Faszination Feuerwehr: „Es ist das Gefühl, gebraucht zu werden!“

Gruppenbild mit „Emma“ (Baujahr 1941): Brandabschnittsleiter Horst Holderith, Ortsbürgermeisterin Renate Matz-Schröder, Ehrenortsbrandmeister Fritz-Gerald Thies, Gemeindebürgermeister Arpad Bogya, Ortsbrandmeister Tankmar Eisfeld und Gemeindebrandmeister Wolfgang Schneider (v.r.n.l). (Foto: Svenja Steinseifer)

125 Jahre Freiwillige Feuerwehr NB/Rückschau auf eine wechselvolle Geschichte

ISERNHAGEN (svs). 02. Februar 1887: 41 Männer treffen sich in der hiesigen Schule und gründen die Freiwillige Feuerwehr Isernhagen NB. Mit Friedrich Thies als Hauptmann und Gottfried Heinrich Buhr als Stellvertreter. „Jubiläen sind ein Beleg dafür, sich über einen lange Zeitraum über Wasser gehalten zu haben“, sagt Brandabschnittsleiter Horst Holderith, „aber wo liegt das Geheimnis der Faszination Feuerwehr?“
Isernhagen KB am 30. November 1888. Zum ersten Mal rückte die frisch gegründete Freiwillige Feuerwehr Isernhagen NB zum Einsatz aus. Ein Scheunenbrand. Tief berührt steht Ortsbrandmeister Tankmar Eisfeld am vergangenen Sonntag, 125 Jahre später, im Feuerwehrgerätehaus. „Es ist ein tolles Gefühl“, sagt er, „in so viele lächelnde Gesichter zu blicken, die von unserer Kameradschaft zeugen!“ Vieles hat sich seit dem verändert, „und wird sich auch weiter verändern“, davon ist Ehrenortsbrandmeister Fritz Gerald Thies überzeugt.
1932 besaß die Wehr die modernste Feuerwehrausrüstung im Kreis Burgdorf. Es folgten schwere Einsätze während des 2. Weltkrieges und 1943 die Gründung der „Feuerlöschbereitschaft Burgdorfer Land“. Am 10. Oktober 1943 retteten die Kameraden des Kreises Burgdorf das alte Rathaus in Hannover vor der totalen Zerstörung und viele Menschen aus dem Flammenmeer auf dem Marktplatz. 1959 – ein trockener Sommer mit 21 Brandeinsätzen. 1960 gründete sich die Gruppe NB-Süd unter Günter Ernst. Erfolgreich gestartet wurde es bald ruhiger.
Die niedersächsische Gebietsreform 1974 setzte NB-Süd ein Ende und das Gebiet fiel Hannover zu. Mit der Geburtsstunde der Gemeinde Isernhagen verschmolzen acht einzelne Wehren zu einer Einheit. „Die Aufgaben der Feuerwehr haben sich verändert“, sagt Thies, „die Einsatzzahlen sind gestiegen“, weiß der Ehrenortsbrandmeister, „früher wurde die Feuerwehr im Notfall gerufen. Katzen auf dem Baum oder geplatzte Wasserleitungen – das gab es früher nicht.“ Genauso wie 100-Facebook-Freunde. „Die hat jeder“, sagt Thies, „man kann sich nur mit keinem unterhalten!“
„Ohne Kameradschaft ist eine erfolgreiche Wehr undenkbar“, betont Gemeindebürgermeister Arpad Bogya, „freiwilliges Engagement ist das verknüpfende Band, unangetastet seit 125 Jahren.“ Die Anforderungen an die Kameraden steigen, die Ausbildung wird intensiver, die Dienstleistung am Bürger ausgefeilter. „Wie lange kann das örtliche Engagement die weiteren Entwicklungsschritte noch tragen?“ fragt Bogya. Thies Forderung nach einer kleinen Truppe, „einer Bauhoffeuerwehr“, um die Tagesverfügbarkeit herauf zu setzen, hält Bogya für gefährlich.
„Das fordert Hauptamtlichkeit und stellt das Ehrenamt in Frage“, warnt er, „wir müssen reden, denken, planen und umsetzen – mit, mit, mit ihnen zusammen!“ Tankmar Eisfeld möchte vor allem eins: „So weiter machen – wir brauchen eine gute Ausstattung, volle Unterstützung, ein offenes Ohr für unsere Belange um den Anforderungen der Zukunft begegnen zu können.“ Denn für Arpad Bogya ist eines klar: „Wir alle stehen schon unter dem Einfluss des demographischen Wandels!“
„Früher war es nicht besser, es war nur anders“, sagt Fritz Gerald Thies, der nicht in allen neuen technischen Errungenschaften Verbesserungen für die Kameraden sieht, wie zum Beispiel im Digitalfunk. „Wir wünschen uns die gleiche Unterstützung und Verbundenheit wie in der Vergangenheit“, sagt Tankmar Eisfeld, der sich vor allem über die gute Zusammenarbeit mit dem Schützenverein, dem Fischereiverein und allen anderen Ortswehren und Hilfsorganisationen freut. Ortsbürgermeisterin Renate Matz-Schröder legt ihr Hauptaugenmerk auf die Jugendwehr. „Die Jugend ist unsere Zukunft sagt sie“.
Apropos Zukunft: „Nachwuchs brauchen wir immer“, betont Jürgen Bendix und Brandabschnittsleiter Horst Holderith weiß, wo das Geheimnis der Faszination Feuerwehr liegt: „Es ist das Gefühl, gebraucht zu werden!“