„Es gibt kaum etwas Schöneres als einen Taufgottesdienst“

Taufe ist ein Erlebnis in Gemeinschaft: Paten, Pastor, Eltern und Kinder warten im Angesicht der Gemeinde auf ihre Taufe. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
An der Altarkerze wurde die Taufkerze entzündet. Nach dem Taufakt wurden an ihr die sechs neuen Taufkerzen entzündet. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Ungewöhnlich stark frequentierter Taufsonntag in der St. Petri-Kirche

BURGWEDEL (hhs). Normalerweise werden in der Großburgwedeler St. Petri Kirchengemeinde die in der Gemeinde anfallenden Taufen immer am zweiten Sonntag des Monats gefeiert. Diesmal, im Juli, war es anders.
Der Taufgottesdienst fand am dritten Sonntag statt. Und er hatte diesmal etwas ganz Besonderes: Die Gemeinde konnte sechs neue Glieder in ihrer Gemeinschaft begrüßen. Eine stolze Anzahl, die es nicht bei jedem Taufgottesdienst zu feiern gibt. Pastor Andreas Seifert, ehemals Chef der Pestalozzi-Stiftung in Großburgwedel, zelebrierte diesen Taufgottesdienst. Er hatte sich schon im Frühjahr für diese Zeit als Urlaubsvertretung zur Verfügung gestellt. Inzwischen hatten sich mehrere Burgwedeler dazu entschieden, sich selbst und/oder ihre Kinder eben an diesem Sonntag taufen zu lassen.
„Ich habe das nicht bereut, dass ich diesen Gottesdienst übernommen habe“, strahlte er aus vollem Herzen bei der Begrüßung der Gemeinde. „Es gibt kaum etwas Schöneres als einen Taufgottesdienst“, begrüßte Seifert die Gemeinde. Alle sechs Täuflinge waren da, zunächst die Familie Meyer aus Kleinburgwedel mit Töchterchen Emilia. Dann Familie Schmidt aus Thönse, deren Sohn auf den Namen Lennard getauft werden sollte. Und schließlich die Familie Kentrath aus Fuhrberg, Vater Alexander, Mutter Anna und die beiden Töchter Esther und Ruth. Alle sechs galt es, in diesem Gottesdienst zu taufen.
Pastor Seifert stellte das Bild des zufällig entdeckten Schatzes an den Beginn seiner Predigt:„Manchmal finden wir so etwas beim Aufräumen in unserer Wohnung, etwas von großem Wert oder ein Stück Papier, dessen Wert sich uns erst beim Lesen erschließt. Manchmal gehöre die wieder aufgefundene Taufurkunde auch dazu. Manchmal wunderten wir uns darüber, dass es den Menschen hinter dem Namen heute noch gibt. Man frage sich, wer bin ich, dass andere mich mit meinem Namen anreden?“ „Es wird klar, dass Sie in Ihrer Wohnung der Schatz sind“, sprach Seifert die Gemeinde direkt an. Einen Schatz in seinem Hause habe der, der mit einem Kind beschenkt wurde und diesem einem Namen geben durfte.
Mit der Taufe werde jeder Gottes Kind. „Du bist sein Geschöpf und darin ist Deine Würde begründet. Die Würde kann man mit Füßen treten, aber sie bleibt wie die Taufe auch ewig. Wir bleiben Gottes Kinder, einmal getauft, immer getauft. Das Geschenk der Gotteskindschaft gibt es nur einmal, aber für immer“. Dann vollzog Pastor Seifert der Akt der Taufe. Die Taufkerzen wurden entzündet, der Taufspruch vorgelesen, der den getauften ein Leben lang als Segensspruch begleiten soll.
Warum lassen sich erwachsene Menschen noch taufen? Anna Kentrath und ihr Ehemann Alexander sind als Kinder nicht getauft worden aus ganz unterschiedlichen Gründen. Sie selbst habe den Wunsch sich taufen zu lassen schon länger gespürt. Nun würden die beiden Mädchen im Kirchlichen Kindergarten in Fuhrberg betreut. Sie müssten den Kindern aus der Bibel vorlesen und die beiden hätten Fragen gestellt. Unter anderem auch danach, ob Vater und Mutter getauft worden sind. „Es wäre wirklich Unsinn gewesen, nicht auch selbst die Taufe anzunehmen, wenn wir unsere Kinder taufen lassen wollen“, so Anna Kentrath.