„Fit for job“-Benimm-Training des Lions Club begeistert 45 Realschüler

Die Schulleiterin der Realschule Burgwedel Renate Koch zeigte sich ebenso begeistert von dem „fit for job“ Benimm-Kurs wie Wilfried Jakob vom Lions Club Isernhagen-Burgwedel. (Foto: Anna Kentrath)
 
Konzentriert widmeten sich die Schüler der Realschule Burgwedel dem Genuss ihres Schweinefleisches und hatten auch noch ein Ohr für die unterstützenden Hinweise in Sachen Tischkultur von Tobias Forth. (Foto: Anna Kentrath)

Regeln des guten Benehmens bei Tisch fordert junge Gentlemen heraus

GROSSBURGWEDEL (ak). Wie war das noch - welches Besteck benutze ich für welchen Gang, wer reicht wem das Brot, gieße ich mir selbst Wasser ein, darf ich mein Jackett ausziehen und wenn ja, wann?
Auch viele Erwachsene kenne sie nicht, die Antworten auf diese Fragen, die Regeln des guten Benehmens bei Tisch. Die jugendlichen Teilnehmer des „fit for job“-Projektes des Lions Club Isernhagen-Burgwedel sind seit Freitag ihren Altersgenossen einen Schritt voraus: der Benimmkurs im Hotel-Restaurant Kokenhof unter der Leitung von Tobias Forth eröffnete ihnen einen anschaulichen Einblick in die Welt des guten Tons.
Stütze die Ellenbogen nicht auf den Tisch, mach den Mund zu beim Kauen und sprich erst, wenn dieser leer ist. Diese Ermahnungen kennt der ein oder andere sicher aus der Kindheit von zu Hause, doch wie komplex das gute Benehmen außerhalb der eigenen vier Wände sein kann, etwa bei einem Geschäftsessen in einem gehobenen Restaurant, erfuhren 20 Schüler der Klassestufe 9 der Realschule Burgwedel bei einem ebenso informativen wie schmackhaften Nachmittag in der Kokenstube des Kokenhofes in Großburgwedel.
Bereits am Montag zuvor waren 25 Realschüler aus Isernhagen zu Gast gewesen und in den gleichen Genuss des anschaulichen Benimm-Unterrichtes gekommen. In Isernhagen seit drei, in Burgwedel seit zwei Jahren unterstützt der Lions Club Isernhagen-Burgwedel mit dem Projekt „fit for job“ Neuntklässler der beiden Realschulen bei ihrem Weg in die Berufswelt.
In Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit sowie dem externen Koordinator und Trainer Tobias Forth, Fachmann in Sachen berufliche Strategien und Sprache, bietet der Lions Club interessierten Schülern die Möglichkeit über ein Jahr lang an Coachings teilzunehmen, die sowohl die individuelle Berufsorientierung beinhalten, als auch Hilfestellungen in Sachen Bewerbung und Vorstellungsgespräch bieten.
Der „handlungsorientierte“ Benimmkurs im Kokenhof, der das Auftreten im öffentlichen Raum zum Thema hat, folgte einem ersten, theoretischen Teil, in dem Umgangsformen beim Vorstellungsgespräch im Vordergrund standen. Zuerst einmal sei zu beachten, so Tobias Forth gegenüber den 14- bis 15-Jährigen, dass der Herr der Damen aus der Jacke helfe und anschließend bei Tisch den Stuhl zurechtrücke. „Der Mann muss wirklich auf vieles achten“, erläuterte der Trainer den überraschten Jugendlichen, die sich gar nicht vorstellen konnten, dass in einer gleichberichtigten Zeit wie der unseren, vom Mann ein so großes Maß an Aufmerksamkeit gefordert wird.
Der Herr sollte der Dame möglichst die Wünsche schon von den Augen ablesen, ob sie noch Wasser nachgeschenkt haben möchte, aber das Glas nicht zu voll, ob sie ein weiteres Stück Brot benötigt oder aber den Stuhl zurecht gerückt haben muss, falls sie einmal die Toilette aufsuchen möchte. Auch die Eröffnung des Small-Talks obliegt dem Mann. Gar nicht so einfach, weder für die jungen Männer, die sich plötzlich in einer umsorgenden Rolle wiederfanden, als auch die jungen Frauen, die in Kommunikation mit ihrem Tischpartner treten mussten und nicht einfach auf eigene Faust handeln konnten.
Das Thema Tischkultur bei einem 3-Gänge-Menü zu erlernen begeisterte die Jugendlichen und ließ sie viele Fragen stellen, die im Verlauf des gemeinsamen Essens aufkamen. Sie lernten das Besteck gekreuzt hin zu legen, falls sie den Gang noch nicht beendet haben und „auf halb fünf“, wie Forth es bezeichnete, wenn der Teller abgeräumt werden dürfe.
Was die Jugendlichen aber vor allem erwarben, war Sicherheit, sei es bei einem Geschäftsessen mit dem Chef oder aber auch einem Vorstellungsgespräch. Sicherheit sich in einer Welt der Erwachsenen zu bewegen, ein Regelwerk beherrschen zu können, das ihnen die Möglichkeit gibt nicht darüber nachdenken zu müssen, wie man auf den Gegenüber wirkt, was man tun oder lassen sollte, sondern sich voll auf fachliche Stärken konzentrieren zu können.
Wilfried Jakob und Rainer Brakebusch vom Lions Club Isernhagen-Burgwedel treiben dieses Projekt mit viel Enthusiasmus voran und stellen begeistert fest, dass „fit for job“ längst zu einem festen Begriff bei Schülern und Eltern geworden ist. Für das kommende Jahr werden sie ihre Kapazitäten erweitern müssen, denn die Nachfrage ist jetzt bereits so groß, dass sich abzeichnet, dass im nächsten Jahr gleich zwei Gruppen pro Schule zusammenkommen werden. Isernhagen habe bereits 35 Anmeldungen zu verzeichnen, so Jakob, und bei der spürbaren Unterstützung der Schulleiterin der Realschule Burgwedel, Renate Koch, sei dort Ähnliches zu erwarten.