Ferienpass-Kinder lernten Kampftanz aus Brasilien

Dawid Murawski (rechts), stellte den acht Teilnehmerinnen und Teilnehmern Capoeira, den brasilianischen Kampftanz, auf der Wiese hinterm Jugendzentrum vor. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Capoeira: Freude an der Bewegung, Gefühl für Rhythmus und Spaß am Tanz. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Capoeira ist Mischung aus Tanz, Spiel, Sport und Kunst

GROSSBURGWEDEL (hhs). Ungewöhnliches gab es am Montag Nachmittag auf der Wiese am Jugendzentrum zu sehen. Dort bewegte sich tänzerisch anmutend eine Gruppe von acht Jungen und Mädchen, dazu erklang ein wenig exotische Musik aus einen Ghetto Bluster. Mittendrin, Dawid Murawski, im Rahmen des Ferienpasses der Jugendpflege der Stadt Burgwedel den „Schnupperkurs Capoeira“ leitete.
Capoeira sei eine Kampfkunst aus Brasilien, verdeutlichte Dawid Murawski. Es sei aber auch Tanz mit akrobatischen Einlagen, Spiel, Sport und eben Kunst. Zu Capoeira werde immer Musik gespielt. „Wo Capoeira ist, ist auch Musik“. Zunächst übte er mit den Jungen und Mädchen einige ganz einfache Bewegungen, Schritte, Beckenbewegungen und Armhaltungen, um den Körper zu lockern. Im weiteren Verlauf erklärte Murawski, der sich seit vier Jahren mit dieser Kampfkunst beschäftigt, dass der Kampftanz von den Sklaven in Brasilien entwickelt wurde. Seine Ursprünge, auch die der dazu gespielten Musik, so müsse man vermuten, lägen offenbar ganz weit zurück in der afrikanischen Heimat der Sklaven.
Diese Musik folgte einem endlosen Rhythmus, die Melodie war ebenso endlos aber in unterschiedlichen Variationen. Capoeira sei ein Gespräch, sagte Murawski zu den Kindern. Die Übungen würden immer in einem Kreis, der „Roda“ getätigt. Es seien Angriffsbewegungen oder Schutzbewegungen. Er machte es vor, indem er ein Rad schlug, das große Rad, wie er sagte. Wer schon einmal Turnunterricht genossen hat, kennt die archaische Energie, die man in den schnell den Kreis schlagenden Beinen spürt. Dann kam das kleine Rad, mit angezogenen Beinen ganz flach, eher eine Wegbewegung vor einer drohenden Gefahr als eine Attacke. Das „Gespräch“ findet bei Capoeira also nicht nur im Singen der Lieder oder der Sprache, sondern auch mit Gesten und den Übungen statt, die er den acht Ferienpasskindern beibrachte.
Dann, so ganz nebenbei, bat er die Kinder, sich in zwei Reihen aufzustellen. „Ich zeige Euch jetzt die „Ginga“, den Tanzschritt, der alles zusammenfügt, aus dem heraus jede Bewegung entsteht“. Murawski machte die „Ginga“ vor. Dieser, man könnte sagen, Grundschritt der Ginga ist vollkommen unspektakulär: Ein Bein steht vorn, das andere hinten, bei den Kindern einen knappen Meter voneinander entfernt. Die Füße weisen nach vorn. Dann wird das hintere Bein parallel neben das vordere gebracht. Nun wird das ehemals vordere Bein nach hinten gestellt. Bei allem wird eine Haltung eingenommen, in der das Becken frei ist in jede Richtung. Die Ginga folgt dem Rhythmus der Musik, immer weiter.
Die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer fanden das ganz toll und auch ein wenig exotisch. In den zwei Stunden, die für diese Ferienpassmaßnahme vorgesehen waren, sind sie zwar nicht zu Capoeira-Spezialisten geworden, doch was die Kinder mitgenommen haben, ist ein kleiner aber wesentlicher Einblick in brasilianisches Lebensgefühl, der mit dieser Ginga zu tun hat: Freude an der Bewegung, Gefühl für Rhythmus und Spaß am Tanz. Und wenn diese Jungen und Mädchen das nächste Fußballspiel mit brasilianischer Beteiligung anschauen, dann werden sie diese Ginga als Grundlage des Spiels der Brasilianer wieder erkennen.