Festakt für 70-jähriges Engagement

Die Vorsitzende der Landfrauen Burgwedel, Christiane Guderian, verwies auf das symbolische Verbandszeichen, die Biene, die für soziales Engagement, Verantwortungsbewusstsein und Gemeinschaftssinn steht. (Foto: B. Garms-Polatschek)
 
Der Hohner-Ring Burgdorf sorgte für stimmungsvolle musikalische Begleitung der Jubiläumsfeier. (Foto: B. Garms-Polatschek)

Landfrauen Burgwedel feierten ihr Jubiläum

ISERNHAGEN/ALTWARMBÜCHEN (bgp). Rund 160 Landfrauen aus Burgwedel und Isernhagen feierten am vergangenen Wochenende ihr 70-jähriges Bestehen mit einem Rückblick auf den Verein, der mit seinem Bildungsprogramm und dem sozialen Engagement auch die Zukunft des ländlichen Raumes im Auge behält. Musikalisch stimmungsvoll begleitet wurde die Veranstaltung durch den Hohner-Ring Burgdorf, Landwirt und Referent Matthias Stührwoldt zauberte nach dem Festessen mit humorvollen Einlagen ein Lächeln auf die Gesichter der Gäste.
Die Vorsitzende Christiane Guderian begrüßte neben den Vertreterinnen auf Landes- und Bezirksebene ebenso wie aus dem Keisverband Altkreis Burgdorf auch die stellvertretende Ortsbürgermeisterin aus Isernhagen, Christiane Hinze, sowie ihren Amtskollegen der Stadt Burgwedel, Thorsten Rieckenberg. Die Vereinigung der Landfrauen Burgwedel umfasst die Kommunen Isernhagen und Burgwedel, allerdings ohne Fuhrberg, da diese Ortschaft traditionell zu den Landfrauen Wedemark zählt.
Chronistin Elisabeth Bähre bildete mit ihrem Rückblick die Geschichte des Vereins ab, dessen Protokolle Zeitzeugen der Entwicklung im ganzen Land sind. Der Landfrauenverein in Burgwedel wurde 1947 von „37 wackeren Frauen“ gegründet, um zunächst die durch den Krieg zu kurz gekommene Ausbildung der weiblichen Landbevölkerung zu fördern. Die Frauen mussten einen großen Teil der Aufgaben in der Landwirtschaft bewältigen, deren vordringliche Aufgabe es war, mit äußerster Kraft zu produzieren, um die Ernährung der hungernden Bevölkerung sicherzustellen. Die großen Flüchtlingsströme erschwerten die Lage in der Nachkriegszeit zusätzlich. In praktischen Lehrgängen bauten die Frauen ihre Kenntnisse im Gemüseanbau, der Geflügelhaltung und in der Hauswirtschaft aus.
Befassten sich die Landfrauen in den fünfziger Jahren noch mit der Gestaltung von Weihnachtsschmuck, Gartenarbeit oder Schädlingsbekämpfung, wurde das Spektrum im Laufe der Zeit von land- und hauswirtschaftlichen Themen um viele Aspekte wie allgemeine soziale Belange in der Gesellschaft, Kultur und Reisen erweitert. Diskussionen über das „Leben in der DDR“, Kurse über Krankenpflege und zahlreiche Vorträge über Gentechnologie oder Organtransplantation zeugen von der Vielfalt und Modernität der Landfrauen, die auch Anteil an der Deutschen Wiedervereinigung nahmen. Achtzig von ihnen machten sich kurz nach dem Fall der Mauer auf nach Halberstadt und Quedlinburg. Gemeinsam erlebten sie das wunderbare Gefühl, die Grenze ohne Kontrollen zu überqueren.
Die Landfrauen wollen mit Seminaren und Vorträgen den „Blick über den Tellerrand“ schärfen und sind aktiv bei vielen wohltätigen Aktionen. Elisabeth Bähre erzählte voller Stolz vom Besuch des Bundeslandfrauentreffens 2016 in Erfurt, bei dem Bundeskanzlerin Angela Merkel lobend hervorhob: „Sie tun unserem Land gut, sie machen sich um unser Gemeinwohl verdient, nicht durch Reden, sondern durch Handeln.“
Im Laufe der Jahre ist aus dem bäuerlich orientierten Netzwerk eine Vereinigung von Frauen vieler Berufszweige geworden, die sich für die Menschen im ländlichen Raum einsetzen. Somit hat der einstige Landfrauen-Wahlspruch aus den neunziger Jahren nichts an Aktualität eingebüßt: „Neue Wege sehen – neue Wege gehen.“