Flüchtlinge in Burgwedel – die große Herausforderung

Beim Gespräch danach (v.l.): Michael Arndt, Bodin Reller, Frauke Paschen, Flüchtlingsbetreuer Otto Krull und Regine Arndt. (Foto: Renate Tiffe)

Eine Art Bestandsaufnahme beim zehnten St. Petri-Forum

GROSSBURGWEDEL (ti). Bis jetzt sind 177 Flüchtlinge in der Stadt angekommen, mehr als 250 werden es im Laufe dieses Jahres sein. Sie unterzubringen und zu versorgen ist auch für die Stadt Burgwedel eine große Herausforderung wenn Integration gelingen soll - und zwar für beide Seiten, sowohl für die neu Hinzuziehenden wie auch für die Menschen hier.
Eine Art aktueller Bestandsaufnahme brachte das 10. St.Petri-Forum im evangelischen Gemeindehaus mit etwa fünfzig Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Als das Thema vor einem Jahr geplant wurde, konnte niemand ahnen, welche Brisanz es erlangen würde, sagte die Sprecherin des Forums, Dr. Regine Arndt. Aufgabe sei es jetzt, die Herausforderung in engem Kontext mit den Werten des christlichen Glaubens anzunehmen. Vom Mut einander zu begegnen sprach Pastorin Bodil Reller, die zur Gastfreundschaft gegenüber Fremden aufrief, und der Bereitschaft, ohne zu zögern zu geben.
Wie bei den Forums-Veranstaltungen üblich, wurde zunächst mit handfesten Daten und Zahlen informiert. Es ergab sich eine aktuelle Bestandsaufnahme zur Flüchtlingslage in der Bundesrepublik wie auch in der Stadt Burgwedel. Dr. Michael Arndt, der frühere Regionspräsident, definierte die vier Formen der Aufenthaltsrechtsberechtigung und gab Auskunft über die unterschiedlichen Sozialleistungen, über welche Länder und Kommunen z.T. selbst entscheiden. Einen detaillierten Einblick über die Flüchtlingssituation in Burgwedel gab Frauke Paschen, in der Verwaltung für die Betreuung zuständig. Den größten Anteil machen die 25 – 40 Jahre alten Männer aus. Etwa ein Drittel bei den Zuwandernden sind Kinder und Jugendliche. Neben der großen Zahl von Staatenlosen sind die Hauptherkunftsländer Syrien, Pakistan, Afghanistan und der Sudan. 62 Flüchtlinge leben in Großburgwedel. 44 in Fuhrberg, 43 in Wettmar, 17 in Thönse und 8 in Engensen. Ohne die Hilfe der vielen Ehrenamtlichen sei deren Betreuung nicht zu schaffen, betonte die Sozialarbeiterin.
Vier der ehrenamtlich Tätigen kamen dann zu Wort, zwei von ihnen vor Jahren selbst zugewandert. Julieta Beine arbeitet mittlerweile offiziell in der Migrationsberatung. Die Sprache sei wichtig, meinte die gebürtige Mexikanerin. Aber sie sei nicht alles. Gut sei es, sie in realer Situation zu lernen, für die es schon Projekte gebe. Kindern bei den Hausaufgaben zu helfen, sei eine anspruchsvolle Aufgabe (auf die gerade in Burgwedel verzichtet wurde – wir berichteten). Was wird aus den Müttern, wenn die Kinder groß sind, was wird, wenn beispielsweise der Krieg in Syrien vorbei ist, fragte die rührige Neuburgwedlerin. - Von ihren Erfahrungen als neuankommende syrische Flüchtlingsfamilie berichtete Raida Mohammed, die bei der Initiative Interkulturelles Miteinander aktiv ist. Erst in Burgwedel habe sie sich „an die Hand genommen“ gefühlt. Jetzt möchte die ausgebildete Lehrerin, Mutter von fünf Kindern und zur Zeit in der Ausbildung als Erzieherin, helfen „Flüchtlinge fit zu machen, damit ein buntes Leben in Burgwedel“entsteht.
Lange bevor der Flüchtlingsstrom einsetzte, hat Regina Gresbrand mit „Kunst für Kinder“ eine Initiative ins Leben gerufen, die öffentlich bestens bekannt und notwendiger denn je ist. Ihre Tätigkeit ist mittlerweile zum Fulltimejob geworden, bekannte sie, wobei die Hauptaufgabe jetzt im Geldbeschaffen bestehe.
„Ganz frisch“ bei der ehrenamtlichen Hilfe dabei ist Nicola Füllgraf aus Wettmar. Ihr Anliegen ist die Vernetzung unter den freiwilligen Helfern. „Das Rad muss nicht immer wieder neu erfunden werden“, meint die Ingenieurin und organisiert derzeit einen Kreis von etwa 50 Personen, die sich regelmäßig treffen wollen. Der nächste Termin ist am 11. Mai in Wettmar.
Nicht unwesentlicher Teil des St. Petri-Forums war immer der anschließende Gedankenaustausch unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern an den Tischen.
Die Betonung liegt leider auf dem Wort war. Mit dem 10. Forum hat die Arbeitsgruppe um Regine Arndt nach fünf Jahren die Veranstaltungsreihe beendet. Wer wird danach die hochaktuellen Burgwedeler Themen aufgreifen, zum Nachdenken und zur Auseinandersetzung anregen?