„Es genügt nicht, gegen Krieg und Gewalt zu sein“

Pastorin Reni Kruckemeyer-Zettel und Ortsbürgermeister Michael Kranz vor dem Ehrenmal in Wettmar. (Foto: Renate Tiffe)

Volkstrauertag in Wettmar würdig begangen

WETTMAR (ti). Überall in den Ortsteilen wurde der vergangene Sonntag als Volkstrauertag besonders begangen. In Wettmar bewegte sich ein langer, dunkler Zug von der Kirche zum Ehrenmal an der Hauptstraße, wo zwei Feuerwehrleute Wache standen.
Begleitet von den Klängen der Feuerwehrkapelle begaben sich der Ortsrat, die Feuerwehr und der Schützenverein sowie der Gemischte Chor zur Kranzniederlegung an der Gedenkstätte im Dorf.
Alle Menschen wollen in Frieden leben, in der ganzen Welt, begann Ortsbürgermeister Michael Kranz seine Rede. Dennoch gebe es Kriege weltweit. Geändert habe sich die Definition des Krieges, die keiner Kriegserklärung mehr bedürfen. Und es gebe Opfer weltweit.
Der Volkstrauertag sei ein Anlass der vielen Opfer in Gegenwart und Vergangenheit zu gedenken. Niemals habe es so viele Opfer gegeben, wie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. 10 Millionen Tote seien im Ersten Weltkrieg zu beklagen gewesen, 55 Millionen Tote im Zweiten Weltkrieg.
Zu gedenken sei der gefallenen Soldaten, aber auch der Opfer nationalsozialistischer Gewalttaten, von Flucht und Vertreibung. Die Tatsache, dass wir seit fast 70 Jahren im Frieden leben, dürfe nicht gleichgültig machen. Es genüge nicht, gegen Krieg und Gewalt zu sein. Noch wichtiger sei es, etwas für den Frieden zu tun. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge bereite mit seiner Arbeit den Boden für den Frieden, indem er zur Versöhnung unter den Völkern beitrage.
Wie sehr auch jeder Einzelne dabei gefordert sei, hatte Pastorin Reni Kruckemeyer-Zettel in ihrer Predigt im Gottesdienst herausgestellt. Umkehr geschehe nicht von allein und es reiche auch nicht, Unrecht zu erkennen und beim Namen zu nennen. Am Ehrenmal, das sie Mahnmal nannte, brachte sie der Trauergemeinschaft das Nagelkreuz und das Gebet von Coventry als eindrucksvolles Zeichen der Versöhnung nahe. Die Kathedrale von Coventry war im Zweiten Weltkrieg erstes Ziel deutscher Luftangriffe gewesen.
An die Kranzniederlegung, die er gemeinsam mit Ortsbrandmeister Karsten Weigt vornahm, schloss Kranz noch einmal das Trauergedenken an. Das Lied vom guten Kameraden erklang. Die Nationalhymne schloss sich an.
Der Trauerzug löste sich auf vor dem Dorfgemeinschaftshaus, in dem sich die Teilnehmer wie in jedem Jahr trafen. Mehr als sonst war der Saal gefüllt. - Anstelle früherer Sammlungen von Haus zu Haus war diesmal die Kollekte in der Kirche für die Kriegsgräberfürsorge bestimmt.