„Feuerwehrdienst darf nicht zum Berufsnachteil werden“

Günter Schulze und Rudolf Dornberger (v.l.) sind seit 50 Jahren Mitglied in der Ortswehr Fuhrberg. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Bezirksförster Christian Oehlschläger stellt seine neue Weste als Waldbandbeauftragter vor, in „feuerwehrblau“, wie er sagte. (Foto: Hans Hermann Schröder)

120 Mitglieder und Gäste bei Jahreshauptversammlung

FUHRBERG (hhs). Am vergangenen Freitagabend hatte die Freiwillige Feuerwehr Fuhrberg zu ihrer Jahreshauptversammlung in das Gemeindehaus der Ludwig-Harms-Kirchengemeinde geladen. In diesem Jahr war die Veranstaltung überdurchschnittlich gut besucht: 120 aktive, fördernde und musizierende Mitglieder und Gäste waren anwesend, was den Ortsbrandmeister sehr erfreute. Zeugte diese hohe Teilnehmerquote doch von starkem Interesse auch außerhalb der Ortswehr.
Es war eine sehr ernsthafte und nachdenklich stimmende Versammlung an diesem Abend. Das lag zum einen daran, das am Versammlungstag morgens Wilfried Dierking, förderndes Mitglied der Ortswehr, verstorben war. Zum anderen brachte „Tom“ (Name von der Redaktion geändert), langjähriges aktives Mitglied, böse Neuigkeiten von der aktuellen Situation auf dem Arbeitsmarkt in Bezug auf die Einstellungsbereitschaft einiger Arbeitgeber, wenn es sich um aktive Feuerwehrkameraden handelt. Tom, seit einiger Zeit arbeitslos, hatte sich zweimal auf freie Stellen beworben, es bis ins Einstellungsgespräch geschafft. Die Frage nach seinen privaten Hobbys hatte er wahrheitsgemäß mit „Feuerwehr“ beantwortet. Nun ist er weiterhin arbeitslos.
Entrüstung ging durch den Saal und schließlich auch die Erkenntnis, dass diese nachdenklich stimmende Entwicklung, die bisher nur anonym, „anderswo“, berichtet wurde, nun auch Burgwedel erreicht hat. Friedhelm Leisenberg, der Stadtbrandmeister, fluchte leise vor sich hin und sagte dann: „Feuerwehrdienst darf nicht zum beruflichen Nachteil werden. Hier ist einzig und allein die Politik gefragt“.
Ortsbrandmeister Dirk Fleischfresser war, wie viele seiner Kameradinnen und Kameraden, erschüttert und beinahe sprachlos: „Tom, ich weiß nicht, was ich Dir raten soll für das nächste Bewerbungsgespräch“ sagte er leise.... „Bleib am besten bei der Wahrheit“.
„Tom“ erklärte ausdrücklich im Gespräch mit den Burgwedeler Nachrichten, dass es hannoversche Firmen waren, die ihn wegen seiner Zugehörigkeit zur Feuerwehr abgelehnt haben. Er ist 52 Jahre alt, gelernter Elektriker und hat lange Jahre als Hausmeister und Lagerarbeiter gearbeitet. Der Feuerwehrkamerad, der unzähligen Mitbürgerinnen und Mitbürgern in größter Not geholfen hat, würde jede Arbeit in diesen Bereichen annehmen.
In seinem Jahresbericht erklärte der Ortsbrandmeister, die Fuhrberger Ortswehr habe 2009 wenige, aber leider auch einen besonders belastenden Einsatz zu verzeichnen, womit der den grausamen Motorradunfall ansprach, bei dem zwei Menschen starben. Insgesamt seien es nur zwölf Einsätze gewesen, davon fünf Hilfeleistungen, zwei Fehlalarme, fünf Brände und eine Räumungsübung an der Fuhrberger Grundschule. Dafür wurden 301 Stunden aufgewendet von insgesamt 205 Kameraden. „Im Durchschnitt sind wir mit 16 Kameraden ausgerückt“, sagte Fleischfresser.
Die Freiwillige Feuerwehr Fuhrberg besteht aus 362 Mitgliedern, davon 55 Aktive, 45 Musikerinnen und Musiker, 17 Mitglieder der Jugendwehr, 39 Alterskameraden und 217 fördernde Mitglieder. Die Gesamtdienststunden der Wehr betragen 10.177 Stunden. In die Reihen der aktiven Kameradinnen und Kameraden wurden im Verlauf der Versammlung Thorben Lüssenhop, Jörn Lühring, Nils Mithöfer und Kevin Paetzel übernommen. Sie alle legten ihre Verpflichtung ab. Ebenfalls zu den Aktiven kam Tobi Grehl, der schon in Celle aktiv war.
Sieben neue Mitglieder wurden in die Jugendwehr übernommen: Niko Brüning, Franziska Saal, Chelsea Sykes, Niclas Lange, Calvin Laveatz, Lara Gerns und Alicia Möhlenbrink. Vier neue fördernde Mitglieder konnte der Ortsbrandmeister begrüßen und zwei Neueintritte in den Feuerwehrmusikzug. Schließlich hatten die aktiven Kameraden in der Versammlung noch die Mitglieder des Ortskommandos in geheimer Wahl zu bestätigen. In der Wahl wurde das Ortskommando wiedergewählt.
Dann kam der eigentliche Höhepunkt der Versammlung, die Ehrungen. Mit der Ehrennadel in Gold der Bundesvereinigung der Deutschen Musikverbände wurden Musikzugführer Heiner Neddermeyer und Günter Voges für 50-jährige Mitgliedschaft geehrt. Ebenfalls 50 Jahre in den Reihen der Ortsfeuerwehr sind Oberlöschmeister Rudolf Dornberger und Oberfeuerwehrmann Günter Schulze. Sie erhielten Ehrennadel und Urkunde des Landesfeuerwehr- verbandes.
Zu Feuerwehrmännern wurden Thorben Lüssenhop, Jörn Lühring, Nils Mithöfer und Kevin Paetzel befördert, Oberfeuerwehrmänner wurden Lars Hemmann und Nils Wöhler, Hauptfeuerwehrmänner sind jetzt Tobi Grehl, Björn-Hendrik Möhring, Lars Hemmann und Hauke Wöhler. Stadtbrandmeister Friedhelm Leisenberg beförderte Torsten Benkenstein zum Löschmeister und Daniel Voigt zum Hauptlöschmeister. Feuerwehrmann des Jahres 2009 wurde Norbert Freier.