Evangelische Kitas wollen ihre Qualität weiter steigern

Sie alle gehen mit hohen Erwartungen und viel Engagement in den QMSK-Kurs: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem Kirchenkreis Burgwedel-Langenhagen mit Referentin Ruth Woody (2. von links) und Bernd Heimberg vom Diakonischen Werk der Hannoverschen Landeskirche (rechts). (Foto: Andrea Hesse)

Förderung der Kinder steht im Mittelpunkt

BURGWEDEL-ISERNHAGEN (r/bs). Ein weiterer Qualitätsentwicklungsprozess für die Kindertagesstätten im Kirchenkreis Burgwedel‐Langenhagen hat in der vergangenen Woche begonnen: Im Bildungszentrum des hannoverschen Stephansstiftes kamen Kitaleiterinnen aus 13 Einrichtungen sowie Vertreterinnen und Vertreter der Träger zur ersten Fortbildungsveranstaltung zusammen.
Mit ihrem Engagement in Sachen Qualitätsentwicklung kommen die Einrichtungen der Forderung des Sozialgesetzbuches VIII zur Kinder‐ und Jugendhilfe und des Niedersächsischen Kindertagesstättengesetzes nach: Dort ist unter anderem festgelegt, dass die Qualität der Förderung von Kindern durch geeignete Maßnahmen sichergestellt und weiter verbessert werden muss.
„Dieser Forderung wollen wir uns in unseren Einrichtungen gerne stellen”, sagt Christiane Höppner‐Groth, pädagogische Leitung für die Kindertagesstätten in Trägerschaft des Kirchenkreises.
„Evangelische Kitas stehen von jeher für die individuelle Förderung jedes Kindes und die Vermittlung christlicher Werte wie Toleranz und Nächstenliebe.“ Die Grundsätze der Landessynode für die Arbeit in evangelischen Kindertageseinrichtungen unter dem Titel „Das Kind im Mittelpunkt“ stehen für eine Grundhaltung, die jedes Kind mit all seinen Stärken und Schwächen annimmt und es liebevoll und fachlich kompetent in der Entwicklung seiner Persönlichkeit begleitet.
Neben den zehn Kindertagesstätten in Trägerschaft des Kirchenkreises nehmen auch die Kitas der Kirchengemeinden Bissendorf und Resse sowie der Elisabeth‐Kirchengemeinde in Langenhagen an der Einführung des Qualitätsmanagements teil. Darüber hinaus sind fünf Kitas aus der Landeskirche Braunschweig und eine Einrichtung aus dem Kirchenkreis Hittfeld an dem QM‐Kurs beteiligt.
Seit etwa zehn Jahren steht die Qualität der pädagogischen Arbeit regelmäßig im Fokus der Erzieherinnen in evangelischen Einrichtungen.
Im Jahr 2004 wurde in der Hannoverschen Landeskirche eine erste Fortbildung zur Qualitätsentwicklung durchgeführt, in der Qualitätsstandards zur Bildungsarbeit in evangelischen Kitas entwickelt wurden. Der jetzt begonnene Kurs ist die Weiterführung dieses Prozesses mit der Bezeichnung QMSK (Qualitäts‐Management‐System Kindertageseinrichtungen).
Das Konzept schafft die Grundlagen dafür, die teilnehmenden Einrichtungen zu einem späteren Zeitpunkt nach der europäischen DIN ISO 9000 zertifizieren zu lassen. Langfristiges Ziel ist die Erlangung des Evangelischen Gütesiegels, das auf der Grundlage dieser Norm bundesweit vergleichbare Qualitätsstandards für evangelische Kindertagesstätten festschreibt.
„Wir möchten, dass an erster Stelle das Kind mit seinen Interessen und die Unterstützung der Familien stehen“, antwortet Christiane Höppner‐Groth auf die Frage, wie das QMSK die tägliche Arbeit in den Einrichtungen voran bringe. „Alle anderen Aufgaben müssen sich dem unterordnen. So ist es uns unter anderem wichtig, in allen Kitas einheitliche Regelungen zur Platzvergabe, zur Elternarbeit und zum Beschwerdemanagement aufzustellen.“
Bei den Kitaleitungen im Kirchenkreis Burgwedel‐Langenhagen rennt sie damit offene Türen ein: In einer ersten Gesprächsrunde über ihre Zielvorstellungen äußerten die Teilnehmerinnen den Wunsch nach einrichtungsübergreifenden Vereinbarungen, noch klarer strukturierten Arbeitsabläufen, Zeitersparnis zugunsten der pädagogischen Arbeit und Impulsen für die Teamfindung. „Es geht um die effektive Gestaltung von Arbeitsprozessen auch mit dem Ziel, eine Arbeitsatmosphäre zu schaffen, in der sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wahrgenommen fühlen, in der sie ihre Fachkompetenz einbringen und fachliche Ziele umsetzen können“, sagt Christiane Höppner‐Groth. Diese Ziele zu erreichen sei angesichts der vorhandenen Rahmenbedingungen eine große Herausforderung.
An insgesamt elf Fortbildungstagen in den Jahren 2013 und 2014 lernen die Kitaleiterinnen die Anforderungen eines Qualitätsmanagements in einzelnen Modulen kennen, bearbeiten diese mit ihren Teams und setzen sie in der täglichen Arbeit in ihren Einrichtungen um. Für alle dabei auftauchenden Fragen und Probleme steht ihnen neben Christiane Höppner‐Groth auch Ruth Woody zur Verfügung: Die Diplom‐Sozialpädagogin und Kitaleiterin aus Frankfurt ist Hauptreferentin im QMSK‐Kurs und hat sich seit zehn Jahren auf die Qualitätsentwicklung in Kindertagesstätten spezialisiert.
Der Kirchenkreis als verantwortlicher Träger ist überzeugt, dass der Qualifizierungsprozess positive Effekte für alle Beteiligten mit sich bringt: „Evangelische Kindertagesstätten leisten schon immer gute Arbeit, und das soll auch bei steigenden Anforderungen und schwierigen Rahmenbedingungen so bleiben”, betont Christiane Höppner‐Groth. Das individuelle Profil der Einrichtungen soll dabei keineswegs verloren gehen: „Uns liegt viel an der Individualität – jede Einrichtung ist anders, und das wollen wir auch erhalten“, betont Ruth Woody.