Erneuter Versuch zur Ansiedlung von Weißstörchen

Unter Anleitung von Claudia Mithöfer flechten die Kinder die Weidenruten zu einem Nest und schlagen sie dann blickdicht mit einem Hammer zusammen. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Olaf Mende von der Firma Fortmüller und Stephan Mithöfer befestigen die schwere Nestunterlage auf dem Dach des Wohnhauses. (Foto: Claudia Mithöfer)

40 Naturfreunde unterstützten die Mithöfers beim Nestbauen

FUHRBERG (hhs). Am vergangenen Samstag fand in Fuhrberg eine ganz besondere Naturschutzaktion statt: In der Eschenstraße auf dem Hausdach der Familie Mithöfer wurde ein Storchennest aufgesetzt.
Claudia und Stephan Mithöfer sind beide begeisterte Naturfreunde, sie ist vielen Kinder als Waldpädagogin „Waldolix“ ans Herz gewachsen. In den vergangenen Jahren hatten Störche sich häufiger auf dem Mithöfer-Dach eingefunden und dort längere Zeit verweilt. Ein Nest hatte aber keiner von ihnen zu bauen begonnen, „... weil keine Unterlage dort oben vorhanden war, auf der ein Nest ausreichend Halt gefunden hätte“, wie die Mithöfers es einschätzten.
Claudia Mithöfer sprach mit dem Hegering Burgwedel, dessen Greifvogel- und Eulenbeauftragte sie ist, und schnell war eine Lösung gefunden. Allein ohne technische Hilfsmittel ließ sich die Pläne nicht durchführen. Folgender Plan entstand und wurde am Samstag ausgeführt.
Die Fuhrberger Zimmerei spendierte eine perfekte Unterlage für das Storchennest mit gut 1,25 Meter Durchmesser. Die Dachdeckerei Koch erklärte sich bereit, diese oben auf dem Hausdach fest zu installieren und die Firma Baumpflege Fortmüller stellte Personal und einen Hubsteiger zur Verfügung, um die Unterlage mit dem darauf eingeflochtenen Nest aus Weidenzweigen nach oben zu befördern.
Das Unternehmen begann am Samstag um 10.00 Uhr morgens. Etwa 40 Fuhrberger fanden sich in der Eschenstraße ein, um mit Hand anzulegen an dem Nest, das noch geflochten werden sollte. Die Kinder lernten dabei von Claudia Mithöfer, dass ein Storchenpaar das Flechtwerk schön dicht liebt, so dicht, dass es man von unten nicht sehen kann, ob ein Großvogel darin zu brüten begonnen hat oder nicht. Mit einem Hammer schlugen die Kinder die Weidenzweige zusammen. Als alles eingeflochten war, banden die großen Zuschauer das Flechtwerk mit Draht zusammen.
Gegen Mittag war diese Arbeit beendet und das Nest wurde oben auf dem Dach fest und sicher angebracht. Dann gab es für alle zur Stärkung Bratwürste vom Grill und Getränke als kleines Dankeschön für den gemeinsamen Einsatz zur Wiederansiedelung des Weißstorches in der Ortschaft Fuhrberg.
Im kommenden Frühjahr ab etwa Anfang April kann man damit rechnen, dass sich Störche diese neue Gelegenheit zum Ansiedeln genauer ansehen werden. Dann treffen zuerst die Männchen hier ein und schauen sich um. Sie schauen sich den Lebensraum an, ob er ausreichend Nahrung bietet für zwei ausgewachsene Störche und einige Jungvögel, bessern alte Nester aus, oder sie entscheiden sich für einen anderen Standort.
Das letzte Wort scheinen aber die Weibchen zu sprechen, wenn sie etwa drei bis vier Wochen später eintreffen. Wenn Madame Storch sich gemeinsam mit ihrem Gatten auf dem neuen Nest niederlässt und beide den Kopf über den Rücken legen und laut mit dem Schnabel zu klappern beginnen, dann ist es geschafft und die beiden Adebars werden hier einen ersten, hoffentlich erfolgreichen Brutversuch unternehmen.
Die Chancen dafür stehen nicht schlecht. Zum einen steigt die Zahl der Störche in der Region Hannover leicht an in letzter Zeit. Zum anderen bemüht sich der Hegering Burgwedel seit zwei Jahren um Biotopverbesserungen im Grasbruch. Ein ehemals intaktes Feuchtbiotop im Besitz der Stadt Burgwedel muss vom Weidenbewuchs befreit werden, damit Frösche und Lurche, die Hauptspeise der Weißstörche, sich wieder in diesem Lebensraum ansiedeln können.