Forum der St.-Petri-Gemeinde diskutiert über Trauerkultur

Die veränderte Bestattungs- und Trauerkultur in unserer Gesellschaft wird im St. Petri-Forum am 30. Oktober im Gemeindehaus diskutiert. (Foto: Andrea Hesse)

Auslaufmodell Friedhof? Veränderungen in der Bestattungs- und Trauerkultur

GROSSBURGWEDEL (r/bs). Ein Thema, das tiefgreifende Veränderungen unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens widerspiegelt, ist am Mittwoch, 30. Oktober, ab 20.00 Uhr Gegenstand eines Informations- und Diskussionsabends im Gemeindehaus der St.-Petri-Kirche in Großburgwedel.
Unter der Überschrift „Auslaufmodell Friedhof? Über die veränderte Bestattungs- und Trauerkultur in unserer Gesellschaft“ setzt das St.-Petri-Forum seine Veranstaltungsreihe zu kirchlich und gesellschaftlich bedeutsamen Themen fort; einleitende Kurzreferate von Fachleuten geben dabei genügend Gesprächsstoff für die anschließende Diskussion.
Schon seit einigen Jahren ist zu beobachten, dass die fortschreitende Individualisierung unserer Gesellschaft auch vor der Friedhofskultur nicht haltmacht. Die in Deutschland bestehenden strengen gesetzlichen Regelungen erlauben das Begräbnis Verstorbener grundsätzlich nur auf den dafür vorgesehenen öffentlichen Friedhöfen nach den jeweiligen Friedhofssatzungen. Diese Vorschriften werden von vielen Menschen zunehmend als Bevormundung empfunden.
Nach einer Umfrage von 1998 wünschen sich 25 Prozent der Bevölkerung, die Grabstätten ihrer Angehörigen nach eigenen Vorstellungen gestalten zu können. Ein Fünftel aller Deutschen möchte die Asche ihrer Verstorbenen mit nach Hause nehmen. Hinterbliebenen weichen deshalb häufig ins Ausland aus, etwa in die Niederlande, wo alternative Bestattungsformen deutlich weniger rigide gehandhabt werden.
Aber auch in Deutschland erhält das traditionelle Erd- oder Feuerbegräbnis schon seit Längerem Konkurrenz durch Urnenbeisetzungen in Friedwäldern, anonyme Bestattungen oder Reihengräber, wo schlichte Platten ebenerdig mit den Namen und Lebensdaten der Verstorbenen in eine Rasenfläche eingelassen werden. Die veränderte Trauerkultur findet darüber hinaus ihren Ausdruck auch in Holzkreuzen mit Beigaben an Unfallorten oder auf Trauerportalen im Internet.
Die Kirche, insbesondere die evangelische, muss sich an diesem Punkt fragen lassen, ob sie hier ein ureigenes Betätigungsfeld nur unvollkommen ausschöpft – so könnte etwa die Tradition der Aussegnung bei der häuslichen Aufbahrung oder in den Abschiedsräumen von Krankenhäusern wiederbelebt werden. Auch ließe sich die Kirche selbst als Ort für Trauerfeiern neu entdecken – das St.-Petri-Forum freut sich auf interessierte Besucherinnen und Besucher und einen spannenden Abend.