vom Säuglingsalter an in allen Lebenslagen und Situationen fotografieren, das hat sich in den vergangenen Jahren gewissermaßen zu einer Selbstverständlichkeit entwickelt. Es macht Freude, die Entwicklung eines kleinen Menschen lückenlos zu dokumentieren, nicht nur den Eltern, auch der Familie später und den Freunden.
Doch in den neun Kindertageseinrichtungen der Stadt Burgwedel ist es jetzt vorbei mit dem „zügellosen“ Fotografieren. Der Bürgermeister hat ein Fotografierverbot für Eltern in allen Tagesstätten, Krippen und Horten angeordnet.
Etwa 700 Eltern haben in den vergangenen Tagen Post von der Stadt Burgwedel erhalten. Es sind die Eltern, deren Kinder in den städtischen Einrichtungen betreut werden. In dem Schreiben wird den Sorgeberechtigten erläutert, dass sie bei ihren Besuchen in der Kita, die ihr Kind betreut, nicht mehr fotografieren dürfen: „... bitte berücksichtigen Sie, dass das Erstellen von Bild- und Tonaufnahmen in den städtischen Kindertageseinrichtungen nicht gestattet ist. Im Hinblick auf das Recht am eigenen Bild nehmen wir Rücksicht auf das allgemeine Persönlichkeitsrecht einer/eines jeden Anwesenden“, beginnt das Schreiben.
Da jeder Mensch selbst über Ort und Zweck der Veröffentlichung der von ihm erstellten Bilder entscheiden kann, könne die Stadtverwaltung diesem Anspruch nur gerecht werden, indem keine Aufnahmen von Kindern und Erwachsenen durch Besucher/Gäste mehr gestattet sind, wird dieses Verbot begründet. Die Kindertagesstätten, Horte und Krippen seien sensible, hochgeschützte Räume, weil die Kinder in ihnen das Wichtigste sind, führte es Bürgermeister Axel Düker näher aus.
Die Stadt habe keine Möglichkeit zu steuern, wo die Fotos ankommen, wenn sie denn erst einmal gemacht sind. Und die Eltern würden auch fragen, wie die Verbreitung einmal erschienener Fotos laufe. Er befürchte, auf die Stadt Burgwedel könne ein Haftungsproblem zukommen, wenn Fotos aus einem ihrer hochgeschützten Räume in die falschen Hände gerate. Düker betonte ausdrücklich, dass diese Untersagung des Fotografierens nur für die Kindertageseinrichtungen gelte, für die Schulen müssten das Schulleitungen regeln.
Viele Eltern hätten ihre Befürchtungen bei der Verwaltung geäußert, dass dieses Fotografierverbot der normalen Dokumentation der Entwicklung des Kindes, wie sie in den Kindertageseinrichtungen der Stadt Burgwedel üblich ist, entgegenstünde. Das sei nicht der Fall, so Düker. Es würden weiterhin individuelle Fotos von den Kindern gemacht vom Personal der Einrichtung. Die Fotos verbleiben in den Tagesstätten. Sofern die Eltern einwilligen, kann auch eine Präsentation des Bildmaterials in der Kindertagesstätte erfolgen, die aber nur einem beschränkten Personenkreis zugänglich ist. Eine weitere Veröffentlichung dieses Bildmaterials erfolge nicht.
Der zweite Teil des Schreibens formuliert eine Einverständniserklärung, dass von dem Kind Bild- und Tonaufnahmen im Rahmen der Betreuung der Kindertagesstätte erstellt werden. Darunter haben die Sorgeberechtigten drei Möglichkeiten die Verwertung dieser Fotos und Tonaufnahmen zu regeln: zum Ersten zur individuellen Dokumentation der Entwicklung des Kindes in einem Portfolio. Dieses ist nur dem Personal und den Sorgeberechtigten zugänglich.
Zweitens zur Dokumentation von Festen und Ausflügen und Ähnlichem. Sie können in der Kita präsentiert werden und sind dann Personal, Kindern, Eltern und Gästen zugänglich. Größte Freizügigkeit im Umgang mit dem Bild- und Tonmaterial verspricht die dritte Möglichkeit: Die Bild- und Tonaufnahmen von Ausflügen und Festen dürfen von der Presse zur Veröffentlichung verwendet werden. Sie sind also für die Öffentlichkeit zugänglich.
Daraus ergeben sich drei unterschiedliche individuelle Bildrechte für das Kitapersonal und die Kinder. Die Eltern müssen versichern, dass sie unter Berücksichtigung dieser Rechte in der Kita selbst keine Bild- und Tonaufnahmen tätigen. Das Kitapersonal ist angehalten, die Einhaltung der unterschiedlichen individuellen Bildrechte zu überwachen.