FDP im Dialog mit Martin Kind – ganz unpolitisch

In aller Ausführlichkeit schilderte Kind die Entwicklung des Profibereichs von Hannover 96 zum Wirtschaftsunternehmen. (Foto: Renate Tiffe)
 
Ebenfalls im Publikum: Dieter Schatzschneider (links), bis heute die Nummer eins in der ewigen Torschützenliste der zweiten Liga und erfolgreichster Torjäger von Hannover 96. (Foto: Renate Tiffe)

Die Unternehmensgruppe und Hannover 96 im Blick auf die Zukunft

ALTWARMBÜCHEN (ti). Eine erwartungsvolle Zuhörerschaft, mehr als 50 Personen, hatten sich im Altwarmbüchener Hotel-Restaurant „Amadeus“ eingefunden. Die FDP hatte zum Dialog mit Martin Kind eingeladen, dem erfolgreichen Burgwedeler Unternehmer und Präsidenten des Fußballclubs Hannover 96. Es solle bei der Veranstaltung nicht um die Politik gehen, hatte die Isernhagener FDP-Vorsitzende Christiane Hinze bei der Begrüßung vorgegeben – was dem gut aufgelegten Redner des Abends offensichtlich entgegenkam.
Martin Kind, der nach seinem 70. Geburtstag offenbar dabei ist, sein Haus zu bestellen, sprach von der Entwicklung seiner Unternehmensgruppe, die es mit 570 Fachgeschäften zur größten Hörgerätekette in Deutschland gebracht hat, die in 64 Ländern der Welt vertreten ist und 3000 Mitarbeiter beschäftigt. Alles in allem handelt es sich um ein mittelständisches Familien-Unternehmen, bei dem es in letzter Zeit auch um die Nachfolge im Betrieb gehen musste.
Er habe das ganz große Glück, zwei Söhne zu haben, die bei unterschiedlichen Interessen und Ausbildungswegen erfolgreich seien, erzählte Martin Kind. Der Ältere habe Wirtschaftswissenschaften studiert, sei promoviert und habe es statt der wissenschaftlichen Laufbahn irgendwann vorgezogen „zu arbeiten“, und zwar im väterlichen Betrieb. Mittlerweile bestätigt der Vater ihm hohe Wissens- und Führungskompetenz. Das operative Geschäft teilt er sich weitgehend mit seinem Sohn - bei einem ausgesprochen guten persönlichen Verhältnis, eine ungewöhnliche Situation, wie Kind mehrfach dankbar betonte.
Seine andere Erfolgsgeschichte ist die von Hannover 96, des Fußballclubs, der 1997, im Jahr seines Einstiegs, als Chaosverein galt, in der 3. Bundesliga spielte und insolvent war. Bereits im Jahr darauf stieg er in die 2. auf und 2002 dann in die 1. Bundesliga. Ein neues Modell innerhalb des Vereins wurde geschaffen. Neben dem Breitensport wurde der Profibereich ausgegliedert und als Wirtschaftsunternehmen geführt. Damit wurde ein relativ stabiles Fundament geschaffen, meinte Kind. Wenn er, wie angekündigt, sich 2017 zurückziehen werde, sei 96 in beiden Bereichen gut aufgestellt.
Zum Dialog gehören Fragen aus dem Publikum. Was das Unternehmen anging, beantwortete sie Martin Kind kurz und bündig. Ja, es handele sich fast ausschließlich um Vertriebsgesellschaften, was die Hörgeräte betrifft. Nur die Thüringer-Tochter „audifon“ in Kölleda befasse sich mit Forschung und Entwicklung. Deren Geräte werden zu 100 Prozent in Deutschland gefertigt. Die Preisgestaltung in den Ländern richte sich im wesentlichen nach dem jeweiligen Lohnniveau.
Ja, der Werbeslogan „Er/Sie hat ein Kind im Ohr“ sei geschützt und habe eine neue Kreativität im Unternehmen freigesetzt. Eine politische Frage war nicht ausgeschlossen: Wird die Freihandelszone die Firma noch erfolgreicher machen? „Wir stehen jetzt schon gut da“, antwortete der Erfolgsgewohnte. Das Unternehmen agiere vor allem in Mitteleuropa, alles andere ginge über die Tochterunternehmen.
Spannender fand er es, über „96“ zu reden. In aller Ausführlichkeit schilderte Kind die Entwicklung des Profibereichs zum Wirtschaftsunternehmen.
50 bis 500 Millionen setze heute ein Bundesligaverein um. Es werde da nicht immer ehrlich gespielt. Im Wettbewerb gebe es viele Gestaltungsmöglichkeiten. Die HDI-Arena sei 2005 fertiggestellt worden und biete ein attraktives Panorama. Der Kreativität seien da keine Grenzen gesetzt. Zurzeit sei „96“ noch eine regionale Marke, aber sie habe die Chance, sich in drei bis fünf Jahren zur nationalen Marke zu entwickeln.
Bei soviel geschildertem Erfolg konnte ein FDP-Mitglied der durchaus politischen Frage nicht widerstehen, ob Kind nicht seiner gebeutelten Partei einen guten Rat geben könne. Bei der Gelegenheit gab der Vielbeschäftigte preis, dass er keiner Partei angehöre, weil er seine Unabhängigkeit brauche.
Es sei ein unglaublich schwerer Job, den die FDP jetzt zu bewältigen habe. Er wisse, wie schwierig es sei, ein Programm zu entwickeln, das mehrheitsfähig sei. Die FDP werde wieder kommen, weil sie gebraucht wird, sagte er voraus. Aber das werde dauern. - Dem hatte auch die hiesige FDP-Frontfrau Christiane Hinze nichts mehr hinzuzufügen.